Natur Der Wald soll Wald bleiben

Hart aber fair ging es bei der Diskussion um den Wald zwischen Leubeweg und B 28 in Blaustein zu.
Hart aber fair ging es bei der Diskussion um den Wald zwischen Leubeweg und B 28 in Blaustein zu. © Foto: Franz Glogger
Blaustein / Franz Glogger 24.07.2018

Die Klingensteiner beharren auf ihren Wald. Das wurde am Freitagabend schnell deutlich. Auf Einladung des SPD-Stadtrats Jürgen Dannwolf hatten sich im Leubeweg Anwohner unter anderem mit Stadtbaumeisterin Sandra Pianezzola und Planer Roland Schmuck getroffen. Wie berichtet, sind dort im Frühjahr – ohne Genehmigung – Bäume abgeholzt und eine Baugrube ausgehoben worden, um Platz für Neubauten zu schaffen. Das hatte nicht nur im Blausteiner Gemeinderat, sondern auch bei den Anwohnern zu heftiger Kritik geführt.

Auslöser für die Abholzaktion war der Antrag eines Bauträgers, ein Grundstück im Anschluss an das frühere evangelische Gemeindehaus mit drei Doppelhäusern zu bebauen. Während Dannwolf von „nur einer Grünfläche“ sprach, ist das Areal zwischen Leubeweg und B 28 für die Klingensteiner ganz eindeutig ein „Wald“. Denn im 1971 verabschiedeten Bebauungsplan sei es als „Waldkulisse“ eingetragen, sagte Uwe Kohlhammer, ehemaliger Gemeinderat. Rechtlich sei es damit trotzdem kein Wald, warf Roland Schmuck vom Planungsbüro Wassermüller ein, denn im Plan fehle das Kennzeichen für „Wald“.

Stadtbaumeisterin Pianezzola räumte ein, dass seitens der Verwaltung eine ganze Fehlerkette passiert sei. Der augenscheinlichste Fehler, der die Bürger auch am meisten erzürnt, war das Abholzen des Grundstücks, auf dem die Doppelhäuser gebaut werden sollen, das dem Bauträger noch gar nicht gehört. Genehmigt hatte das ein Mitarbeiter des Bauamts – bevor die Baugenehmigung vorlag. Es folgten zwei Fehler des Bauträgers: das Abtragen des Hangs bis auf Bautiefe sowie der Verkauf des der Stadt gehörenden Holzes. Zusammen mit dem gleich zu Beginn des Verfahrens gemachten Versäumnis, den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan öffentlich und damit rechtlich wasserdicht zu machen, kam Pianezzola auf „sieben oder acht“ Fehler. Sie wies darauf hin, dass in puncto Stadtplanung einiges im Argen liege: Wenn man als Planer durch Blaustein laufe, sehe man, „dass jeder 30 Jahre lang in der Stadt machen durfte, was er wollte – und so sieht es aus“. Dabei habe Blaustein viel Potenzial.

Die Gegner der Bebauung honorierten die Offenheit der seit dem vergangenen Jahr amtierenden Stadtbaumeisterin. Sie wurden aber dennoch nicht müde, ihren Wald zu verteidigen. Er sei einer der wenigen verbliebenen Grünbereiche in der Kernstadt, halte Schmelz- und Regenwasser aus den Feldern zurück, sichere den Hang, sei grüne Lunge und Refugium vieler Tierarten, von der Fledermaus bis zum Milan, argumentierte unter anderem Roland Kleinhempel, neben Kohlhammer Sprecher der Initiative. Pianezzola warb mit bezahlbarem Wohnraum für 250 Menschen. Auch solle nicht der gesamte Wald gerodet werden. So sollen zwischen zwei Blöcken – jeder vier bis fünf Stockwerke hoch  – die Bäume bis zur B 28 stehen bleiben. Auch sei in Längsrichtung auf der gesamten Länge ein Grüngürtel vorgesehen.

Am Ende des teils energisch, später sehr sachlich verlaufenden Gesprächs, blieb die Position der Anwohner nichtsdestotrotz zementiert. Ziel sei ein Bürgerbegehren, sagte Kleinhempel. Dann möchte er sehen, „wie sensibel“ der Gemeinderat reagiert.

Initiative sammelt Unterschriften

Initiative Einige Klingensteiner haben sich zu einer Initiative zusammengeschlossen, um den Wald am Leubeweg zu retten. Sie sammeln bei den 1300 Klingensteinern Unterschriften. Die Bürger können auf der Liste zwischen zwei Alternativen auswählen: Nummer 1 fordert, den noch vorhandenen Wald unter besonderen Schutz zu stellen; Nummer 2, die bereits ausgehobene Baugrube wieder aufzuschütten und neu aufzuforsten. Laut Roland Kleinhempel ist die Resonanz auf die Unterschriftenaktion bisher „erfreulich“.

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