Kirche Der neue Bezirkskantor reißt alle mit

Alexander Lang entspricht nicht unbedingt dem gängigen Bild eines Kirchenmusikers. Der neue Bezirkskantor hüpft und tanzt auch mal während der Chorproben.
Alexander Lang entspricht nicht unbedingt dem gängigen Bild eines Kirchenmusikers. Der neue Bezirkskantor hüpft und tanzt auch mal während der Chorproben. © Foto: Margot Autenrieth-Kronenthaler
Blaubeuren / Margot Autenrieth-Kronenthaler 24.09.2018

Frischer Wind für den evangelischen Kirchenbezirk Blaubeuren: Mit Alexander Lang ist gestern der neue Bezirkskantor in sein Amt eingeführt worden. Er tritt die Nachfolge von Kirchenmusikdirektorin Bettina Gilbert an, die nach 30 Jahren zu Beginn des Jahres ans Michaeliskloster in Hildesheim gewechselt hat. Alexander Lang ist je zur Hälfte für den Bezirk und für die Blaubeurer Kirchengemeinde tätig. Dekan Frithjof Schwesig begrüßte den 48-jährigen Oberfranken während eines Gottesdienstes in der Stadtkirche, seiner neuen Wirkungsstätte.

Unkonventionell

Orgelmusik und Schlagzeug? Das hörte die interessiert-erstaunte und erfreute Festgemeinde beim Vor- und Nachspiel im Gottesdienst. Da intonierte Lang etwa ein Lied der schwedischen Popgruppe Abba an der Orgel, Ralf Bucher begleitete auf dem Schlagzeug. Schnell wurde klar: Alexander Lang ist nicht nur äußerlich kein Kirchenmusiker wie man ihn erwarten würde. Das ist auch an seinem interessanten Lebenslauf ersichtlich.  Lang ist studierter Kirchenmusiker mit A-Examen, Sänger und Stimmbildner und arbeitete bereits in all diesen Bereichen, ebenso als Musikschullehrer, Musikschulleiter und Gesangssolist.

Sein beruflicher Werdegang führte ihn unter anderem als A-Kirchenmusiker nach Bottrop, als Kantor nach Bremen und als Dekanats-Kirchenmusiker nach Gießen. Er inszenierte Musicals, beteiligte sich an Theater- und Opernproduktionen, leitete die Kinderchöre der Hofer Sinfoniker, eine Jugendband und einen Posaunenchor. Er war Dozent für Liturgik an der Uni Gießen und beteiligte sich mit seinen Chören bei Landeswettbewerben. Geboren ist der 48-Jährige in Bad Steben in Oberfranken. Sein Vater war Rockmusiker und Justizbeamter, sein Großvater professioneller Geiger im Symphonieorchester. Vielleicht erklärt das, warum Lang klassische und populäre Musik bestens zu verbinden weiß und keine Scheu zeigt, die übliche Grenzen in der Musik zu überwinden.

Dekan Schwesig beschrieb die vielfältigen Aufgaben eines Bezirkskantors in 29 Gemeinden, die von der Gottesdienstbegleitung über die Chorleitung bis zur Ausbildung von Orgelschülern reiche. „Da braucht es eine gute Kondition, viel Energie und viele gute Ideen, was Herr Lang sichtlich alles hat.“ Lang wechselte während des Gottesdienstes immer wieder von der Empore zum Altar, wo die 40-köpfige Kantorei zum ersten Mal unter seiner Leitung sang. Beeindruckend war die fein abgestufte Dynamik, mit der der Chor moderne geistliche Lieder aber auch klassische Werke darbot. In seiner Predigt betonte Schwesig die Kraft der Musik, die Trost, Energie und Mut schenken könne: „Musik kann der Seele Flügel verleihen und uns mit Gott verbinden.“

Kirchengemeinderatsvorsitzende und Chorsängerin Charlotte Wandel meinte in ihrem Grußwort, dass große Erwartungen in Lang gesetzt würden. Die ersten Chorproben seien vielversprechend gewesen. „Da steht – nein, da hüpft und tanzt einer vor uns!“ Lang nehme alle Menschen mit. „Schön, dass Sie zu uns gekommen sind“, freute sie sich. Die Vorsitzende der Bezirkssynode, Renate Schmid, wünschte dem neuen Bezirkskantor „ein bewegtes Herz für die Musik, und dass Sie die volle Vielfalt im Bezirk kennen und schätzen lernen können“. Der Blaubeurer Bürgermeister Jörg Seibold erzählte, wie er jüngst glücklichen Sängerinnen nach einer Probe begegnet war. „Schön, dass Sie sind wie Sie sind“, sagte Seibold.

„Er reißt einen heraus, die Proben machen mir sehr viel Freude“, sagte Chormitglied Monika Ungers. Auch Basssänger Michael Schmelzer schwärmte: „Ganz toll, er ist total schwungvoll und mitreißend. Ich bin sehr neugierig, welche Akzente er noch setzt. Für den Chor ist es ein Aufschwung, viele sind wieder gekommen. Wir sind jetzt wieder sechs Bässe, da macht der Chor Spaß.“

Alexander Lang freut sich nach eigenen Worten auf seine Aufgaben und will Menschen zum Singen bringen. Er lebt derzeit alleine im Suppinger Pfarrhaus. „Das 350 Jahre Haus inspiriert mich, ich wache jeden Tag mit neuen Ideen auf.“ Und, so fügte er nach dem Gottesdienst gestern hinzu: „Blaubeuren war für mich Liebe auf den ersten Blick. Ich bin glücklich, die Gemeinde hier ist so offen, so lebendig und nimmt die Stimmung auf.“

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