Verkehr Durchgangsverkehr und Raserei auf Feldwegen ärgert Anlieger

Das regt viele auf:  Die Zufahrt von der Kreisstraße aus Richtung Ersingen in die  Straubstraße am Ortseingang von Dellmensingen ist gesperrt.
Das regt viele auf: Die Zufahrt von der Kreisstraße aus Richtung Ersingen in die Straubstraße am Ortseingang von Dellmensingen ist gesperrt. © Foto: Franz Glogger
Dellmensingen / Petra Laible 18.07.2017
Von „illegaler Raserei auf den Feldwegen bei Dellmensingen“ sprechen Anwohner. Langsam werde es zu gefährlich, für Spaziergänger, Radler und Tiere

Von „illegaler Raserei auf den Feldwegen bei Dellmensingen“ sprechen Anwohner. Für Spaziergänger, Radler und Tiere werde es immer gefährlicher. „Teilweise ziehen ganze Karawanen an Autofahrern vorbei“, obwohl der Feldweg vom Schlossgarten, Richtung Schafstall und Umspannwerk für den Verkehr nicht freigegeben ist.

Das Problem: Seit 19. Juni ist die Kreisstraße 7373/Straubstraße in Dellmensingen wegen Bauarbeiten zum Hochwasserschutz voll gesperrt, unter anderem wird eine neue Brücke gebaut (siehe Infokasten). Verkehrsteilnehmer müssen offiziell eine Umleitung über Erbach und Donaustetten nehmen. Tatsächlich jedoch ist das vielen zu umständlich. Genutzt werden stattdessen zwei geteerte Feldwege, auf denen eigentlich nur landwirtschaftliche Fahrzeuge und ausnahmsweise auch Busse fahren dürfen.

Deshalb geht es derzeit hoch her beim Dellmensinger Ortsvorsteher und im Erbacher Ordnungsamt. „Was glauben Sie, wie viele Anrufe ich bekomme“, sagt Ortsvorsteher Reinhard Härle. Autofahrer, die sich über die Umleitung ärgern. Anlieger, die sich über den vielen Verkehr auf den Feldwegen aufregen. Dellmensinger, die die Sperrung wegen der Baustelle grundsätzlich in Frage stellen und meinen: „Till Eulenspiegel lässt grüßen.“ Anwohner, die für sich eine Ausnahmegenehmigung beantragen wollen. Hundebesitzer, die auf den Feldwegen ihre Tiere grundsätzlich nicht an die Leine nehmen wollen.

Alles hat seinen Preis

„Ich weiß nicht mehr, wie ich es recht machen kann“, sagt Härle. Aber auch: „Ich kann die Leute verstehen.“ Das große Problem sei der große Umweg. Beispiel eins: der Wertstoffhof in der Ersinger Straße. „Die Dellmensinger kommen nicht aus dem Ort raus dorthin.“ Theoretisch müssten sie über Donaustetten und Erbach fahren. Beispiel zwei: Dellmensinger, die in Ehingen arbeiten, müssten den Weg über Achstetten nehmen. Unmittelbar an der Baustelle vorbeizufahren, sei aber unmöglich, „das geht nur mit einer Sperrung“, sagt Härle. Tiefe Spundwände seien eingeschlagen worden, „da ist alles abgegrenzt“. Zudem sei bei dem Drei-Millionen-Euro-Projekt das Land als Partner mit im Boot. Dieses bezahle einen Zuschuss von 1,9 Millionen Euro und sei maßgeblich bei der Vorgehensweise. „Der Hochwasserschutz wird schließlich für die Anlieger gemacht“, fügt Härle hinzu – das Gewerbegebiet, den Schlossgarten und das Wohngebiet „Lüsse“. Dafür müsse man einen „gewissen Preis“ bezahlen. Bisher habe es in Dellmensingen nur 20-jährliche Hochwasser gegeben. „Man muss sich vorstellen, wie es mit einem Extremhochwasser sein wird.“

„Ich kann beide Seiten verstehen“, sagt auch der Erbacher Bürgermeister Achim Gaus – Anlieger und Autofahrer auf den Feldwegen. Vergangene Woche sei eine Verkehrskommission vor Ort gewesen: neben dem Ortsvorsteher Vertreter der Polizei und des Landratsamtes.

LKWS müssen draußen bleiben

„Wir sind nach wie vor bemüht, eine Lösung zu finden“, versichert Gaus. Eine Möglichkeit wäre nach Auffassung von Härle und ihm, die beiden Feldwege für Anlieger offiziell frei zu geben und den Verkehr mit Einbahnregelungen zu leiten. Lkw und überörtlicher Verkehr müssten aber weiterhin draußen bleiben. Zudem werde mit einer Mess-Station das Verkehrsaufkommen auf den Feldwegen ermittelt. Eine Entscheidung müsse aber das Landratsamt treffen.

Grundsätzlich merkt Gaus an: „Es ist bedauerlich, dass sich die Leute nicht ordentlich verhalten, so dass die Anlieger auf die Barrikaden gehen.“ Wenn sich jeder rücksichtsvoll verhalten würde, gäbe es diese Probleme nicht.

Sperrung voraussichtlich bis 21. Oktober

Hochwasserschutz Bis voraussichtlich 21. Oktober 2017 wird in Dellmensingen für rund drei Millionen Euro der Hochwasserschutz gebaut. Dafür ist seit 19. Juni die K 7373/Straubstraße zwischen der Abzweigung Richtung Ersingen und dem Ortseingang voll gesperrt. Der Durchlass an der K 7375 wurde abgerissen, dort wird eine neue Brücke errichtet.

Umleitung Der Verkehr von Ersingen nach Dellmensingen wird über die K 7375 (Donaustraße) in Richtung Erbach, die B 311, auf die L 240 nach Donaustetten und die K 9906 (Dellmensinger Straße) umgeleitet. Auch der Verkehr aus Dellmensingen nach Erbach wird über diese Strecke geleitet.