Vortrag Der Mensch steht im Mittelpunkt

Schavan in Erbach beim Forum.
Schavan in Erbach beim Forum. © Foto: Franz Glogger
Erbach / Franz Glogger 20.07.2018

Das vorweg: Annette Schavan fuhr in Rom keine Vespa. Eine Vespa sei mehr ein Lebensgefühl als ein Fortbewegungsmittel, aber „wer nicht von klein auf in diesem Verkehr aufgewachsen ist, sollte es lieber lassen“, sagte die 63-jährige Theologin kürzlich im voll besetzten Treff des Forums 50 plus in Erbach. Dort berichtete die einstige Landes- und Bundesministerin über ihre vier Jahre als Botschafterin beim Heiligen Stuhl: Viel sei in dieser Zeit im Vatikan passiert, mit dem neuen Papst Franziskus. Mittelpunkt der Kirche sei für ihn der Mensch. Ihn sehe er im Zentrum einer Erneuerung, etwa im Sinne der Urkirche, als sich die Menschen in ihren Häusern zum Gebet trafen und um die Armen kümmerten. Eine offizielle Empfehlung dafür gebe es nicht, aber ihr Gefühl sage: „Der Papst würde nicht bremsen.“ Besonders, da er aus Lateinamerika diese Form der Kirche kenne. Im Amazonasgebiet etwa feierten Laien den Gottesdienst einschließlich Kommunion. Ein Priester komme vielleicht einmal im Jahr.

Zölibat wird bald fallen

Auf der anderen Seite stehe Papst Franziskus auch klar zur Verantwortung der Kirche für eine intakte Welt, denn „das Geistliche und das Politische sind für ihn zwei Seiten einer Medaille“. Unter anderem habe sich das bei seinen fünf großen Reden zu Europa oder der Entsendung eines Kardinals nach Saudi-Arabien gezeigt. Eine Religion, die öffentlich anstatt im Privaten gelebt wird, könne viel für den Frieden bewirken, sagte Schavan. Dazu gehöre, dass man sich auch über den Glauben anderer informiert. „Das ebnet Wege, um ins Gespräch zu kommen“, sagte Schavan. In der Fragerunde wollten Besucher unter anderem wissen, ob das Zölibat fällt („nicht mehr so weit hin“), und was sie selbst beruflich vorhat: „Das ist eine Frage, die ich nach dem Sommer beantworten werde.“

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