Kunstpfad Der ganze „Erlbach“ in Holz gehauen

An der neuen Skulptur am Kunstpfad zeigt Johanna Schenkl Bürgermeister Achim Gaus ihren Standort.
An der neuen Skulptur am Kunstpfad zeigt Johanna Schenkl Bürgermeister Achim Gaus ihren Standort. © Foto: Franz Glogger
Erbach / Franz Glogger 23.06.2018

Vom Erlenbach als einer Lebensader von Erbach zu sprechen ist sicher zu hoch gegriffen. Dennoch ist er ein nicht wegzudenkendes Element. Beeindruckend und beängstigend zugleich zeigte er das Mitte 2016, als sich der sonst hinter Mauern versteckte Wasserlauf als braune Flut durch die Innenstadt wälzte. An wesentlich weniger Bedrohliches erinnert sich die in Erbach aufgewachsene Künstlerin Johanna Schenkl. Als die heute 34-Jährige noch Knöpfle hieß, war der Bach für sie ein Spielplatz. Besonders gern erinnert sie sich an die Versuche, Forellen zu fangen.

Als sie über eine neue Skulptur für den Kunstpfad im Naherholungsgebiet „Brühlwiesen“ nachdachte, lag für sie nahe, den Bach einzubeziehen, der zudem zentrales Element der Anlage ist. „Der Bach ist ein so wichtiges Element für die Gemeinde. Und überhaupt: Wasser trägt immer“, sagte sie bei der Vorstellung.

Mannsdicke Eiche und Bach? Es brauchte nur ein paar Worte der Künstlerin, um die Idee nachvollziehen zu können. Sie hat den oberen Teil des Stamms so in Wellen bearbeitet, dass die vordere Schnittkante zur Rundung des Stamms hin exakt den Verlauf des „Erlbachs“ – so lautet einer der historischen Namen – wiedergibt. Vom Ursprung auf der Gemarkung Ringingen bis zur Mündung in die Donau. Allerdings nicht, wie der erste Blick vermuten lässt, einschließlich des Höhenprofils, sondern als Draufsicht einer zweidimensionalen Karte.

„Hier ist zum Beispiel unser Standort“, erläuterte Johanna Schenkl dem Erbacher Bürgermeister Achim Gaus. Der wellenförmige Schnitt hat dennoch einen wichtigen Aspekt. Je nach Sonnenstand verändert sich der Schattenwurf. Für den Spaziergänger ergebe sich so je nach Tageszeit ein anderes Bild, was zugleich Herausforderung ist, sich mit „seinem“ Bach zu beschäftigen. Dass sich der frisch geschält scheinende Stamm mit der Witterung ebenfalls verändern wird, ist erwünscht. Denn alles unterliegt einer Veränderung, sagt die Künstlerin.

Bürgermeister Gaus beeindruckte die Idee. Ihm gefiel der enge Bezug zur Ortschaft und der Natur. „Ich freue mich ganz besonders, dass wir mit Johanna Schenkl eine Künstlerin haben, die einen Bezug zu unserer Stadt und zum Erlenbach hat. Wenn man um die Idee weiß, entfaltet das Kunstwerk seinen vollen Reiz. Ich wünsche mir, dass sich viele den Verlauf des Gewässers ertasten und in Gedanken die Orte am Erlenbach zuordnen“, sagte der Bürgermeister.

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