Langenau Diskussion der "Initiative Zusammenrücken" über Integration

Von Frontalpräsentation hält Gökay Sofuoglu (links) wenig. Er forderte sein Publikum zu Beginn der Diskussionsrunde lieber zu Gesprächen auf, an denen er sich natürlich auch selbst beteiligte.
Von Frontalpräsentation hält Gökay Sofuoglu (links) wenig. Er forderte sein Publikum zu Beginn der Diskussionsrunde lieber zu Gesprächen auf, an denen er sich natürlich auch selbst beteiligte. © Foto: Martina Dach
Langenau / YASEMIN GÜRTANYEL 21.10.2014
Raus aus der Komfortzone - das wurde am Freitagabend bei der Diskussion zum Thema "Zusammenleben in Langenau" verlangt. Referent Gökay Sofuoglu regte zu Gesprächen an und gab kritische Impulse.

Einfach zurücklehnen und dem Referenten zuhören, so hatte sich Gökay Sofuoglu, der Vorsitzende der türkischen Gemeinde Deutschland, sein Publikum im Langenauer Kulturbahnhof nicht vorgestellt. Gleich in den ersten Minuten wurden die rund 20 Anwesenden aus ihrer passiven Haltung aufgescheucht. "Zusammenleben in Langenau", war das Thema dieses Abends, der von der "Initiative Zusammenrücken" organisiert worden war. Gekommen sind sowohl "Menschen mit Migrationshintergrund als auch Eingeborene", wie Sofuoglu erfreut feststellte. Um sein Publikum sogleich zum Gedankenaustausch über die Frage "Wie stelle ich mir Langenau in zehn Jahren vor, und wo befinde ich mich da?" von den Stühlen zu jagen.

Nach einer Schrecksekunde kamen die Gespräche auch tatsächlich in Gang, sogar so gut, dass Sofuoglu nach rund 20 Minuten mehrmals dazu auffordern musste, sich wieder zu setzen, um gemeinsam zu diskutieren. In seiner Rolle als Moderator gab er sowohl den türkischstämmigen als auch den alteingesessenen Langenauern Impulse zum Nachdenken. "Hätte ein Kandidat mit eindeutig ausländischem Namen eine Chance, zum Bürgermeister gewählt zu werden?", war einer davon. Der Großteil der Anwesenden sah das eher pessimistisch - nur über den Grund war man sich uneins. "Wer einen ausländischen Namen hat, wird diskriminiert", meinte etwa ein türkischstämmiger Mann und verwies auf die Studien, nach denen nicht-deutsche Bewerber deutlich benachteiligt werden. "Wer sich in Langenau einbringt und wen die Leute kennen, kann auch Bürgermeister werden", meinte dagegen eine Alteingesessene Langenauerin.

Sofuoglu nahm die Anregung auf, um nachzuhaken: "Wie viele türkische Namen sieht man bei der freiwilligen Feuerwehr?", adressierte er an das türkischstämmige Publikum. "Wir müssen uns schon fragen, warum das so wenige sind." Überhaupt, schob er nach, bei aller berechtigter Kritik, die Opferrolle helfe nicht weiter. "Statt zum Beispiel zu jammern, dass die Gesellschaft einem keine Möglichkeit gegeben hat, Deutsch zu lernen, sollten wir selbst aktiv werden", meinte er. Womit er einige Aufregung auslöste. Heftig nickende Alteingesessene saßen neben aufgebrachten Männern und Frauen, die sich ungerecht behandelt fühlten. "Ich versuche seit acht Jahren, Deutsch zu lernen, und es ist immer noch schwer. Soll ich jetzt zurück in die Türkei?", fragte etwa ein Mann. "Wer das so gut sagen kann, spricht doch gut", beruhigte Sofuoglu.

Zum Nachdenken regte er aber ebenso die Alteingesessenen an. "Als Gast im Wirtshaus verlange ich ja auch nicht, dass der Wirt zu mir nach Hause kommt, wenn ich ein Bier will", meinte ein Mann, als es darum ging, wie man sich gegenseitig erreichen könnte. "Wir sprechen nicht von Gästen", entgegnete Sofuoglu. "Wir sind hier alle Langenauer." Daher wäre es sicher erfolgsversprechender, nicht etwas für die anderen machen zu wollen, sondern sich gemeinsame Aktionen zu überlegen. Die Erfahrung habe übrigens auch die "Initiative Zusammenrücken" gemacht, bestätigte Wilmar Jakober. Ein Arbeitskreis habe etwa versucht, ein Treffen für türkische Frauen zu organisieren. Keine kam. Die Diskussion mit Sofuoglu habe man sich gemeinsam überlegt - und sie ist gut besucht.

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