Projekt Dornstadt beteiligt sich mit 700.000 Euro am Bahnhalt Merklingen

Die Bahnhalt-Baustelle an der A 8 bei Merklingen: Dornstadt macht jetzt in dem kommunalen Verband mit, der mit mehr als elf Millionen Euro an dem Projekt beteiligt ist.
Die Bahnhalt-Baustelle an der A 8 bei Merklingen: Dornstadt macht jetzt in dem kommunalen Verband mit, der mit mehr als elf Millionen Euro an dem Projekt beteiligt ist. © Foto: Joachim Striebel
Dornstadt / Von Thomas Steibadler 22.07.2017

Als zehnte Kommune tritt die Gemeinde Dornstadt dem Verband Region Schwäbische Alb bei. Damit beteiligt sich Dornstadt an der Finanzierung des Alb-Bahnhofs bei Merklingen sowie an einem interkommunalen Gewerbegebiet. Letzteres soll in der Nähe der Autobahn erschlossen werden, der Standort steht allerdings noch nicht fest.

Gemeinderäte und Verwaltung waren sich in der Sitzung am Donnerstag einig, dass sich die Kommune am Bau des Regionalbahnhofs an der Schnellbahntrasse beteiligt. Einem Gutachten über die regionalen Wirkungen des Projekts zufolge werden vor allem die Teilorte Temmenhausen und Scharenstetten profitieren.

In Geld umgerechnet summieren sich die positiven Effekte demnach auf 400.000 Euro im Jahr. Die Annahme lautet, dass Temmenhausen und Scharenstetten durch die Nähe zum Bahnhof als Wohnorte und für kleine Gewerbebetriebe attraktiver werden. Bürgermeister Rainer Braig: „Dieser Bahnhof ist eigentlich genau die Infrastrukturmaßnahme, die man braucht.“

Gemeinde will Solidarität zeigen

Diese Effekte würden sich auch ohne Mitgliedschaft Dornstadts im Zweckverband einstellen. Nach Ansicht der Verwaltung sollte die Gemeinde aber Solidarität mit den anderen Kommunen zeigen. Das unterstrich auch Andreas Aigeltinger (Freie Wähler): Es ist geboten, dass wir uns an der Solidaritätsgemeinschaft beteiligen.“ An eine „Goldgräberstimmung“ in Temmenhausen und Scharenstetten glaube er nicht, doch stelle der Bahnhof eine große Chance für organisches Wachstum der Teilorte dar.

Auch nach Ansicht von Andreas Engels (SPD) ist es „essenziell, dass wir uns beteiligen“. SPD-Fraktionsvorsitzender Paul Anhorn bezeichnete den Bahnhalt als „zukunftsweisendes Projekt“. Die damit verbundenen Vorteile ohne Beteiligung abzuschöpfen, „wäre ein bisschen schofel“.

An dem auf 44 Millionen Euro geschätzten Bahnhalt beteiligt sich der Verband Region Schwäbische Alb mit 11,7 Millionen. 1,5 Millionen Euro übernimmt der Alb-Donau-Kreis, den großen Rest bezahlt das Land. Der Verband hat acht Gründungsmitglieder, weitere Kommunen können sich insgesamt mit bis zu 20 Prozent beteiligen. Dornstadt steigt mit den beiden genannten Teilorten beziehungsweise deren Einwohnerzahl ein. Das macht bei einer gesamten Kapitalumlage von 11,7 Millionen etwa 700.000 Euro. Davon bezahlt die Kommune 200.000 Euro direkt ein. Über 500.000 Euro nimmt der Verband einen Kredit auf, der von der Gemeinde bedient wird.

Planungshoheit bleibt

Neben der Mit-Finanzierung des Bahnhalts und des dazugehörigen Pendlerparkplatzes besteht ein zweiter Verbandszweck: ein interkommunaler Industrie- und Gewerbepark. Dort sollen sich nach den Worten von Verbandsgeschäftsführer Werner Zimmermann große Betriebe ansiedeln. Daneben könne jede Mitgliedskommune die eigene Entwicklung planen. Die Planungshoheit des Gemeinderats werde nicht angetastet, sagte auch Bürgermeister Braig auf eine Frage von Karl Knab (CDU/BWV).

„Sehr, sehr skeptisch“, ist Herbert Jarosch (Freie Wähler) hinsichtlich des Gewerbegebiets. Die Kosten für Grunderwerb, Planung und Erschließung stellten ein nicht überschaubares Risiko dar, „das muss man wissen“. Zumal Dornstadt unter anderem mit der Entwicklung des jetzigen Areals der Evangelischen Heimstiftung (Betreuungs- und Pflegezentrum) eigene Aufgaben zu bewältigen habe. Letztlich stimmte aber auch Jarosch für den Beitritt zum Verband. Lediglich Michael Gugelfuß (SPD) enthielt sich.

Zuvor war noch kurz darüber diskutiert worden, ob der für Temmenhausen und Scharenstetten aufgelegte Strukturfonds für den Einstieg beim Verband herangezogen werden soll. Nach den Worten von Andreas Aigeltinger handelt es sich um 125.000 Euro, die bislang nicht abgerufen worden seien. Herbert Jarosch sprach sich dagegen aus. Das Geld könnte für ein Jugendhaus in Scharenstetten oder eine barrierefreie Ortsverwaltung in Temmenhausen verwendet werden. Und Günther Vetter (CDU/BWV), Ortsvorsteher von Temmenhausen, sagte: „Wir brauchen das Geld für die Infrastruktur vor Ort.“

Sechs Kommunen sind noch angefragt

Mitglieder: Acht Kommunen – Laichingen, Berghülen, Drackenstein, Heroldstatt, Hohenstadt, Merklingen, Nellingen und Westerheim – haben im November 2016 den Verband Region Schwäbische Alb gegründet. Bad Ditzenbach ist inzwischen beigetreten, jetzt auch Dornstadt. Darüber hinaus hat der Verband sechs Kommunen aufgefordert, über eine Mitgliedschaft zu beraten. Welche das sind, will Verbandsgeschäftsführer Werner Zimmermann nicht verraten. Die Beitritts-Entscheidung müsse bis Ende Oktober getroffen werden.

Gewerbegebiet Geplant sei ein „regional bedeutsamer Standort“ mit etwa 50 Hektar Fläche, sagt Zimmermann. Wo genau das Gewerbegebiet ausgewiesen werden soll, stehe noch nicht fest. „Aber es gibt Überlegungen.“ Und Gespräche mit dem Regierungspräsidium Tübingen, dem Landratsamt Alb-Donau und dem Regionalverband Donau-Iller. Ziel sei es, mit der Erschließung des Gebiets möglichst dann zu beginnen, wenn der Bahnhalt Merklingen in Betrieb geht. Nach dem Zeitplan der Deutschen Bahn ist das Ende 2021.

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