Wert des Wassers Die LW kämpft gegen hohen Nitrat-Gehalt

Langenau / Bianca Frieß 14.09.2018
Große Teile des Donaurieds werden zum Nitrat-Problemgebiet erklärt. Am Donnerstag gibt es deshalb ein Gespräch mit dem Land. Eine weitere Folge unserer Serie „Wert des Wassers“.

Seit Jahrzehnten steigt die Nitratbelastung des Grundwassers im Donauried stetig. Die natürliche Konzentration liegt bei rund zwölf Milligramm pro Liter, inzwischen wird an einigen Stellen das Dreifache gemessen. „Der Nitratwert ging Stück für Stück nach oben“, sagt Berhard Röhrle von der Landeswasserversorgung (LW).

Der Zweckverband, der drei Millionen Menschen versorgt, gewinnt einen großen Teil seines Trinkwassers aus dem Grundwasserspeicher im Donauried – und schlägt Alarm. Schon heute werden einige der Schutzgebiete, in denen die Brunnen der LW stehen, als Nitrat-Problemgebiete eingestuft. Das heißt: Der Nitratwert hat die 35 Milligramm-Marke überschritten oder nimmt seit Jahren zu. Bis Ende 2018 werden 85 Prozent der 800 Quadratkilometer großen Fläche in diese Kategorie fallen, sagt Röhrle. „Das geht so überhaupt nicht.“

Denn: Zu viel Nitrat im Trinkwasser kann der Gesundheit schaden. Im Körper kann der Stoff in giftiges Nitrit umgewandelt werden, das insbesondere für Babys gefährlich ist. Der gesetzliche Nitrat-Grenzwert liegt bei 50 Milligramm pro Liter, an einzelnen Stellen im Donauried wurde er in diesem Frühjahr auch schon überschritten. „Und wir erwarten, dass der nächste Schub kommt“, sagt Röhrle.

Das Landesumweltministerium sieht die Situation weniger kritisch. Es gebe auch Gebiete mit fallenden Trends und stabilen Nitratgehalten, teilt ein Sprecher mit. Im Schnitt liege die Konzentration im Donauried bei rund 32 Milligramm pro Liter. Damit werde der Grenzwert der Trinkwasserverordnung „deutlich und sicher“ unterschritten.

In einer Sache sind sich LW und Umweltministerium aber völlig einig: Die Nitratgehalte sind vor allem auf die intensive Landwirtschaft zurückzuführen. „Auf der Schwäbischen Alb wird nicht den Verhältnissen angepasst gewirtschaftet“, sagt Röhrle. Für den „besonders sensiblen Boden“ werde zu viel gedüngt. Dadurch bildet sich Nitrat im Boden, das ins Grundwasser gespült wird.

2015 haben die Landesministerien für Ländlichen Raum und für Umwelt sowie die LW eine Vereinbarung unterschrieben: Der Nitratgehalt im Langenauer Ried sollte bis 2030 auf maximal 30 Milligramm pro Liter gesenkt werden. Landwirte, die freiwillig weniger düngen, sollten finanziell unterstützt werden.

Das Projekt wurde inzwischen ausgesetzt. Denn mit der 2017 in Kraft getretenen Düngeverordnung habe sich die rechtliche Basis verändert, so das Agrarministerium. Nun steht eine Einigung mit der EU aus, ob die neue Düngeverordnung die Vorgaben der Nitrat-Richtlinie erfüllt.

Mehr Kontrollen gewünscht

Die LW wirft der Landesregierung Untätigkeit vor, wünscht sich verstärkte Kontrollen der Landwirtschaft und wenn nötig Sanktionen. „Wir fühlen uns allein gelassen, das Land Baden-Württemberg macht nichts“, sagt Pressesprecher Röhrle. Das streitet das Umweltministerium ab – und weist auf die Schutzgebiets- und Ausgleichsverordnung (Schalvo) hin, die 1988 in Kraft getreten ist. Diese besagt, dass in Wasserschutzgebieten mit erhöhten Nitratwerten weniger gedüngt werden darf, dafür bekommen die Landwirte einen Ausgleich. Im landesweiten Schnitt hat das auch funktioniert – nicht aber im Donauried, klagt Röhrle. „Auf der Alb haben wir eine Sondersituation mit den Böden.“ Diese sind besonders karg und flachgründig. Wer dort intensive Landwirtschaft betreiben möchte, muss viel Stickstoff ausbringen.

Versorger und Ministerium wollen jetzt eine Lösung finden – für die Landwirtschaft und das Wasser.

Die LW versorgt rund drei Millionen Menschen

Die 1912 gegründete Landeswasserversorgung (LW) versorgt drei Millionen Menschen in 250 Städten und Gemeinden mit Trinkwasser: von Langenau bis Ludwigsburg, von Ulm bis Ellwangen. Jährlich werden 90 Millionen Kubikmeter Wasser verbraucht. Im Donauried hat die LW sechs Fass­ungsanlagen mit 204 Brunnen.

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