Feuerwerk Der Blaubeurer Robert Steinfeld baut Feuerwerke im großen Stil

Robert Steinfeld (links) und sein Sohn Oliver in der Garage. Dort lagern die Glasfaserrohre, aus denen die Kugelbomben abgefeuert werden.
Robert Steinfeld (links) und sein Sohn Oliver in der Garage. Dort lagern die Glasfaserrohre, aus denen die Kugelbomben abgefeuert werden. © Foto: Volkmar Könneke
ANDREAS SPENGLER 31.12.2014
Robert Steinfeld hält nicht viel von Chinaböllern oder Raketen - er denkt größer. Seine Welt beginnt bei "Klasse Vier": Großfeuerwerke. Der Blaubeurer organisiert Feuerwerke in der ganzen Region und darüber hinaus.

Raketen an Silvester? Davor hat Robert Steinfeld ein bisschen Angst. "Die fliegen oft völlig unkontrolliert." Außerdem sei der Effekt zu gering. "Manchmal ist es unverantwortlich, wie mit Raketen und Böllern umgegangen wird." Das Zündeln und Schießen an Silvester ende oft mit schweren Verbrennungen, selbst von Todesfällen weiß Steinfeld. Dennoch faszinieren Feuerwerke den 57-Jährigen. Nur Respekt müsse man davor haben. Steinfeld hält nicht viel von Chinaböllern oder Raketen - er denkt größer. Seine Welt beginnt bei "Klasse Vier": Großfeuerwerke. "Es fasziniert mich, diese enorme Gewalt zu beherrschen."

Wo Steinfeld auftritt, da glüht der Himmel, da regnet es Sterne und sprühen Funken. Der Blaubeurer organisiert Feuerwerke in der ganzen Region und darüber hinaus - von der Stadterhebung Blausteins, den Freibadfesten in Langenau und Blaubeuren bis hin zu den König-Ludwig-Festspielen in Füssen.

Eine Minute Großfeuerwerk kostet rund 500 Euro. Manche sagen, Steinfeld verpulvere sinnlos Geld. In Zeiten klammer Kassen sei das verwerflich. "Ich kann die Kritik nachvollziehen. Feuerwerke muss nicht jeder lieben." Aber wer würde darauf verzichten wollen? Das Geld käme wohl kaum wohltätigen Zwecken zugute. "Außerdem wird doch auch bedenkenlos Kohle für andere Luxusartikel ausgegeben." Ein Feuerwerk, mit Herzblut und Liebe gemacht, sei auch ein Luxus. Für Steinfeld gibt es diesen besonderen Moment: Wenn der Himmel erstrahlt im Feuerregen, die Menschen gebannt nach oben schauen und er die Begeisterung spürt. "Wenn am Ende die Zuschauer applaudieren, ist das ein totales Hochgefühl." Dann fällt all die Anspannung von ihm ab. Tagelang tüftelt er am Ablauf eines Feuerwerks, überlegt sich die Choreografie und das Zusammenspiel der Farben. Dann bestellt er die einzelnen Kugelbomben, für jeden Effekt eine. Einmal zündete er ein Feuerwerk zur Live-Musik der Blaskapelle von Gögglingen-Donaustetten. Die größte Herausforderung war der Radetzky-Marsch, auf den Schlag genau gingen die Raketen hoch, dank manuellem Auslöser mit elektrischem Zünder. "Der Zeitpunkt und die Choreografie müssen passen", betont er. Ein Farben-Chaos in Rot, Grün, Blau, das sei höchstens etwas fürs Volksfest. Steinfeld ist nicht nur ein Techniker, sondern auch Ästhet: "Auf Blau sollte kein Grün folgen. Besser zum Beispiel eine Farbe vor eine silbrige Wand schießen."

Für die Farben in Raketen sorgt ein chemischer Cocktail aus Schwarzpulver - je nach Farbeffekt zum Beispiel mit Kupfer, Strontium oder Zink gemischt. Für die Wucht sorgen Bomben, so groß wie Kegelkugeln. Die packt Steinfeld in Glasfaserrohre und schießt sie in den Himmel. "Eine herkömmliche Rakete fliegt maximal 80 Meter hoch, meine Bomben schaffen bis zu 360 Meter." Die Rohre deponiert er in der Garage - die Kugeln in einem Sprengstoffbunker, weit entfernt von der nächsten Ortschaft.

Früher sprengte Steinfeld Brückenpfeiler, Häuser und Felswände. Für seine Arbeit fuhr er durch ganz Deutschland und in die Schweiz, war immer unterwegs, von einer Sprengung zur nächsten. "Es gibt nichts, was man nicht sprengen könnte", sagt er lachend.

Doch als seine Tochter zur Welt kam, wollte Steinfeld mehr Zeit mit ihr verbringen. "Ich wollte sie aufwachsen sehen." Er wurde sesshaft in Gerhausen und begann als Sprengmeister bei Ulmer Weißkalk. Heute arbeitet er im Schotterwerk Rösch und Söhne in Zainingen. Doch bei der Arbeit mit dem grauen Staub und dem dumpfen Steindonner fehlte ihm etwas: die Farben. Im Mai 2000 erhielt Steinfeld die Lizenz zum Schießen: Er legte die Ausbildung zum Pyrotechniker ab.

"Feuerwerke haben mich schon als Kind in ihren Bann gezogen", erzählt er. Die Faszination hat er auch an seinen Sohn Oliver vererbt, der 34-Jährige begleitet ihn bei seinen Aufträgen. Die Unterstützung kann Robert Steinfeld gut gebrauchen, vor allem in den stressigen Tagen am Jahresende. An Silvester zündet Steinfeld diesmal ein Großfeuerwerk in Nonnenhorn, mitten auf einem Schiffsanleger am Bodensee. "Beginn zwischen 0.00 und 0.30 Uhr", wurde schriftlich vereinbart. Je nach Wetter. Pünktlich um Mitternacht werden die Leute einige kleinere Raketen hochschießen und ihre Böller zünden, glaubt Steinfeld. "Aber wenn wir richtig anfangen, sind alle anderen schnell ruhig."