Feiertagsstimmung in Altheim/Alb: Mehrere hundert Zuschauer sind am Montagnachmittag zusammengekommen und versammeln sich rund um den festlich geschmückten Platz vor der Albhalle. Sie alle wollen den traditionellen Füllestanz sehen – einen Brauch, der bereits seit mehr als 200 Jahren gepflegt wird.

Der Nebel und die Kälte scheinen den Besuchern nichts auszumachen. Man wärmt sich mit dicken Jacken, warmen Getränken und schließlich wildem Klatschen, denn pünktlich um 14 Uhr ziehen die 22 jungen Paare in Altheimer Festtagstracht auf die Tanzfläche. Begleitet werden sie von den Altheimer Musikanten und einem mit Blumen geschmückten Fohlen.

Seit 1786 findet der Füllestanz jährlich in Altheim statt. Die Begeisterung für die älteste Tradition im gesamten Alb-Donau-Kreis ist über die Jahrhunderte erhalten geblieben – ebenso wie die Regeln. „Heute ist der Tag, auf den Sie alle das ganze Jahr warten“, sagt Bürgermeister Andreas Koptisch in seiner Begrüßungsrede. Die jungen Leute auf der Tanzfläche johlen. Nun geht es los. Die Paare marschieren und tanzen im Kreis um die aufgestellten Holzpfähle und das junge Fohlen in der Mitte. Dann ein Schuss.

Mit einem lauten „Hau Ruck“ zieht jeder der Männer den Pfahl, der ihm am nächsten ist, aus dem Boden. Nur in einem steckt am Ende ein langer Nagel. Wer diesen hat, ist der Sieger und verkündet seine Freude mit einem lauten Jubelschrei. Gewonnen haben Lea Maurer aus Neenstetten und Georg Hauff aus Altheim/Alb, die zum ersten, beziehungsweise zum zweiten Mal beim Füllestanz dabei sind.

Blumenkranz statt Fohlen zur Belohnung

War der Preis einst ein Fohlen (siehe Infokasten unten), gibt es heute für die Sieger einen Blumenkranz, ein Leb­kuchenherz, kleine Geschenke und viele Gratulationen. Außerdem dürfen die beiden das Vesper für die anderen Tanzpaare ausrichten. „Beim Markttanz am Abend geht dann auch eine Runde auf uns“, zeigt sich Georg spendabel.

Organisiert wird der Füllestanz von der örtlichen Landjugend. Der Verein wurde im Jahr 2015 gegründet. „Wir trainieren mehrere Sonntage für den Tanz, am Abend davor ist dann die Hauptprobe“, erzählt Vorsitzender Daniel Monz, der bereits zum neunten Mal in Folge teilgenommen hat. Warum es für ihn wichtig ist, die Tradition zu erhalten? „Der Füllestanz stärkt unseren Gemeinschaftssinn. Er gehört einfach zu Altheim.“

Auch das Fohlen Balu hat seinen ersten Füllestanz gut überstanden. „Wir haben viel zusammen das Marschieren geübt“, berichtet sein Besitzer Wolfgang Ziegler aus Söglingen lachend und streichelt den vier Monate alten Württemberger. Für eine Tradition wie den Altheimer Füllestanz gibt nun einmal jeder sein Bestes.

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Früher erhielten die Sieger als Preis ein Fohlen


Ursprünglich erhielt das Siegerpaar ein Fohlen (Füllen) als Preis. Heute gibt es kleine Geschenke und das Tier darf wieder zurück zu seinem Besitzer.

Die Tradition des Altheimer Füllestanzes geht zurück auf den Rossmarkt, den die Gemeinde ab 1786 zur Kirchweih im November abhalten durfte. Seit 1913 findet der Tanz immer am letzten Montag im Oktober statt.

Jung und ledig müssen die Tanzpaare sein. Zumindest einer von beiden muss aus Altheim/Alb oder seinen Teilorten stammen. Getragen werden traditionelle Altheimer Trachten, die von Bewohnern des Ortes stammen.