Unternehmensgeschichte Unternehmensgeschichte Bronner: Der Philosoph und die Seifen

Laupheim / KATHRIN SCHULER 21.04.2017

„Heute ist Dr. Bronner’s Magic Soaps die meistverkaufte Naturseifenmarke in den USA.“ So und mit bekannten Namen wie Sandra Bullock und Drew Barrymore wirbt das in Kalifornien ansässige Unternehmen für sich. Die Wurzeln des international tätigen Herstellers von Seifen und weiterer Körperpflegemitteln liegen in Laupheim. Und dorthin ist kürzlich Mike Bronner, in fünfter Generation Leiter des Familienunternehmens zurückgekehrt, um über den Werdegang der früheren Seifensiederei zu erzählen.

Einst war in Laupheim die größte jüdische Gemeinde Württembergs beheimatet. Das Nazi-Regime löschte sie aus, 1942 wurden die letzten jüdischen Familien in Vernichtungslager deportiert, nur zwei Personen überlebten. Im ehemaligen Totenhaus am jüdischen Friedhof, unweit  des Hauses Judenberg.2, in dem die Dr.-Bronner’s-Story ihren Anfang nahm, ging Mike Bronner zurück zu den Wurzeln seiner Familie: „Alles begann mit meinem Ururgroßvater Emanuel Heilbronner, der 1858 hier in Laup­heim seine erste Seifenmanufaktur eröffnete.“ Seine Frau Louise Heilbronner brachte elf Kinder zur Welt. Die kleine Seifensiederei wuchs rasch, und in Heilbronn wurde eine eine zweite Fabrik eröffnet.

Im Jahr 1903 starb der Gründer, und die Firmenleitung ging an Abraham Erlebacher, einen Verwandten, über. Mit dem 1908 geborenen Emanuel Heilbronner, genannt Emil, ging die Tradition des Seifenherstellens bereits in die dritte Generation. Der Lehre im Familienbetrieb folgten Meisterprüfung und Chemiestudium. „Seine modernen Ideen und politischen Vorstelllungen vertrugen sich allerdings nicht mit seinen Eltern“, erzählte Mike Bronner. 1929 emigrierte Emanuel Heilbronner in die USA – im Gepäck die Seifenrezepturen. Aus Protest gegen die Machtübernahme Hitlers legt er das „Heil“ im Nachnamen ab – und hieß fortan Bronner. Seine Eltern schafften es nicht, rechtzeitig Deutschland zu verlassen. Sie starben in den Konzentrationslagern Auschwitz und Theresienstadt.

„Emanuel setzte sich für eine Welt ohne Krieg und Hass ein, die Vereinigung der Menschen machte er zu seiner Lebensaufgabe“, sagte Mike Bronner über seinen Großvater. Der legte 1948 den Grundstein für das heutige Unternehmen „Dr. Bronner’s Magic Soaps“ und verschenkte bei seinen Vorträgen über den Weltfrieden immer die selbstgemachte Seife. Als er jedoch feststellen musste, dass die Menschen nur wegen der Seife kamen und nicht um ihm zuzuhören, ließ er seine Botschaft auf das Etikett der Flaschen drucken.

„Und dort steht sie noch heute in kaum veränderter Form: Wir sind alle eins, und was uns verbindet, ist mehr als uns trennt“, sagte Mike Bronner. Die Überzeugungen des Großvaters prägten das Unternehmen noch immer nachhaltig: „Sei fleißig und wachse, geh sorgsam mit deinen Kunden um, behandle deine Mitarbeiter wie Familie, sei fair zu deinen Lieferanten, behandle die Erde wie dein Zuhause, und gib und gib.“ Für diese Philosophie des Familienunternehmens stünden sein Bruder David unverändert.

Für Mike Bronner, der selbst nicht jüdisch erzogen wurde, ist es wichtig zu zeigen, dass seine Familie sich nicht im Hass auf die Mörder der Vorfahren verloren habe. „Unser Triumph ist aus einer Tragödie entstanden, aber wir haben uns nicht abgewandt von unserer Heimat“, sagte er. Um zukünftige Tragödien zu verhindern, sei es wichtig, dass jeder Mensch die Philosophie seines Großvaters erkenne und danach handle: „We are all one – or none.“

Ein paar Tropfen Pfefferminzseife im Mund

Vielseitigkeit Dr. Bronner’s Magic Soaps scheinen in der Tat so etwas wie ein Zaubermittel zu sein. Jedenfalls behauptet das Unternehmen, es gebe mindestens 18 Anwendungsmöglichkeiten für seine Seifen. Hände und Gesicht waschen sind klar. Seifen als Duschgel, Shampoo und Rasierschaum zu verwenden, klingt ebenfalls noch nachvollziehbar. Die Duftrichtung „Zitrus“ soll darüber hinaus als Spülmittel taugen, mit der Sorte „Baby-Mild“ könne auch der Hund geduscht werden. Ein Tropfen der Duftnote „Pfefferminze“ könne als Zahnpasta hilfreich sein, ein oder zwei weitere Tropfen in Wasser aufgelöst als Mundwasser für frischen Atem sorgen.

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