Bürgerbeteiligung Die Mobilitätswende beginnt im Kopf

Bürgermeister Daniel Salemi (rechts) überlegt, sich am Modellversuch zu beteiligen.
Bürgermeister Daniel Salemi (rechts) überlegt, sich am Modellversuch zu beteiligen. © Foto: Barbara Hinzpeter
Langenau / Barbara Hinzpeter 15.11.2018

Alle wollen weniger Verkehr in der Stadt. Ideen wie Carsharing und Lastenrad-Verleih sowie Forderungen nach sicheren Radwegen, besserem Nahverkehr und Ladesäulen für Elektrofahrzeuge nutzen jedoch wenig, wenn die Bürger nicht bereit sind, aufs herkömmliche Auto zu verzichten. Die Mobilitätswende „beginnt im Kopf“ sagte Moderatorin Angela Imdahl beim zweiten Workshop für ein zukunftsfähiges Mobilitätskonzept in Langenau. Auch ihr sei der Autoverkehr in Langenau negativ aufgefallen, sagte die Referentin aus Rottweil.

Erfreut war Christian Klaiber von der Initiative Zukunft Mobilität, die von der Stadt mit der Erarbeitung des Konzepts beauftragt ist, über die rege Diskussion der rund 40 Workshop-Teilnehmer. Bürgermeister Daniel Salemi und Bauamtsleiter Gerd Bühler stellten den Stand der Dinge vor: Die Verwaltung holt Carsharing-Angebote ein, ein neues Radwege-Konzept ist in Arbeit, und am 1. Dezember startet der Stadtbus. Ihn zu nutzen und nicht einfach ins eigene Auto zu steigen, heiße, „raus aus der Bequemlichkeitshaltung“, sagte Bürgermeister Salemi.

Genau da setzt der Vorschlag an, den Angela Imdahl vorstellte: Für einen Modellversuch unter dem Namen „Mobilitätslabor“ werden Bürger gesucht, die bereit sind, ihre Gewohnheiten zu ändern und darüber zu berichten. Es gehe auch darum zu zeigen, „dass Menschen Spaß an der Veränderung haben“. Beteiligen könnten sich beispielsweise Familien, die momentan mehr als ein Auto mit Verbrennungsmotor besitzen und auf eines verzichten wollen. Außerdem sollen Pendler gewonnen werden, die mehr als fünf Kilometer mit dem Rad zur Arbeit fahren.

Teilnehmen könnten auch Rentner, die mit Lastenrädern für weniger mobile Menschen einkaufen oder Kindergärten und Grundschulen, die sich am Projekt „Laufbus“ beteiligen: Mehrere Familien aus der Nachbarschaft schließen sich zusammen, um die Kinder zu Fuß in den Kindergarten oder zur Schule zu bringen. Außerdem sollten sich „Personen des öffentlichen Lebens“ am Pilotprojekt beteiligen – woraufhin Bürgermeister Salemi sich gleich als Versuchsperson anbot. Nichtsdestotrotz wurden in der Diskussion erneut aktuelle Missstände angesprochen: Manfred Strobel kritisierte, dass seit den 80er-Jahren in Langenau alles getan worden sei, um den Autoverkehr zu begünstigen. Walter Gillner wies auf die fehlende Verbindung nach Leipheim und Günzburg hin, Martina Röscheisen bemängelte, dass zwischen Beimerstetten und Hörvelsingen keine Busse fahren.

Sabine Möbs, die mit dem Zug zur Arbeit an der Hochschule Heidenheim fährt,  kritisierte die Unzuverlässigkeit der Bahn auf der Brenztalstrecke. In diesem Zusammenhang verwies Salemi auf den bevorstehenden Betreiberwechsel: Von Juni an fährt die Hohenzollerische Landesbahn (HZL). Mit dem zweigleisigen Ausbau zwischen Rammingen und Langenau befasse sich am Donnerstag die Verbandsversammlung.

Er kündigte auch an, dass die HZL den Fahrplan umstellt. In der regen, konstruktiven Diskussion wurden weitere Vorschläge gemacht, zum Beispiel, wie sich Interessierte über eine App zusammenfinden, um gemeinsam ein Carsharing-Auto zu nutzen, oder wie Ladesäulen behindertengerecht gestaltet werden können.

Informationen zum Mobilitätslabor

Kontakt Die Ideen und Vorschläge zum Mobilitätslabor werden im Februar dem Gemeinderat und der Öffentlichkeit vorgestellt. Fragen und Ideen können an Gerd Bühler unter nauMobil@langenau.de gerichtet werden.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel