Blaubeuren / JOACHIM STRIEBEL In Blaubeuren dreht sich alles um Fußball und Argentinien. Jährlich beim 24-Stunden-Kick und natürlich am Sonntag. Egal wer siegt: Die Freundschaft zwischen Blaubeuren und Patagonien bleibt ungetrübt.

Feuert er die Deutschen an oder die Argentinier? "Wir haben beide Flaggen draußen hängen", sagt Reiner Kalmbach. Er stammt aus Gschwend im Ostalbkreis und ist seit 24 Jahren Pfarrer in San Martin de los Andes in Argentinien. Ganz diplomatisch auch der zweite Teil seiner Antwort: "Ich bin für die Besseren." Das könnte auch für den Blaubeurer 24-Stunden-Kick gelten, bei dem alljährlich das Evangelische Seminar und das Evangelische Jugendwerk gegeneinander antreten, um Geld für Kalmbachs Sozialprojekte in Patagonien im Süden von Argentinien einzuspielen - beim Kick am 10. und 11. Mai 2014 immerhin eine Summe von 17 000 Euro. Häufig steht Reiner Kalmbach am Spielfeldrand. Die Beziehungen zwischen Blaubeuren und Patagonien gehen aber weit über das Benefizspiel hinaus: Gerade ist Kalmbach mit zehn argentinischen Jugendlichen von einer Blaubeuren-Reise zurückgekehrt. Und die 29-jährige Erzieherin Mariangeles Ivars arbeitet ein ganzes Jahr lang beim Evangelischen Jugendwerk in Blaubeuren.

Von Blaubeurer Seite aus hat Bildungsreferent Micha Schradi schon vier Begegnungsreisen mit jungen Leuten - darunter Spieler des 24-Stunden-Kicks - unternommen. Sie lernten Land und Leute kennen, halfen beim Bau eines Altenheims und eines Gemeindezentrums - und spielten Fußball gegen eine Jugendmannschaft. Wie endete das Spiel? "Mit viel Spaß", erinnert sich Schradi, der sich das Ergebnis nicht gemerkt hat. Einen Tipp für das Endspiel der Weltmeisterschaft gibt er nicht ab. "Wenn Deutschland gewinnt, freue ich mich. Wenn Deutschland verliert, dann dauert es ein bisschen, und dann freue ich mich für Argentinien." Der Ausgang des Spiels ändere ohnehin nichts an der intensiven Partnerschaft.

In Argentinien sei Fußball wichtig, berichtet Pfarrer Reiner Kalmbach. "Aber die Deutschen sind mindestens genauso fanatisch", meint er. Ausgelassenheit herrsche eher in den Großstädten als auf dem Lande. Manche Argentinier hofften gar, dass die eigene Mannschaft im Finale verliert. Denn das Land stecke in einer schlimmen politischen und wirtschaftlichen Krise und die umstrittene Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner könnte einen Sieg für ihre Zwecke missbrauchen, lautet eine Befürchtung.

12 000 Kilometer von Südamerika entfernt, verfolgt Mariangeles Ivars am Sonntag das Spiel - allerdings nicht mit den Freunden vom Evangelischen Jugendwerk im Blaubeurer Café Vier, sondern in Gesellschaft einiger anderer Argentinier in Ulm. So fühle sie sich "nicht so allein". Sie werde singend und tanzende die Elf anfeuern. "Das ist Fußball in Argentinien". Beim Tipp zum Endspielergebnis hält es die junge Argentinierin aber ganz bayerisch mit "Kaiser" Franz Beckenbauer: "Schaun mer mal."