Bebauung Die Gemeinde will mitreden

Illerrieden / Von Michael Seefelder 09.11.2018

Wer regelmäßig die Landstraße durch den Illerrieder Ortsteil Wangen entlangfährt, der kennt  das alte, leerstehende Bauernhaus am nördlichen Ortsausgang. Gut möglich, dass das desolate Gebäude bald Geschichte ist. Denn, nachdem der Besitzer gestorben ist, mehren sich Anfragen von potenziellen Bauträgern im Illerrieder Rathaus.

Die Nachfrage nach Baugrund und Wohnraum ist ungebremst groß. „Deshalb begrüßt es die Gemeinde, wenn Grundstücksflächen auch künftig für eine Bebauung  genutzt werden“, sagt Bürgermeister Jens Kaiser. Jedoch sei der Standort am Ortseingang so markant, dass die Gemeinde bei einer möglichen Bebauung ein Wörtchen mitreden will. Zumal noch nicht bekannt ist, wer der künftige Eigentümer sein wird und was dieser dort plant.

Deshalb hat der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung einstimmig beschlossen, dass ein Bebauungsplan und eine Satzung zu den örtlichen Bauvorschriften aufgestellt werden. Außerdem wird eine Veränderungssperre erlassen. Die davon betroffene Fläche umfasst auch das Flurstück auf der gegenüberliegenden Straßenseite, wo bereits vor vielen Jahren ein Gebäude abgebrannt ist, von dem heute nur noch Wand- und Mauerreste zu sehen sind. Wie Bürgermeister Jens Kaiser erklärt, geht es darum, die Planungshoheit der Gemeinde für diese Flächen abzusichern. Mit der Veränderungssperre würden außerdem bauliche Maßnahmen vorerst verhindert bis klar ist, was auf dem Areal geschehen soll. Konkrete Vorstellungen dazu gibt es laut Kaiser noch nicht. Jedoch existierten grundsätzliche Ziele, die dort am Wangener Ortsrand erreicht werden sollen. Unter anderem geht es darum, Flächen zu sichern, um die Geschwindigkeit des Verkehrs zu dämpfen, gemäß der vom Regierungspräsidium Tübingen festgelegten Fahrbahnverschwenkung in diesem Bereich. Damit soll die Wohnqualität in dem südlich angrenzenden Gebiet verbessert werden, heißt es in der Vorlage der Verwaltung.

Die Siedlungsstruktur an dieser Stelle solle mit Wohnbebauung abgerundet werden. Auch genannt werden die „Berücksichtigung ökologischer Zielsetzungen“ und die „Entwicklung einer sparsamen Erschließung, die gegebenenfalls zukünftig erweitert beziehungsweise ergänzt werden kann“.

Insgesamt sind die Flächen auf beiden Seiten der Landstraße mehrere Hektar groß. Bebaut werden könne von diesem „Riesen-Grundstück“ jeweils nur der vordere Teil, so Bürgermeister Kaiser. Wenn es in Zukunft Pläne dafür gibt, müssten diese dann mit den Interessen der Gemeinde abgeglichen werden.

Das Mittel der Veränderungssperre

Baugesetzbuch Ein Bebauungsplan legt fest, wie Grundstücke bebaut werden dürfen. Um die städtebauliche Entwicklung steuern zu können, dürfen Gemeinden nach dem Baugesetzbuch und den jeweiligen Landesbauordnungen Bebauungspläne, also rechtlich verbindliche Satzungen, aufstellen. Hintergrund ist ein von der Verfassung garantiertes Selbstverwaltungsrecht der Kommunen. Ist die Aufstellung beschlossen, darf eine Kommune auch eine  zeitlich zunächst auf zwei Jahre befristete „Veränderungssperre“ für den Geltungsbereich erlassen, um die Planung sicherzustellen. Es dürfen dann keine baulichen Maßnahmen ergriffen, bestehende Bauwerke nicht beseitigt werden. Damit wird in der Praxis verhindert, dass Bauherren „Fakten schaffen“. Wenn öffentliche Belange nicht entgegenstehen, können auch Ausnahmen von der Veränderungssperre zugelassen werden.

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