Unterbalzheim Der lange Weg von der Faser zum Garn

Die Flyerspulen in der Maschine, die 960 Fäden gleichzeitig bearbeiten kann.
Die Flyerspulen in der Maschine, die 960 Fäden gleichzeitig bearbeiten kann.
Unterbalzheim / SWP 28.04.2012
Sortieren, strecken und drehen, strecken und ganz schnell drehen - wieder und immer wieder. Das sind wichtige Schritte auf dem Weg von der Baumwollfaser zum fertigen Garn. Ein Gang durch die Produktion.

Über 3000 Tonnen Baumwollgarn stellt die Spinnerei der Firma Otto Garne in Unterbalzheim, das 25 Kilometer südlich von Ulm liegt, im Jahr her. Baumwolle aus aller Welt wird hier in mehreren Produktionsschritten verarbeitet.

Die Rohware wird in gepressten Ballen angeliefert. Die Lagerhalle fasst einen Vorrat, der für vier bis sechs Monate reicht. In der Halle hängt bereits der Eigengeruch der Baumwolle in der Luft. Erster Produktionsschritt ist, dass eine Maschine von den Ballen Schicht für Schicht abfräst. Die Baumwollflocken werden direkt in ein verzweigtes Rohrsystem gesaugt und dann gereinigt. Die Mischung der Fasern, die unter gewaltigem Lärm in bebenden Maschinen umgewälzt werden, bestimmt die spätere Qualität des Garns. Die Firma Otto nutzt ein spezielles umweltschonendes Verfahren, um Baumwollfasern, die in späteren Produktionsphasen als Abfälle anfallen, hier wieder einzuspeisen (siehe obenstehender Artikel).

Die gereinigten und gemischten Fasern werden in eine Kardiermaschine befördert, wo sie gleich ausgerichtet, zu dicken Strängen gebündelt und aufgerollt werden. Die weißen Baumwollstränge fühlen sich samtig-leicht an und haben eine lockere Konsistenz.

Die nächste Maschine verbindet zwölf Baumwollstränge miteinander, indem sie jeden einzelnen streckt. Im so genannten Bandwickler werden die künftigen Fäden dreißigfach pro Meter gebündelt. Die Kämme der nächsten Maschine sortieren die herausstehenden Kurzfasern aus. Damit ist das so genannte Vorwerk beendet.

Im weiteren Verlauf der Produktion bekommen die Garne die Stärke und Drehung, die der Kunde wünscht. Das Vorspinnen mit Flyerspulen sorgt für weitere Festigkeit, hier wird wieder gedreht und gestreckt. 960 Fäden kann die Maschine gleichzeitig bearbeiten.

Die Ringspinnmaschine erzeugt Garne in verschiedenen Stärken. Sie dreht sich mit der rasenden Geschwindigkeit von 20 000 Umdrehungen pro Minute und tastet den Faden nach Fehlern ab: unbrauchbare Kurzfasern sowie Dick- und Dünnstellen.

In der Halle mit den Ringspinnmaschinen ist die Temperatur spürbar höher, die Luft stickiger. Unten an den Maschinen fahren vollautomatische Staubsauger entlang, um auch hier einzelne Baumwollfasern aufzusammeln, damit sie wiederverwendet werden können.

Für das Bedienen der großen Maschinen in der Halle braucht es nur wenige Mitarbeiter. Deren Aufgabe ist das Überwachen des Produktionsablaufs, und sie müssen das Garn wieder einfädeln, wenn es irgendwo gerissen ist.

Nur makelloses Garn wird zum Schluss von den kleinen auf größere Spulen übertragen. Je nach Wunsch des Kunden werden die Spulen anschließend in die betriebseigene Färberei nach Dietenheim gebracht.

Dort wird die Ware verpackt und an die Kunden ausgeliefert, die aus den Garnen dann Textilien herstellen. Der Weg der Baumwolle ist lang, ehe sie - in welcher Form auch immer - bei den Kunden landet.

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