Querspange Derzeit ist die Vogelwelt noch nicht erwünscht

Noch ist der Dellmensinger Flutpolder für Vögel nicht attraktiv. Gelegentlich verliert sich ein Entenpaar auf der großen Wasserfläche. Das Gequake von Fröschen am Abend zeigt, dass zumindest sie den Weg hierher gefunden haben.
Noch ist der Dellmensinger Flutpolder für Vögel nicht attraktiv. Gelegentlich verliert sich ein Entenpaar auf der großen Wasserfläche. Das Gequake von Fröschen am Abend zeigt, dass zumindest sie den Weg hierher gefunden haben. © Foto: Franz Glogger
Dellmensingen / Franz Glogger 18.05.2018

Der Besucher auf dem Beobachtungsturm am Rand des Dellmensinger „Polders“ weiß gar nicht, wohin er zuerst hinschauen soll. Regenpfeifer, Bachstelze, Kibitz und Bekassine stochern im Schlamm oder suchen im flachen Wasser nach Nahrung. Enten tauchen ab oder lassen sich über das tiefere Wasser treiben. Auf Holzstumpen lauern Kormorane auf einen guten Fang. Über allem das Gekreische von Möwen, als wären sie ständig auf Händel aus. Die Vogelwelt hat in dem künstlichen, sechs Hektar großen Biotop, davon vier Hektar Wasserfläche, eine neue Heimat gefunden. Noch ist das Zukunftsmusik.

Wer den Winkel zwischen Rot und Donaukanal im Norden des Erbacher Teilorts derzeit besucht, findet von all dem nichts. Gelegentlich verliert sich ein Entenpaar auf der großen Wasserfläche. Allabendliches Froschgequake zeigt, dass zumindest sie den Weg hierher gefunden haben.

Mehr muss es derzeit auch nicht sein, erklärt Daniel Hahn, Pressesprecher beim Regierungspräsidium (RP) Tübingen, auf Anfrage. Die Bauarbeiten seien zwar abgeschlossen. Vor der vertraglichen Abnahme sei aber ein Probebetrieb notwendig. Dabei werde ein verkürzter Jahreszyklus des Wasser-Managements simuliert. Also das übers Jahr vorgesehene Absenken beziehungsweise Anheben des Pegels. So sollte zum Beispiel derzeit der Tiefststand erreicht sein, damit Flachwasserzonen entstehen und Schlammflächen freigelegt werden. Im Winter hingegen soll sich das Biotop wie derzeit präsentieren: mit dem Höchststand. Damit will man die über die Vegetationszeit gewachsenen Pflanzen abtöten oder zumindest den Bewuchs eindämmen.

Zu früh für einen Anflug

„Aus Sicht des Regierungspräsidiums wäre es also nicht zielführend, wenn sich Watvögel bereits zum jetzigen Zeitpunkt im Polder eingenistet hätten und möglicherweise dort brüten. Mit steigendem Wasserstand eines Probebetriebs würden sie im besten Fall vertrieben oder verlören gar ihre Brut“, erklärt Hahn. Auch sei es nicht ungewöhnlich, dass sich die Vögel in ihren bisherigen, gewohnten Brutgebieten aufhalten. Dort gebe es ausreichend Wasserflächen, die vermutlich aufgrund ihres Alters deutlich mehr Nahrung bieten. Insbesondere die spezielle Zielgruppe des Polders, die Schlammflächen bevorzugenden Limikolen, fänden wegen des hohen Wasserstandes noch keine guten Bedingungen.

Dass sich möglicherweise der Baubeginn der Querspange verzögert ist für Hahn in diesen Tagen überhaupt kein Thema. Gemäß der Planfeststellung muss zuvor in einer zweijährigen Beobachtung nachgewiesen werden, dass der Polder angenommen ist. „Es bleibt uns also genügend Zeit, dass die Maßnahmen greifen.“

Wann der Probebetrieb erfolgt, steht noch nicht fest, aufgrund von Lieferschwierigkeiten konnte bisher die Steuerung nicht komplett installiert werden. „Wir hoffen, dass dies in den nächsten zwei Wochen abgeschlossen sein wird“, sagt Hahn. Dann wird erprobt, ob der Alarm und die Abschaltung bei verschiedenen Wasserständen funktionieren.

Ersatz für verlorenen Lebensraum

Limikolen Sie werden auch Watvögel oder Regenpfeiferartige genannt. Die Vögel leben vor allem am oder in der Nähe von Wasser, im Uferbereich, Schlamm und Flachwasser. Die Gruppe zählt über 70 Arten. Bekannt sind Regenpfeifer, Schnepfenvögel, Möwen, Kibitz, Bekassine.

Polder Das künstliche Biotop ist eine dem Bau der Querspange vorgeschaltete ökologische Ausgleichsmaßnahme, die nach dem Bundesnaturschutzgesetz vorgeschrieben ist. Damit soll durch Baumaßnahmen verlorener Lebensraum ohne zeitliche Lücke ersetzt werden. In dem betroffenen Gebiet darf erst gebaut werden, wenn der Erfolg nachgewiesen ist.