Blaubeuren Blauhöhlensystem: neue Fortsetzung entdeckt

Andreas Kücha im „Paniersiphon“, der Schlüsselstelle zur „Seißener Unterwelt“. Das Blauhöhlensystem misst mit den neuen Entdeckungen jetzt 13,7 Kilometer.
Andreas Kücha im „Paniersiphon“, der Schlüsselstelle zur „Seißener Unterwelt“. Das Blauhöhlensystem misst mit den neuen Entdeckungen jetzt 13,7 Kilometer. © Foto: Arge Blautopf
Blaubeuren / Von Joachim Striebel 28.05.2018
Mitglieder der „Arbeitsgemeinschaft Blautopf“ haben im Blauhöhlensystem eine Fortsetzung in Richtung Seißen entdeckt.

Lange Zeit war der Blautopf der einzige Schlüssel zum Glück. Nur über eine 1250 Meter lange Unterwasserstrecke kamen geübte Höhlentaucher in die hinteren, lufterfüllten Räume der Blautopfhöhle. Seit die Stadt Blaubeuren im Jahr 2010 direkt neben der Bundesstraße 28 einen Schacht bohren ließ, kommen Forscher auch trockenen Fußes ins Reich der schönen Lau. Dennoch benötigen Mitglieder der „Arbeitsgemeinschaft Blautopf“ immer wieder ihre Tauchausrüstung. Denn die Gänge im weit verzweigten Höhlensystem gehen auf und ab und liegen abschnittsweise halb oder ganz unter Wasser.

Als eine Schlüsselstelle erwies sich jetzt ein 18 Meter langer und 4,5 Meter tiefer Siphon, knapp drei Kilometer Wegstrecke vom künstlichen Zustieg entfernt. Arge-Projektleiter Andreas Kücha und sein Kamerad Sven Pfeifer durchtauchten den Siphon und erblickten in einem fünf Meter hohen und zwei Meter breiten Gang wunderschöne Sinter-Kaskaden und ein Bächlein. Andreas Kücha spricht von der „Seißener Unterwelt“ denn der Gang zieht nach Südwesten in Richtung der Ortschaft Seißen.

Bisher hatte Andreas Kücha mit großer Energie versucht, am bisherigen Ende der Blautopfhöhle westlich in Richtung Zainingen weiterzukommen. Doch der mächtige „Versturz 3“, vor Jahrhunderten durch das Einbrechen der Höhlendecke entstanden, ließ sich noch nicht vollständig knacken. Im vergangenen Jahr hatten die Forscher kurz vor dem „Versturz 3“ eine links abzweigende Spalte gesehen und sich hindurchgezwängt. Jetzt kamen sie weiter in dem breiter werdenden Gang und erreichten den Siphon, den sie „Paniersiphon“ nennen, weil drumherum Sand liegt und der Taucher nach dem Ausstieg wie paniert aussieht. Andreas Kücha schätzt die Länge der neu entdecken Abschnitte auf 450 Meter, davon wurden 150 Meter bereits vermessen. So misst das Blauhöhlensystem, zu dem auch die Blaubeurer Vetterhöhle zählt, nun 13,7 Kilometer.

Kücha ist begeistert von der unberührten „Seißener Unterwelt“, die neben den Sinterbecken auch schöne Tropfsteine enthält und so genannte Excentriques, das sind Tropfsteine, die in bizarren Formen gegen die Schwerkraft wachsen. „Vor einigen Jahren wäre das eine Sensation gewesen“, sagt Kücha. Ähnliches haben die Forscher jedoch schon an anderen Stellen des Blauhöhlensystems gefunden. Die „Seißener Unterwelt“ verzweigt sich, es gibt zwei offene Fortsetzungen und einen Halbsiphon. „Da bleiben wird dran“, sagt der Projektleiter. „Nach Seißen ist es schon noch eine ordentliche Entfernung.“ Vielleicht kann die Arge Blautopf das Geheimnis lüften, warum in den Kellern von manchen alten Bauernhäusern hinter den Mostfässern Zugluft herrscht.

Während eines Wochenendes haben zehn aktive Forscher der Arge Blautopf nicht nur die „Seißener Unterwelt“ erkundet. Eine Kleingruppe untersuchte unweit des künstlichen Einstiegsschachts eine mögliche Fortsetzung der Höhle in südlicher Richtung, unter den Bundesstraße hindurch. „Der Gang geht weiter“, sagt Andreas Kücha. Als drittes Projekt bewältigten die erfahrenen Höhlentaucher Michael Kühn und Tobias Schmidt vom Blautopf aus eine rund 1800 Meter lange Tauchstrecke und kamen im „Schwarzen Kamin“ 300 Meter weiter als im Jahr 2017.

Wasser spült Notfallset weg

Aus einer Zeit, als die Arge Blautopf nur tauchend ins große Höhlensystem gelangte, stammt ein Kunststoff-Fass. Andreas Kücha hatte es im Jahr 2005 mit Notfallausrüstung gefüllt, sauber austariert und vom Blautopf aus mit in die Höhle genommen. In der Höhlenhalle „Mittelschiff“ hatte er es acht Meter über dem Wasserspiegel befestigt. Irgendwann kam ein Hochwasser und spülte das Fass weg. Jetzt haben die Männer es an anderer Stelle neun Meter über dem Wasserspiegel gefunden und mit nach draußen genommen. Geöffnet haben sie es noch nicht. Das erfolgt beim Vortrag am Freitag, 10. August, auf der Sommerbühne am Blautopf. „Ich weiß selber nicht mehr genau, was ich vor 13 Jahren eingepackt habe“, sagt Andreas Kücha. Wohl Kleidung und Bergsteigernahrung, um drei bis vier Tage überleben zu können. Spannend ist, ob die Not-Verpflegung noch genießbar sein wird. Einer der mutigen Taucher wird auf der Sommerbühne eine Suppenkonserve auslöffeln.

Bericht über 22 Jahre Forschungsgeschichte

Kartenverkauf Die „Arbeitsgemeinschaft Blautopf“ berichtet am Freitag, 10. August, auf der Sommerbühne am Blautopf in Blaubeuren über ihre Forschungen in der Blautopfhöhle in den vergangenen 22 Jahren. Zu sehen sind phantastische Fotos und Videos, auch von den neuen Entdeckungen. Karten zu 15 Euro gibt es im Vorverkauf bei der SÜDWEST PRESSE in Blaubeuren, Ulm und Ehingen und in der Buchhandlung Aegis in Laichingen.

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