Wie kommt ein „exotisches Thema“ auf die Tagesordnung des Alb-Donau­-Kreistags? Diese Frage von Landrat Heiner Scheffold hat Reinhold Ranz, im Landratsamt Leiter des Fachdienstes Umwelt- und Arbeitsschutz, in der jüngsten Sitzung beantwortet. Dabei wurde deutlich: So exotisch ist das Thema „atomares Endlager“ gar nicht.

Dem Standort-Auswahlgesetz zufolge soll der Bundestag im Jahr 2031 entscheiden, wo der hochradioaktive Abfall aus deutschen Atomkraftwerken am besten gelagert wird. Das Endlager soll „die bestmögliche Sicherheit für den dauerhaften Schutz von Mensch und Umwelt … für einen Zeitraum von einer Million Jahren“ gewährleisten.“ Nicht auszuschließen, dass dieses Lager im Alb-Donau-Kreis gebaut wird.

Die Suche nach dem richtigen Standort ist Sache der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE). Das Unternehmen mit Sitz im niedersächsischen Peine untersteht der Rechts- und Fachaufsicht des Bundesamts für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE). Um die Öffentlichkeitsarbeit zu verstärken, ist zudem ein Nationales Begleitgremium gebildet worden, eine laut Gesetz unabhängige Instanz. Vorsitzende sind Prof. Miranda Schreurs von der Hochschule für Politik München und Prof. Klaus Töpfer, der frühere Bundesumweltminister und ehemalige Leiter des Umweltprogramms der Vereinten Nationen.

Mitte oder Ende 2020 könnte das Nationale Begleitgremium zum ersten Mal vor breites Publikum treten. Dann steht die erste förmliche Öffentlichkeits-Beteiligung auf dem Zeitplan, und dann wird es um die Gebiete gehen, die für die weitere Suche in Frage kommen. Der Alb-Donau-Kreis hat Fachdienstleiter Ranz zufolge Chancen dabei zu sein.

Mindestanforderungen erfüllt

Zu verdanken hat die Region das der Geologie der Schwäbischen Alb. Das dort vorhandene Tongestein ist nach Einschätzung der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe ein „potenzielles Wirtsgestein für die Endlagerung hochradioaktiver Abfälle“. Vor allem am Südrand der Alb sind die Mindestanforderungen an ein Endlager zumindest teilweise erfüllt: Die Gesteinsschicht, in die das Endlager gebaut werden soll, muss mindestens 100 Meter mächtig sein, und sie muss mindestens 300 Meter unter der Erdoberfläche liegen.

Zudem könnte keines der Ausschlusskriterien erfüllt sein, die ein Gebiet für ein Endlager untauglich machen. Diese Kriterien sind zum Beispiel Erdbebengefahr, früherer Bergbau, Vulkanismus, Grundwasser in der Endlager-Gesteinsschicht. Für den Fachdienstleiter im Landratsamt ergibt sich daher eine „abstrakte Betroffenheit“ der Region.

Ob daraus eine konkrete Betroffenheit wird, muss die weitere Standortsuche zeigen. Die befindet sich noch in der Anfangsphase: Die BGE sammelt Daten aus den Bundesländern – unter anderem vom Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau in Freiburg –, um Gebiete „mit besonders günstigen geologischen Verhältnissen“ zu ermitteln.

Anschließend sollen diese Gebiete einer „übertägigen Erkundung“ unterzogen werden. Das sind zum Beispiel Bohrungen und seismische Messungen. In der dritten Phase, der „untertägigen Erkundung, wird die BGE an mindestens zwei Standorten so genannte Erkundungsbergwerke bauen. Hinzu kommen weitere Bohrungen und geologische Untersuchungen. Aufgrund dieser Erkenntnisse soll das BfE dem Bundestag den „bestmöglichen Endlagerstandort“ vorschlagen.

Selbst wenn das Parlament sich wie geplant in 13 Jahren auf einen Standort festlegt, könnte das Endlager frühestens im Jahr 2051 in Betrieb gehen, meint Reinhold Ranz. Denn: „Der Bau dauert mindestens 20 Jahre.“ Ranz bezweifelt aber, dass der Zeitplan eingehalten werden kann: „Die Zahlen sind sehr optimistisch.“ Es geben andere ernstzunehmende Auffassungen, wonach allein die Standortsuche noch mehr als fünf Jahrzehnte dauern werde.

Gleichgültig, wie lange das Verfahren sich hinziehe: „Man muss auf dem Stand sein“, meint Heiner Scheffold. Zumal als Landrat in einer möglichen Standort-Region. „Natürlich hofft jeder, dass der Kelch an ihm vorübergeht“, sagte Grünen-Fraktionssprecher Robert Jungwirth. Doch sei es eine gesellschaftliche Verpflichtung, das Erbe „von politischen Fehlentscheidungen“ sicher zu entsorgen.

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Auch Steinsalz und Granit sind potenziell geeignet


Gestein Außer Ton gelten auch Steinsalz und Kristallin-Gestein wie Granit als mögliche Umgebungen für ein atomares Endlager. Lagerstätten in Steinsalzschichten sind der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe zufolge „äußerst beständig“. Wegen der hohen Wärmeleitfähigkeit könnte die Zerfallswärme der hochradioaktiven Abfälle gut abgeleitet werden. Gleichzeitig sei Steinsalz nahezu undurchlässig. Granit ist zwar sehr hart, die Schichten sind aber häufig zerklüftet. Aus diesem Grund müssten die Abfälle der BGR zufolge in spezielle Behälter aus Kupfer gepackt und die Hohlräume zwischen Behältern und Gestein mit quellfähigem Ton gefüllt werden.