Bohrung Derzeit laufen Bohrungen beim Steinzeitdorf Ehrenstein

Die Geologin Anja Josties und Wolfgang Hohl vom Landesamt für Denkmalpflege untersuchen einen Bohrkern, der in einer Tiefe von bis zu 10,5 Metern nordwestlich des Steinzeitdorfs Ehrenstein gezogen wurde.
Die Geologin Anja Josties und Wolfgang Hohl vom Landesamt für Denkmalpflege untersuchen einen Bohrkern, der in einer Tiefe von bis zu 10,5 Metern nordwestlich des Steinzeitdorfs Ehrenstein gezogen wurde. © Foto: Helga Mäckle
Blaustein / HELGA MÄCKLE 23.02.2016
Wie ist der Untergrund beim Steinzeitdorf Ehrenstein beschaffen? Und in der Folge: Wie kann dort gebaut werden? Antworten auf diese Fragen sollen Bohrungen liefern, die auf dem Areal an der B 28 laufen.

Hauptsächlich Torf und Schluff - ein Zwischending zwischen Sand und Ton - finden sich in den Bohrkernen, die dieser Tage vom Ingenieurbüro Schirmer auf dem Areal nordwestlich des Steinzeitdorfs Ehrenstein gezogen werden. Damit war zu rechnen, liegt das Gebiet doch in den Blauauen mit entsprechend viel Wasser im Untergrund. Deswegen ist auch das 6000 Jahre alte Dorf unter der Oberfläche so gut erhalten und seit 2011 Unesco-Welterbe: Luftdicht abgeschlossen im Grundwasser haben Häuser, Böden, Krüge und viele weitere Gebrauchsgegenstände aus der Jungsteinzeit die Jahrtausende nahezu unbeschadet überstanden.

Grund für die Bohrungen bis in eine Tiefe von 10,5 Meter ist aber nicht, aus archäologischer Sicht mehr über das Dorf mit rund 40 Häusern herauszufinden, vielmehr will die Stadt Blaustein dadurch in Erfahrung bringen, wie das Areal bebaut werden kann. Wie berichtet, soll auf dem Gelände neben der B 28 am Ortseingang von Ulm ein Steinzeitpark für rund 1,7 Millionen Euro entstehen. Besucher sollen dort mehr über das Leben in der Jungsteinzeit erfahren - anschaulich aufbereitet in Themenbereiche. Dazu sollen unter anderem eine Brücke über den Blauarm und ein Pavillon gebaut werden. Die Bohrungen sollen Aufschluss geben, wie die nötigen Fundamente aussehen müssen. Weder Torf noch Schluff taugen als Bauuntergrund, weil sie nicht fest und damit nicht stabil sind. Eine Möglichkeit etwa wäre, die Bauwerke auf Pfähle zu setzen, wie es schon die Menschen vor 6000 Jahren dort taten.

Geologin Anja Josties schaut sich die Schichten in den Bohrkernen genau an, prüft zum Beispiel ihren Feuchtigkeitsgehalt. In zehn Metern Tiefe ist eine fast schwarze Torfschicht zu erkennen - zwischen 6000 und 10.000 Jahre alt. Trotz des Alters sind auch dort ganze Holzstücke zufinden - wie das Steinzeitdorf wenige Meter weiter östlich ist auch dieses Holz im Wasser über Jahrtausende konserviert worden.

Auch wenn die Bohrungen keinen archäologisch Hintergrund haben, ist Wolfgang Hohl vom Landesamt für Denkmalpflege dennoch mit dabei, auch er prüft die Bohrkerne, etwa ob darin Teile eines Holzfußbodens zum Vorschein kommen. "Wir nutzen die Gelegenheit, ob sich doch etwas findet." Es könnte ja sein, dass die Menschen vor 6000 Jahren außerhalb des Dorfes einen Lagerplatz eingerichtet oder einen Weg angelegt hatten. Bislang ist laut Hohl aber nichts dergleichen aufgetaucht. "Damit haben wir auch nicht wirklich gerechnet."

Sobald die Prüfung des Bauuntergrunds abgeschlossen ist, wollen der Landschaftsarchitekt Edmund Spengler und das Architekturbüro Sterr und Ludwig, die den Steinzeitpark gemeinsam planen, sich an die weiteren Planungen machen und möglichst bald den Bauantrag beim Landratsamt Alb-Donau einreichen. Spengler hofft auf eine Genehmigung bis Sommer. Das ist wichtig, denn der genehmigte Bauantrag muss vorliegen, damit die Stadt vom Land im Rahmen der Tourismusförderung einen Zuschuss vom Land für das Steinzeitdorf erhält.

Bislang liege alles im Zeitplan, sagt Edmund Spengler. Dazu gehört auch, dass der Kalkschlamm, mit dem das Gelände im westlichen Teil aufgeschüttet worden ist, vollends abgetragen wird. Das Schlamm-Absetzbecken des damaligen Steinbruchs Hilsenbeck wurde bereits vergangenes Jahr zu einem Teil ausgebaggert, nun soll der Rest folgen. Nach Schätzung von Spengler werden in den kommenden Wochen 15 000 bis 20 000 Kubikmeter Schlamm mit Lastwagen in den Steinbruch gefahren.

Die Stadt hofft, im Frühjahr vom Land eine Zusage für den Zuschuss zu erhalten - über rund 180 000 Euro. "Dann kann es weitergehen", sagt Spengler, der auch stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins Steinzeitdorf ist. Läuft weiterhin alles nach Plan, könnte 2017 mit dem Bau der Brücke über den Blauarm begonnen werden, 2019 dann mit dem Besucher-Pavillon.