Als Keimzelle der Regio-S-Bahn Donau-Iller wird der „Weißenhorner“ mitunter bezeichnet. Vor fünf Jahren ist die Strecke Senden–Weißenhorn reaktiviert worden, was heute von 10.30 Uhr an am Weißenhorner Bahnhof gebührend gefeiert wird. Aber was hat sich sonst noch in den vergangenen fünf Jahren in Sachen S-Bahn getan?

„Land und Region wollen die Regio-S-Bahn Donau-Iller gemeinsam voranbringen.“ So hat das baden-württembergische Verkehrsministerium im Dezember 2017 eine Pressemitteilung überschrieben. Anlass war die Unterzeichnung einer Kooperationsvereinbarung zwischen dem Land Baden-Württemberg und dem Regio-S-Bahn-Verein. Das darin formulierte Ziel lautet: eine S-Bahn für die Region.

Jetzt, ein Jahr später, sagt Oliver Dümmler, der Geschäftsführer des Regio-S-Bahn-Vereins: „Wir sind eigentlich ganz gut unterwegs.“ Zumal auch der Freistaat Bayern seine Unterstützung zugesagt hat. Erst vor wenigen Wochen unterzeichnete die damalige bayerische Verkehrsministerin Ilse Aigner (CSU) die entsprechende Vereinbarung.

Trotz dieser Fortschritte gibt es auch Rückschläge. Für Juni nächsten Jahres hatte der Verein eine Kampagne geplant, um die Regio-S-Bahn mal wieder ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken. Anlass, erläutert Geschäftsführer Dümmler, sollte der Betreiberwechsel auf den Strecken Ulm–Munderkingen (Donaubahn) sowie Ulm–Aalen und Ulm–Langenau (Brenzbahn) sein, der auch einige Fahrplanverbesserungen bringt. Die Botschaft an die Bürger sollte lauten: „Es sind kleine Schritte, aber es geht voran.“ Das Land Baden-Württemberg schien idealer Partner für die Marketing-Aktion zu sein, denn die landeseigene Hohenzollersche Landesbahn (HzL) steigt auf den Strecken als neuer Betreiber der Nahverkehrszüge ein.

Aus dem Verkehrsministerium in Stuttgart erhielt der Verein jedoch eine Absage. Während die Region mit ihrer Aktion die Marke „Regio-S-Bahn“ nach den Worten von Oliver Dümmler „sichtbar und greifbar“ machen wollte, will das Ministerium verhindern, dass die Marke „S-Bahn“ ihr Profil verliert. Schließlich seien mit dem Begriff Erwartungen der Fahrgäste verknüpft, erläutert der zuständige Abteilungsleiter Gerd Hickmann. Nur Verbindungen, die mindestens im 30-Minuten-Takt bedient werden, sollten daher „S-Bahn“ genannt werden. Eine Bezeichnung, die Brenz- und Donaubahn auch nach dem Betreiberwechsel noch nicht verdient hätten.

Auch wenn es für das Etikett „S-Bahn“ noch zu früh sei, rücke das Ministerium keineswegs vom Projekt Regio-S-Bahn ab, betont Hickmann – und schickt eine Einschränkung hinterher. Das bedeute nicht, dass das Ministerium mit dem Zielkonzept hundertprozentig einverstanden sei. So sieht das Konzept auf der Donaubahn eine stündliche Verbindung von Ulm bis Riedlingen (Kreis Biberach) vor. Nach Ansicht des Ministeriums reicht es aber, das Angebot nur bis Munderkingen auszubauen: „Wir sehen hinter Munderkingen kein Potenzial für die S-Bahn“, stellt Hickmann fest. Auf eigene Kosten könne die Region aber auch Riedlingen einbinden.

Lohnt Elektrifizierung?

Eine Kostenbeteiligung droht womöglich auch, wenn eines Tages die Elektrifizierung von Brenzbahn und Donaubahn ansteht. Das angekündigte Sonderprogramm des Bundes, darin sind sich Hickmann und Dümmler einig, werde vorne und hinten nicht reichen. Sollten die Stromleitungen dann nach dem Gemeindeverkehrs-Finanzierungsgesetz bezahlt werden, müsste die Region 20 Prozent übernehmen. Nach Dümmlers überschlägiger Rechnung wären das allein für die Brenzbahn bis zu 50 Millionen Euro. Ob sich ein solcher Aufwand angesichts der möglichen Fahrplanverbesserungen lohnt, sei doch sehr fraglich.

Unklar ist nach Dümmlers Worten auch, wie sich die Elektrifizierung auf die Leistungsfähigkeit der Strecken auswirkt: Sind die geplanten zweigleisigen Ausbau-Abschnitte dann noch notwendig? Darüber lasse der Freistaat Bayern für die Illertalbahn Ulm–Kempten ein Gutachten erstellen. Dümmlers Bitte an die Regierung in Stuttgart: „Das hätten wir gerne auch für die Donau- und die Brenzbahn.“

Vielleicht sind aber auch Angebotsverbesserungen ohne Millionen-Invstitionen in die Infrastruktur möglich. „Das ist bisher nicht untersucht worden“, sagt Dümmler. Der S-Bahn-Verein werde daher ein Gutachten in Auftrag geben, das bis Mitte nächsten Jahres vorliegen soll. Ob das dann tatsächlich zu zusätzlichen Fahrten führt, muss mit dem Verkehrsministerium verhandelt werden. Denn ohne das Land läuft nichts, wie Abteilungsleiter Hickmann unmissverständlich klar macht: „Wir sind der Besteller, und wir bezahlen.“

Nächste Marksteine: Umbauten der Bahnhöfe in Blaubeuren und Senden


Schrittweise Die Regio-S-Bahn ist ein langfristiges Projekt, sagt Oliver Dümmler. Wenn alle Akteure mitziehen, könnte es Schritt für Schritt bis Ende der 20er Jahre verwirklicht werden. Ein wichtiger nächster Schritt ist die Modernisierung des Bahnhofs in Blaubeuren, die im Jahr 2021 realisiert sein soll. Dann wäre auf der Donautalbahn bis Blaubeuren ein 30-Minuten-Takt möglich – so wie ihn das baden-württembergische Verkehrsministerium auf einer S-Bahn­-Strecke sehen will. Ein Jahr später, 2022, könnte der Umbau des Bahnhofs Senden abgeschlossen sein. Dann könnte auch der „Weißenhorner“ im Halb-Stunden-Takt zwischen Ulm und Weißenhorn fahren. Ein weiterer Schritt ist der im Jahr 2023 anstehende Betreiberwechsel im Nahverkehr auf der Südbahn-Strecke Ulm–Biberach. Auch dort sind laut Oliver Dümmler Taktverbesserungen möglich. Die zusätzlichen Haltestellen an der Illertalbahn, die so genannten Memminger Halte, wären dann bis 2024 an der Reihe. Gefolgt vom Teilweisen Ausbau der Brenzbahn und der Donaubahn.