Agrarwirtschaft Düngeverordnung und Schweinepest machen Sorgen

Blaubeuren / Thomas Spanhel 13.01.2018
Europas Bauern-Präsident Joachim Rukwied fordert „praktikable Regeln“ bei der Gülle. Kreisvorsitzender mahnt zu schnellem Vorgehen gegen Wildschweine.

Das Familieneinkommen in den Betrieben des Kreisbauernverbands Ulm-Ehingen „hat sich im vergangenen Jahr erholt“. Das hat der Verbandsvorsitzende Ernst Buck gestern auf dem Bauerntag in der Halle am Schinderwasen in Blaubeuren-Pappelau berichtet. Doch die seit Anfang des Jahres geltende neue Düngeverordnung und die sich ausbreitende Afrikanische Schweinepest bereiten den Landwirten Sorgen, ergänzte der Vorsitzende. Auch die Preisentwicklung über alle landwirtschaftliche Sparten hinweg lasse für dieses Jahr nichts Gutes erwarten.

Für Buck ist klar, dass vor allem die Phosphor-Obergrenze in der Düngeverordnung die Landwirte belasten wird. „Hier könnten einige Flächen für die Gülle-Ausbringung verloren gehen.“ Er befürchtet insgesamt, dass die neue Verordnung „eine Abwärtsspirale der Erträge und der Qualitäten“ in Gang setzt – wie zum Beispiel in Dänemark.

Leider werde eine vernünftige Neuregelung im Alb-Donau-Kreis aus Wasserschutzgründen nicht angewandt, weil „die Landeswasserversorgung ein Überflieger im Ländle ist“, sagte Buck. In der Argumentation der LW sei „immer die Landwirtschaft der alleinige Schuldige bei der Verunreinigung des Trinkwassers“ und verantwortlich für die hohen Kosten der Filteranlagen. Buck verwies auf das inzwischen ausgesetzte „Donau-Ried-Hürbe-Projekt“, für das Landwirte Leistungen erbracht hatten, um die Nitratwerte im Grundwasser zu senken (wir berichteten). Zugesagte Zahlungen dafür seien bisher nur zu einem Drittel erfolgt.

Angesichts der immer näher rückenden Afrikanischen Schweinepest – Fälle gab es in Polen und Tschechien – fordert Buck von der Politik eine deutliche Trennung zwischen Haus- und Wildschweinen. Klar sei, dass Schutzzonen errichtet werden, sobald ein Wildschwein mit der Schweinpest entdeckt werde, aber: „Es darf auf keinen Fall passieren, dass diese Schutzzonen gleichbedeutend für das Hausschwein gelten.“ Dann könnten die Bauern keinen Handel mehr mit den Tieren treiben. Wie in anderen Ländern müsse man die Zahl der Wildschweine möglichst um 75 Prozent reduzieren. Er sieht hier das Land in der Pflicht: „Anderswo gibt es Abschussprämien, Schonzeitaussetzungen, Nachtsichtgeräte und anderes.“

Joachim Rukwied, Gastredner und Präsident des baden-württembergischen, deutschen und europäischen Bauernverbands, appellierte wie Buck an die Politik in Sachen Düngeverordnung, Schweinepest oder Ferkel-Kastration. „Wir brauchen praktikable Lösungen.“

Er verteidigte das Vorgehen von Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU), Glyphosat in der EU für weitere fünf Jahre zu genehmigen: „Das war mit der Umweltministerin so ausgehandelt worden.“ Und er rief dazu auf, schnell eine handlungsfähige deutsche Regierung  zu bilden. In Europa stünden Weichenstellungen im Agrarbereich an, für die „eine starke deutsche Stimme unabdingbar ist“. Landrat Heiner Scheffold verwies beim Bauerntag, bei dem die Landfrauen Hochsträß die Bewirtung übernahmen, auf eine Umfrage, wonach Landwirte auf Platz zwei der beliebtesten Berufe im Land stehen.

Der Kreis kümmere sich um ihre Belange, etwa bei der Auszahlung der Direktzahlung, die trotz verschärfter Kontrollvorgaben der EU zu 90 Prozent bis 15. Dezember erfolgt sei.

Neues Personal beim Kreisbauernverband

Verband Der Kreisbauernverband hat nach Angaben von Geschäftsführer Andreas Braig derzeit 3121 Mitglieder. In der Geschäftsstelle des Bauernverbands gibt es Veränderungen, die Stundenzahl wird angesichts der zunehmenden Beratung etwas erweitert. Neu sind Sabine Witt im Sekretariat, Elke Israel in der Steuerabteilung und Nadine Rade in der Rechtsberatung. Für die Sozialberatung ist nun auch Brigitte Schlaich zuständig. Insgesamt hat der Bauernverband in 435 Steuersachen beraten.

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