Handwerk Johan Matheuß Schmahl-Orgel restauriert

Orgelbauer Gilbert Scharfe beim Restaurieren der Orgel der evangelischen Kirche in Berghülen. Teilweise griff er auf altbewährte Methoden zurück.
Orgelbauer Gilbert Scharfe beim Restaurieren der Orgel der evangelischen Kirche in Berghülen. Teilweise griff er auf altbewährte Methoden zurück. © Foto: kir
Berghülen / mp 15.05.2018
Insgesamt 16 Wochen hat Orgelbauer Gilbert Scharfe die Johan Matheuß Schmahl-Orgel in der evangelischen Laurentius Kirche in Berghülen restauriert.

Bei der Restaurierung der Johan-Matheuß-Schmahl-Orgel in der evangelischen Laurentius-Kirche war Feinarbeit gefragt. Und das bei Raumtemperaturen von nur 4 Grad. Jetzt ist die Orgel,  Baujahr 1784, von einem Orgelsachverständigen abgenommen worden und wieder in Diensten.

Insgesamt 16 Wochen haben Orgelbauer Gilbert Scharfe und sein Geselle Andreas Jung aus Bünzwangen an der Orgel gearbeitet.  Der rote Kombi, der auf dem Dorfplatz parkte,  war den Berghülern schon ein vertrautes Bild. In den Wintermonaten stiegen auch Besucher auf die Empore und taten einen Blick in das Innenleben der Orgel. Sie sahen verwurmte Holzpfeifen, abgebrochene Gewindestücke, undichte Windstöcke und rissige Rasterbretter. Vieles war im verbauten Zustand nicht erkennbar. Die Berghüler Orgel wurde im Laufe ihres langen Lebens des Öfteren umgebaut.

Bestand erhalten

„Man hat meist eine Mischung aus verschiedenen Zuständen“, sagt der Orgelbauer. Das Ziel sei dann, den gewachsenen Bestand zu erhalten und zu konservieren. Dazu mussten Schleifendichtungen repariert und Wellenbretter saniert werden. Das störende Knarren des Hauptbalgs ließ sich beseitigen. Jede der 1042 Pfeifen wurde überprüft und gegebenenfalls repariert. Oftmals zeigten sich erst nach der Öffnung der Pfeife die Schäden. Ein Großteil der Holzpfeifen war so verwurmt, dass nur noch das Ausgießen mit Warmleim half. Dabei muss die komplette Pfeife zweimal benetzt werden und aushärten, eine Arbeit, die Gilbert Scharfe als „ziemliche Sauerei“ bezeichnet.

Schritt für Schritt ging es voran. Intonationsarbeiten an der Quintade 8‘ des Hauptwerks standen in der 12. Woche an. Das Register klang zunächst schwach und wenig charaktervoll. Der Blick auf die Kernspalten der Metallpfeifen verriet den Orgelbauern die Problematik.  Fast jede Pfeife hatte zugedrückte und verformte Spalten. Die Kernspalten wurden wieder geöffnet und die Spaltenweiten ausgeglichen. Auf einmal klang das Register wieder kräftig und quintig. „Ging das Register noch unter, sobald ein anderes in 8‘ Lage gezogen wurde, ergeben sich nun neue Registerkombinationen“, sagt Gilbert Scharfe. „Die Organistin wird nach der Restaurierung feststellen, dass die Orgel wieder klare Farben hat und die Register wieder mischbar sind“, erklärte Scharfe im Winter.

Oft greifen die Orgelbauer zu Mitteln, die sich seit Jahrhunderten bewährt haben. An der Berghüler Orgel war die Balgplatte zwar noch in Ordnung, aber die Balgfalte aus Leder wurde einst nicht richtig abgedichtet. So nahm Andreas Jung ein paar Eier aus seinem Kühlschrank mit und strich das alte Leder mit Eiweiß ein.

Teurer als geplant

Geplant war von der Kirchengemeinde zunächst eine Orgelreinigung für 25 000 Euro. Daraus wurde eine grundlegende Renovierung für die anderthalbfachen Kosten. Am Ende stieg die Rechnung durch Unvorhersehbares noch einmal um 5000 Euro an. Da kam der kleinen Gemeinde ein Zuschuss aus dem Fonds für Kulturförderung der Oberschwäbischen Elektrizitätswerke in genau dieser Höhe sehr gelegen.

Auf der Homepage des Orgelbauers können Interessierte nachlesen, was alles gemacht wurde. „Sie klingt jetzt wunderbar voll und weich“, urteilten die Kirchgänger.

Orgelbauer führt „neue“ Orgel vor

Die restaurierte Orgel in Berghülen ist wieder in Betrieb. Trotzdem will Orgelbauer Gilbert Scharfe  persönlich den Interessierten vorführen, wie groß die Klangfülle der „neuen“ Orgel ist. Er wird dies in einem Orgelkonzert tun, der genaue Termin steht allerdings noch nicht fest.