Donauried Die LW kämpft gegen hohen Nitrat-Gehalt

Langenau / Bianca Frieß 13.09.2018
Große Teile des Donaurieds werden zum Nitrat-Problemgebiet erklärt. Am Donnerstag gibt es deshalb ein Gespräch mit dem Land.

Seit dem Jahr 1945 steigt die Nitratbelastung des Grundwassers im Donauried stetig an. Die natürliche Konzentration liegt in der Region bei rund zwölf Milligramm pro Liter, inzwischen wird an einigen Stellen das Dreifache gemessen. „Der Nitratwert ging Stück für Stück nach oben“, sagt Berhard Röhrle, Pressesprecher der Landeswasserversorgung (LW).

Der Zweckverband gewinnt einen großen Teil seines Trinkwassers aus dem Grundwasserspeicher im Donauried – und schlägt Alarm. Schon heute werden einige der Schutzgebiete, in denen die Brunnen der LW stehen, als Nitrat-Problemgebiete eingestuft. Das heißt: Der Nitratwert hat dort die 35 Milligramm-Marke überschritten oder nimmt seit Jahren zu. Bis zum Jahreswechsel werden 85 Prozent der 800 Quadratkilometer großen Fläche in diese Kategorie fallen, sagt Röhrle. „Das geht so überhaupt nicht.“

Denn: Zu viel Nitrat im Trinkwasser kann der Gesundheit schaden. Im Körper kann der Stoff nämlich in giftiges Nitrit umgewandelt werden, das insbesondere für Babys gefährlich ist. Der gesetzliche Nitrat-Grenzwert liegt bei 50 Milligramm pro Liter, an einzelnen Stellen im Donauried wurde er in diesem Frühjahr auch schon überschritten. „Und wir erwarten, dass der nächste Schub kommt“, sagt Röhrle.

Das Landesumweltministerium sieht die Situation weniger kritisch. Es gebe auch Gebiete mit fallenden Trends und stabilen Nitratgehalten, teilt ein Sprecher mit. Im Schnitt liege die Konzentration im Donauried bei rund 32 Milligramm pro Liter. Damit werde der Grenzwert der Trinkwasserverordnung „deutlich und sicher“ unterschritten. Weder kurz- noch mittelfristig sei mit einem Anstieg auf mehr als 50 Milligramm pro Liter zu rechnen.

In einer Sache sind sich LW und Umweltministerium aber völlig einig: Die Nitratgehalte sind vor allem auf die intensive Landwirtschaft zurückzuführen. „Auf der Schwäbischen Alb wird nicht den Verhältnissen angepasst gewirtschaftet“, sagt Röhrle. Für den „besonders sensiblen Boden“ werde zu viel gedüngt. Dadurch bildet sich Nitrat im Boden, das ins Grundwasser gespült wird.

Es gab schon mal einen Versuch, das zu ändern: 2015 haben die Landesministerien für Ländlichen Raum und für Umwelt sowie die LW eine Vereinbarung unterschrieben: Der Nitratgehalt im Langenauer Ried sollte bis 2030 auf maximal 30 Milligramm pro Liter gesenkt werden. Landwirte, die freiwillig weniger düngen und somit zu einer geringeren Belastung beitragen, sollten finanziell unterstützt werden.

Das Projekt wurde inzwischen aber ausgesetzt, teilt das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz mit. Denn mit der 2017 in Kraft getretenen Düngeverordnung habe sich die rechtliche Basis verändert. Nun steht eine Einigung zwischen Deutschland und der EU aus, „ob die neue Düngeverordnung die Vorgaben der Nitrat-Richtlinie erfüllt“, heißt es von einem Sprecher. Bis dahin sei eine Fortführung des Projekts in der aktuellen Form nicht möglich.

Die LW wirft der Landesregierung Untätigkeit vor, wünscht sich verstärkte Kontrollen der Landwirtschaft und wenn nötig Sanktionen. „Wir fühlen uns allein gelassen, das Land Baden-Württemberg macht nichts“, sagt Pressesprecher Röhrle. Das streitet das Umweltministerium ab – und weist auf die Schutzgebiets- und Ausgleichsverordnung (Schalvo) hin, die 1988 in Kraft getreten ist. Diese besagt, dass in Wasserschutzgebieten mit erhöhten Nitratwerten weniger gedüngt werden darf, dafür bekommen die Landwirte einen Ausgleich. Im landesweiten Schnitt hat das auch funktioniert – nicht aber im Donauried, klagt Röhrle. „Auf der Alb haben wir eine Sondersituation mit den Böden.“ Diese sind besonders karg und flachgründig. Wer dort intensive Landwirtschaft betreiben möchte, muss viel Stickstoff ausbringen.

Heute kehren alle Parteien an den runden Tisch zurück: Es gibt ein Gespräch zwischen LW, dem Ministerium für Ländlichen Raum und dem Umweltministerium. Das soll „dem Meinungsaustausch über die Entwicklung der Nitratgehalte in den Schutzgebieten dienen“, heißt es vom Umweltministerium. Die LW will konkrete Lösungsvorschläge mitbringen: „Was wir als ideal sehen, ist der Weg hin zur biologischen Landwirtschaft“, sagt Röhrle.  Das müsse gefördert, Märkte für Bio-Produkte geschaffen werden.

Bei dem Gespräch soll es auch um ein weiteres Thema gehen: die Belastung durch Pflanzenschutzmittel. Die LW hat Glyphosat und andere Stoffe in Oberflächengewässern gefunden – die ins Grundwasser gelangen könnten (wir berichteten). „Wir möchten die Untersuchung ausdehnen, damit wir wissen, welche Aufbereitungsstufen wir brauchen“, sagt Sprecher Röhrle. Die LW hat die Landratsämter um Daten gebeten, wollte wissen, welche Spritzmittel eingesetzt werden. Bislang ohne Ergebnis. „Wir haben den Eindruck, dass die Landesverwaltung sich schwer tut, die Daten einzufordern, und die Transparenz scheut“, sagt Röhrle. In Hinblick auf den heutigen Termin gibt er sich aber optimistisch: „Wir sind zuversichtlich, dass wir etwas erreichen können.“

Die LW versorgt rund drei Millionen Menschen

Versorgung Die Landeswasserversorgung (LW) versorgt drei Millionen Menschen in 250 Städten und Gemeinden mit Trinkwasser: von Langenau bis Ludwigsburg, von Ulm bis Ellwangen. Jährlich werden dabei rund 90 Millionen Kubikmeter Wasser verbraucht.

Gewinnung Das Grundwasser aus dem Donauried ist das wichtigste Standbein für die Trinkwassergewinnung – hier hat die LW sechs Fass­ungsanlagen mit 204 Brunnen. Dazu kommt Quellwasser sowie Flusswasser, das aus der Donau bei Leipheim entnommen wird. Aufbereitet wird das Wasser im Langenauer Werk.

Zweckverband König Wilhelm II. hat die LW 1912 gegründet. Sie wurde 53 Jahre als landeseigenes Unternehmen betrieben, 1965 dann in einen selbstständigen kommunalen Zweckverband überführt.

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