Gesellschaft Digitale Zukunft auf dem Land

Ein Beispiel für die Möglichkeiten durch Digitalisierung ist die Telemedizin: hier die Fern-Diagnose einer Hauterkrankung.
Ein Beispiel für die Möglichkeiten durch Digitalisierung ist die Telemedizin: hier die Fern-Diagnose einer Hauterkrankung. © Foto: Sebastian Gollnow/dpa
Alb-Donau-Kreis / Von Thomas Steibadler 11.10.2018

Wird der Computer zum Arzt? Wolfgang Schneider, Geschäftsführer der ADK GmbH für Gesundheit und Soziales und der Krankenhaus-Gesellschaft des Alb-Donau-Kreises, gibt auf diese selbstgestellte Frage eine ausweichende Antwort: In den nächsten 15 Jahren werde der Computer wohl „ein wertvoller Unterstützer des Arztes“ bleiben.

Als Fachmann für das Gesundheitswesen gehörte Schneider zu den Referenten beim Forum „Denkanstöße für unseren ländlichen Raum“, das kürzlich zum vierten Mal im Landratsamt des Alb-Donau-Kreises stattfand. In vielen medizinischen Bereichen sei die elektronische Datenverarbeitung dem Menschen bereits voraus, sagte Schneider. Beispiele seien Anwendungen in der Kardiologie und der Diagnose von Krebs. Die für Menschen nicht mehr zu bewältigende Datenflut, die Schnelligkeit und die ständige Verfügbarkeit seien weitere Vorteile des Comupters.

Andererseits habe der Arzt dem Rechner einiges voraus. Die richtigen Schlussfolgerungen aus der Diagnose zu ziehen und so die Ursache von Erkrankungen zu erkennen, sei dem menschlichen Mediziner vorbehalten. Ein weiterer Punkt sei die Haftungsfrage, sagte Schneider: Wer haftet, wenn der Computer eine falsche Diagnose stellt und eine falsche Therapie die Folge ist? Und nicht zuletzt: Die Arzt-Patient-Beziehung könne durch die Maschine nicht ersetzt werden.

Telemedizin, also medizinische Leistungen mit Hilfe von Kommunikationstechnik, werde gleichwohl immer wichtiger, sagte Schneider. Gerade im ländlichen Raum, wo der Weg zum nächsten Arzt mitunter weit ist. Die digitale Überwachung von Blutdruck oder Blutzucker, das so genannte Telemonitoring, sei ein Anwendungsbeispiel. Oder die Übermittlung von Diagnose-Ergebnissen, unter anderem von Schlaganfall-Patienten an darauf spezialisierte Kliniken.

Die Digitalisierung wird auch die Mobilität im ländlichen Raum verändern. Davon zeigte sich Isabella Geis vom Fraunhofer-Institut für Mobilität und Logistik überzeugt. Wo bisher vor allem der Privat-Pkw und öffentliche Linienverkehre für Mobilität sorgen, werde es künftig eine Kombination mehrerer Verkehrsmittel geben. Solche intermodalen Konzepte könnten dank Digitalisierung eine umweltfreundliche und bequeme Mobilität für alle ermöglichen.

Als Beispiel nannte die Referentin das Projekt „Immer mobil“ im Landkreis Passau. Dort bringt eine Mobilitätszentrale die Bedürfnisse der Bürger mit den unterschiedlichen Angeboten wie öffentliche Verkehrsmittel, Rufbus oder -taxi und sonstigen Fahrdiensten zusammen. Mit Hilfe digitaler Technik. So könnte auch das Mitfahrbänkle wieder eine Zukunft haben, meint Isabella Geis: Einfach bei der Mobilitätszentrale anfragen, wer um eine bestimmte Zeit von A nach B fährt und die Antwort aufs Smartphone bekommen.

Das Beste zweier Welten

Voraussetzung für diese neue Mobilität sei die Digitalisierung, stellte Isabella Geis fest. Und Voraussetzung für Digitalisierung sei leistungsfähiges Internet, betonte Jan Stefan Roell, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Ulm: „Da muss man ganz vorne sein.“ Wenn diese Infrastruktur vorhanden sei, hätten die Bewohner des Alb-Donau-Kreises „das Beste aus beiden Welten“: alle technischen Möglichkeiten und schöne Landschaft.

Wasser auf die Mühlen von Landrat Heiner Scheffold, der die Digitalisierung als „ein zentrales Thema“ für Landkreis und Kommunen bezeichnete. Was den Breitbandausbau betrifft, also Glasfaserkabel für schnelles Internet, so seien Alb-Donau-Kreis und Kommunen gut vorangekommen. Bis 2020 solle das insgesamt etwa 650 Kilometer lange Netz der Hauptleitungen (Backbone) fertig sein. Dann gehe es an den weiteren Ausbau zu jedem Haus in jedem Ort. Denn: „Breitband ist der zentrale Standortfaktor.“

Impulse für Kommunalpolitiker

Forum Die „Denkanstöße für unseren ländlichen Raum“ sind für Kommunalpolitiker aus dem Alb-Donau-Kreis gedacht. Die Kreisverwaltung hatte kürzlich zur vierten Veranstaltung in der Reihe ins Landratsamt nach Ulm geladen. Thema: „Digitalisierung – analog war gestern?“. Bei den bisherigen „Denkanstößen“ ging es um die künftige Entwicklung des ländlichen Raums, die Perspektiven von Dorfläden und um Mobilität im ländlichen Raum.

Fläche Die „Digitalisierungsregion Ulm, Alb-Donau, Biberach“ bekommt in Ulm ein regionales Digitalisierungszentrum (Digital Hub). Außenstellen sind in Ehingen, Riedlingen und im nördlichen Alb-Donau-Kreis geplant.

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