Ulm / Christian Kern  Uhr
„Heimtückischer Mord“: So lautete die Anklage der Staatsanwaltschaft gegen einen Mann, der seine Ehefrau in Laichingen-Suppingen erstochen haben soll. Nun hat der 40-Jährige die Tat gestanden.

Er verzieht keine Mine. Wie versteinert hört der 40-Jährige der Anklageschrift zu. Sein Blick ist starr auf den Tisch gerichtet. Zeitweise macht er die Augen zu. Die Vorwürfe gegen den Angeklagten wiegen schwer: Die Ulmer Staatsanwaltschaft beschuldigt den 40-Jährigen, seine Ex-Frau „heimtückisch“ ermordet zu haben: am 2. November 2018 im Laichinger Teilort Suppingen. Den Tathergang beschreibt die Staatsanwältin folgendermaßen: Der mutmaßliche Täter sei mit einem Steakmesser zu der Wohnung des Opfers in Suppingen gefahren. Dort habe er ein Kellerfenster aufgebrochen und sich einige Zeit im Keller versteckt. Dann sei er in die Wohnung eingedrungen. Als die 30-Jährige auf der Toilette war, habe der Mann sie mit elf Stichen mit zwei verschiedenen Messern getötet.

Ein Mann soll seine Ehefrau in Laichingen-Suppingen erstochen haben. Am Montag beginnt der Prozess gegen den 40-jährigen Verdächtigen.

Prozessauftakt beginnt mit einem Geständnis

Nur ein paar Meter von ihm entfernt sitzt eine Angehörige des Opfers in der ersten Zuschauerreihe. Den Vortrag der Staatsanwältin verfolgt sie mit einem Taschentuch in der Hand. Sie zittert, schluchzt laut. Ein paar Minuten später verlässt sie am Montag die Verhandlung im Ulmer Landgericht. Währenddessen wird im Schwurgerichtssaal ein Verhandlungsmarathon eröffnet.

Knapp sieben Stunden dauert der erste Prozesstag. Dieser beginnt überraschenderweise mit einem Geständnis des 40-Jährigen. Über seinen Verteidiger Jan Schaufler lässt er eine mehrseitige Erklärung verlesen. Darin beschreibt er das Verhältnis zu seiner Ex-Frau, das zunehmend schlechter geworden sei. Angefangen habe es, als er von März bis September 2018 in Haft saß. In dieser Zeit habe sie ihm mitgeteilt, dass sie sich von ihm scheiden lassen wolle. Zudem habe er bei seiner Entlassung erfahren, dass es ihm verboten sei, die gemeinsame Wohnung sowie Schulen und Kindergärten der drei gemeinsamen Kinder zu betreten.

Häufig Streit in der Beziehung

Dennoch habe er die Kinder und seine Ehefrau mehrmals getroffen. Allerdings sei es immer wieder zum Streit mit dem Opfer gekommen. Es sei um die Kinder und die Finanzen gegangen. „Sie sagte, dass es unseren Kindern gut täte, wenn ich mich erhängen würde“, heißt es in der Erklärung. Schon während der Ehe habe es körperliche Auseinandersetzungen gegeben, sagte der Angeklagte vor Gericht aus.

Auch am Tatabend habe er mit seiner Ex-Frau streiten wollen – wieder wegen der Kinder. „Ich wollte sie zu Rede stellen, warum sie diese nicht zu mir bringen will.“ Er habe vor ihrer Wohnung gewartet und ein Telefongespräch der jungen Frau mitgehört. Am anderen Ende der Leitung: ihr neuer Freund aus Esslingen. „Ich habe ein Messer aus der Küche genommen und dann auf sie eingestochen“, sagt der Angeklagte.

Elf tiefe Stiche

Trotz des Geständnisses sind noch einige Details der Tat ungeklärt. So beteuert der Angeklagte, dass er nicht mit einem Steakmesser nach Suppingen gefahren sei. Auch sei er nicht durch den Keller, sondern durch eine Wohnungstür in das Haus in dem Laichinger Teilort gelangt.

Die Ermittlungen nach dem Tötungsfall in Suppingen sind aufwendig. Die Polizei startete mehrere Suchaktionen.

Ebenfalls gibt es unterschiedliche Angaben darüber, wie oft der Täter zugestochen hat. Der 40-Jährige sagt, dass es nicht so viele Stiche gewesen seien. Die Sachverständige kommt in ihrer Aussage vor Gericht jedoch zu einem ganz anderen Hergang. Elf zum Teil knapp 15 Zentimeter tiefe Stiche habe sie bei der Obduktion der Leiche festgestellt. Sechs im Brustbereich, zwei im Bereich des Bauches, jeweils einen am Oberschenkel, Arm und Herz.

Der 40-Jährige leidet seit einigen Jahren unter einer Alkoholsucht, hat er vor Gericht angegeben. Daneben habe er mehrmals versucht, sich umzubringen. Seine damalige Frau habe ihm das Leben gerettet, indem sie das Seil durchtrennte, mit dem er sich erhängen wollte. Ein sachverständiger Psychiater begleitet den Prozess.

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