Leuten Sachen verkaufen, die sie nicht brauchen, ist frustrierend. Sagt Catherine Adelmann, 28, Wirtschaftsingenieurin und Gründerin der Firma Fosera. Auch wenn es abgegriffen klingt: Sie ist froh, für etwas zu arbeiten, hinter dem sie steht, etwas mit dem sie die Welt ein wenig besser machen kann. Catherine Adelmanns Unternehmen entwickelt und produziert Geräte für ländliche Gebiete, in denen es noch keine Elektrifizierung gibt. Sprich: wo sich nicht selbstverständlich eine Steckdose an der Wand befindet. Außerdem für Regionen, in denen kein Verlass ist auf die Stromversorgung. Es handelt sich um vergleichsweise günstige Geräte, die mit Solarenergie betrieben werden: Lampen, Ventilatoren, Radios, Fernseher. Im Moment arbeiten die Entwickler von Fosera an einem Kühlschrank.

„Wir sind sehr schnell sehr groß geworden“, sagt die 28-Jährige sieben Jahre nach der Firmengründung. 17 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen in Illerkirchberg, wo sich Verwaltung, Vertrieb, Logistik und Entwicklung befinden. Produziert wird in Thailand mit 50 Mitarbeitern und an einem zweiten, kleineren Standort in Äthiopien, dort montieren 23 Mitarbeiter Einzelteile.

Zurück zum Kühlschrank. Der Prototyp steht in Illerkirchberg in einem schlichten Raum. Die Idee: Dieses Gerät mit fest verbauten Kühl-Akkus zu betreiben, die wiederum eine Flüssigkeit enthalten, welche schon bei sechs Grad beginnt fest zu werden. Ein möglichst energiesparender Kühlschrank also, damit er mit einer möglichst kleinen Batterie funktioniert. Preisgünstig, aber verlässlich. Die ganze Nacht über.

Kühlung bringt Einkommen

„Kühlung ist ein Riesenproblem in Afrika“, sagt Adelmann. Unmengen Lebensmittel müssen weggeworfen werden, weil sie in der Hitze verderben. Bislang ist Kühlung sehr teuer. Fosera habe die Anschaffungskosten halbiert, aber umgerechnet 1000 Euro sind immer noch viel Geld, darüber ist sich die Unternehmerin im Klaren. Sie hat als Käufer und Nutzer zum Beispiel Bauern im Blick, die mit dem Kühlschrank die Abendmilch über Nacht kühlen und infolgedessen am nächsten Morgen noch verkaufen können. Oder Fischer, die ihre Ware gekühlt auch nach zwei Tagen noch anbieten können. „Wenn man mit dem Kühlschrank Einkommen erzielt, ist es einfacher, ihn abzuzahlen.“ Eine weitere, denkbare Einsatzmöglichkeit der Geräte ist die Kühlung von nicht allzu empfindlichen Medikamenten in kleinen Krankenstationen.

Fosera baut dieses Haushaltsgerät aus Einzelteilen chinesischer Hersteller zusammen. Andere Produkte, wie die Radios und Fernseher, werden ebenfalls aus China zugekauft, weiterentwickelt und abgewandelt – und zwar so, dass sie stromsparend funktionieren.

Das Illerkirchberger Unternehmen stellt schließlich ein Paket zusammen, das alles enthält, was für die jeweilige Anwendung nötig ist. Also zum Beispiel eine Kiste mit Lampe, Batterie, Solarmodul und Kabel – man muss die Komponenten lediglich noch zusammenstecken. Fosera produziert so, dass die Geräte später einmal repariert werden können, das Unternehmen liefert auch die nötigen Ersatzteile. Und Fosera schult die Händler, die die Anlagen aus Illerkirchberg an Endkunden in Afrika, Latein- und Südamerika, im Mittleren Osten und auf den Philippinen verkaufen.

Als die Wirtschaftsingenieurin Catherine Adelmann einst während ihres Bachelor-Studiums „als kleines Projekt nebenher“ an einer Solar-Straßenlaterne arbeitete und an einem Business-Plan, hätte sie nicht gedacht, dass daraus ernsthaft ein Unternehmen erwachsen würde. Es war ihr Vater Peter Adelmann, der sie dazu ermunterte. Er selbst hatte sich schon vor vielen Jahren der Solartechnik verschrieben und sich als Hochschulprofessor, Mentor und Unternehmer einen Namen gemacht. Vater Adelmann investierte maßgeblich in Fosera und steht seiner Tochter beratend zur Seite. Die weiß es sehr zu schätzen, jemanden zu haben, der sie „von den größten Fehlern abhält“. Einen Streit auszutragen sei in dieser speziellen Konstellation ebenfalls einfacher: „Man findet schnell wieder zusammen, weil man es 20 Jahre geübt hat.“

Positiver Einfluss

Was zählt wirklich für Catherine Adelmann? Wirtschaftlicher Erfolg ist jedenfalls nicht alles, zumal es mit einer Firma immer mal rauf geht und dann wieder runter, sagt sie. Und die junge Frau sagt: „Ich habe nicht den großen Masterplan für mein Leben.“

Was zählt für die 28-Jährige? Das ist für sie gar nicht so leicht in Worte zu fassen. Sie nennt es schließlich: „Der positive Einfluss.“ Er wird mitunter auf Fotos dokumentiert und ihr zugeschickt: Bilder von der Entladung eines Containers voller Fosera-Kisten in Sambia zum Beispiel. Oder die Nachricht aus Mexiko: Ein Dorf hat Strom bekommen.

Die Vision von der Energieleiter


Ziele Beruflich möchte Catherine Adelmann die „Vision von der Energieleiter“ wahr werden lassen. Vereinfacht gesagt: Schritt für Schritt sollen Menschen in abgehängten Dörfern von der kleinen solarbetriebenen Lampe zum Kühlschrank und weiter zur Kochgelegenheit und Waschmaschine kommen können. Politisch betritt die Unternehmensgründerin gerade Neuland: Sie wurde im Mai in die Vollversammlung der IHK Ulm gewählt; wichtig ist ihr, ein gutes Gründungsklima für die Region zu fördern. Privat hat sie sich vorgenommen, die angefangene Promotion irgendwann auch zu Ende zu bringen – trotz eines Wochenarbeitszeitpensums für die Firma von 50 bis 60 Stunden.