Kommune Dornstadt auf dem Weg zur Nachhaltigkeit

Sinnbild für Nachhaltigkeit: eine Streuobstwiese bei Bollingen. Was alles zur nachhaltigen Entwicklung der Gemeinde gehört, soll in Dornstadt in einem Beteiligungsprozess ermittelt werden.
Sinnbild für Nachhaltigkeit: eine Streuobstwiese bei Bollingen. Was alles zur nachhaltigen Entwicklung der Gemeinde gehört, soll in Dornstadt in einem Beteiligungsprozess ermittelt werden. © Foto: Matthias Kessler
Dornstadt / Von Thomas Steibadler 14.07.2018

Jeder kann zum Klimaschutz und zur Nachhaltigkeit beitragen, sagt Susanne Berger: „Jeder einzelne kleine Schritt ist wichtig.“ Dieser Erkenntnis der Koordinatorin für kommunale Entwicklungspolitik lässt ihr Arbeitgeber, die Gemeinde Dornstadt, Taten folgen. Im Januar hat der Gemeinderat beschlossen, die Bürger an der Ausarbeitung eines Konzepts zur nachhaltigen Entwicklung der Kommune zu beteiligen. Am Montag, 30. Juli, beginnt der Beteiligungsprozess mit einer Auftaktveranstaltung im Bürgersaal (siehe Infokasten).

Für die Bürgerbeteiligung hat sich die Gemeinde professionelle Unterstützung geholt. Der Prozess wird von einer Beraterin des Büros Finep (Forum für internationale Entwicklung und Planung) als Moderatorin betreut. Zudem ist bereits eine Begleit-Gruppe gebildet worden, der seitens der Verwaltung Bürgermeister Rainer Braig, Hauptamtsleiter Jörg Hunke und Susanne Berger angehören. Hinzu kommen drei Gemeinderäte, drei externe Fachleute und vier Vertreter der Bürgerschaft. Das sind bisher Christian Renner, Moderator im Familien- und Gegenerationenzentrum, und Realschulleiter Martin Böhnisch. Jetzt sollen noch zwei Jugendliche für eine Mitarbeit gewonnen werden.

Der nächste Schritt der Bürgerbeteiligung besteht dann in so genannten Nachbarschaftsgesprächen. Um zunächst mit möglichst vielen Dornstadtern ins Gespräch zu kommen, nutzt Susanne Berger das Obstwiesenfestival. Am Donnerstag, 16. August, dem ersten Festivaltag, und am Samstag, 18. August, wird sie an einem Stand über das Ziel nachhaltige Gemeinde-Entwicklung und den Weg dorthin informieren.

Die weiteren sieben bis acht Nachbarschaftsgespräche sind für den Herbst geplant. Dazu will Susanne Berger jeweils etwa 20 Bürgerinnen und Bürger einladen. Zielgruppe ist die Generation 18 bis 40: „Für die muss sich die Gemeinde weiterentwickeln.“ Unter dem Stichwort „Stadtplanung am Küchentisch“ werden diese Treffen in allen Orten der Gemeinde stattfinden.

Die Ergebnisse des Beteiligungsprozesses, der Anfang nächsten Jahres in größeren Gruppen fortgesetzt wird, sollen als Eckpunkte des Entwicklungskonzepts festgehalten werden. Dazu werden sich der Gemeinderat und die Begleit-Gruppe im Frühjahr in Klausur begeben. Für Mitte 2019 ist der Gemeinderatsbeschluss über das Konzept zur nachhaltigen Entwicklung vorgesehen. „Dann geht’s ans Umsetzen“, sagt Susanne Berger.

Dornstadt mit etwa 8700 Einwohnern gehört wohl zu den ersten Kommunen dieser Größenordnung im Land, die nachhaltige Entwicklung als Ziel formulieren. An der kommunalen Basis aktiv zu werden, ist für Bürgermeister Rainer Braig die logische Konsequenz daraus, dass von oben nach unten zu wenig passiere. Also müsse man auf örtlicher Ebene handeln.

Nachhaltigkeit bezieht sich nach Braigs Ansicht nicht nur auf Ökologie und Klimaschutz. Auch Stadtplanung sei ein Thema. Städtebau allein reiche allerdings auch nicht. Aus diesem Grund werden die Bürger einbezogen, auch Gruppen, die sich nicht für Kommunalpolitik interessieren: „Was beschäftigt euch?“ Das ist nach Überzeugung des Bürgermeisters ebenfalls eine Form von Nachhaltigkeit. Auch wenn nicht sicher sei, dass der Beteiligungsprozess funktioniert, ist Braig sicher: „Das ist der richtige Weg zu einem Entwicklungskonzept.“

Die Gemeinde fange dabei nicht bei Null an, sagt Susanne Berger. Der erste Nachhaltigkeitsbericht wurde 2016 verfasst, erst kürzlich hat der Gemeinderat ein energiepolitisches Arbeitsprogramm beschlossen, Dornstadt nimmt am Zertifizierungsverfahren European Energy Award teil. Und Susanne Berger ist überzeugt, dass auch der nächste Schritt mit Hilfe der Bürger gelingen wird. Denn: „Eigentlich kann es sich keiner mehr leisten, nicht nachhaltig zu denken.“

Zum Auftakt spricht Sven Plöger

Dialog „Gute Aussagen für morgen?“ Unter diesem Titel wird der bekannte Meteorologe Sven Plöger am Montag, 30. Juli, im Bürgersaal in Dornstadt sprechen. Dort beginnt um 19 Uhr die Auftaktveranstaltung zur Bürgerbeteiligung am nachhaltigen Gemeinde-Entwicklungskonzept. Im Anschluss an den Klima-Vortrag wird Moderatorin Petra Schmettow vom Beratungsbüro Finep Sinn und Ablauf des Beteiligungsprozesses erläutern. Dieser beginnt noch am selben Abend mit Dialoggruppen, in denen Ideen zu vier Oberthemen gesammelt werden: Nachhaltigkeit, Umwelt- und Klimaschutz, Enkeltauglichkeit (Generationengerechtigkeit), Gemeinde-Entwicklung.

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