Chaos Ersinger Badesee hat Parkprobleme

Ersingen / Franz Glogger 10.08.2018
Müll, unverfrorene Autofahrer, dreiste Badegäste: am Ersinger See musss sich dringend etwas ändern.

Sabine Dannenmaier steht an der Zufahrt zum Ersinger Freizeitgebiet beim Badesee und zeigt auf einen Kleinwagen, der auf den Parkplatz einbiegt. Eine junge Frau sitzt am Steuer. Doch anstatt zu parken, fährt diese durch und biegt nach links auf einen Grasweg ab um zwischen zwei Maisfeldern zu verschwinden. Ihr Ziel: die südlichen Baggerseen. „Das geht täglich so, besonders am Wochenende“, sagt sie.

Deshalb haben Dannenmaier, Martina Mann, Manfred Schwarzenbach und Helmut Maiser mit weiteren Ersingern eine Initiative gegründet, um gegen die Missstände vorzugehen, die sich seit Jahren an dem beliebten See eingeschlichen haben. Dazu gehört seit vergangenem Jahr auch die Durchfahrt über den Parkplatz – weil eine bessere Zufahrt mit Pfosten versperrt wurde. Ganz dreiste Fahrzeuglenker nehmen eine Abkürzung über den Acker eines Bauern. Weil Autos auf seiner Wiese parken, versucht es ein Landwirt mit einem probaten Mittel: Er verstreute schubkarrenweise Fallobst, in der Hoffnung, dass das gärende Obst und Wespen die Unsitte beenden.

Dass Badegäste mit ihren Autos über Feldwege und Felder fahren, darüber können die Ersinger nur noch ihren Kopf schütteln. Es gibt weitere Zumutungen. „Ganz oben steht für uns die Verkehrssicherheit“, sagt Martina Mann. Auf der Zufahrt gilt Tempo 30, „aber daran halten sich die wenigsten“. Hinzu komme, dass links und rechts der Wege geparkt wird. Aus dem Grund würden Kinder, die die Wege kreuzen, sehr spät erkannt.

Chemie-Toilette im See

Die Initiative will ein Konzept ausarbeiten, mit dem Autofahrer zu einer gemäßigteren Fahrweise angehalten werden. Dazu gehörten freie, unverstellte Rettungswege. Es sei schon vorgekommen, dass ein Rettungsfahrzeug gar nicht bis zum Einsatzort durchkam.

Ein anderes Ärgernis ist die Vermüllung rund um alle Seen. Erst am vergangenen Wochenende habe ein Gruppe Jugendlicher an einer Stelle Party gefeiert und alles zurückgelassen, berichtet Dannenmaier – einschließlich Grillrost. Zu sehen seien im See schwimmende Windeln, Bierflaschen und die Hinterlassenschaften von Pferden, die zum Tränken in den See geführt werden. Darauf angesprochen, würden die Besitzer das achselzuckend als natürliches Ereignis abtun. Helmut Maiser hat gar schon beobachtet, dass der Besitzer eines Wohnmobils seine Chemie-Toilette in den See „verklappt“ hat.

Weitere Probleme seien für Erntefahrzeuge blockierte Wege, nächtliche Ruhestörung und die Besetzung von Stellplätzen, die Fischer hergerichtet haben. Angebrachte Sperrketten würden dazu ungeniert mit dem Bolzenschneider durchgeschnitten. Um die Probleme anzugehen, ist der Arbeitskreis mit dem Sportverein, der Polizei und der Stadtverwaltung im Gespräch. Manfred Schwarzenbach betont, dass Gäste in Ersingen weiter gern gesehen sind „Aber die unhaltbaren Zustände müssen aufhören.“ Maiser ergänzt: „Am besten ohne den Einsatz einer Ordnungsmacht, sondern mittels Vernunft.“

Nun gibt es „Knöllchen“

Der Leiterin des Erbacher Ordnungsamts Sara Siebler wurde kürzlich eine Mängelliste samt Vorschlägen übergeben. Sie wird nun die rechtliche Situation klären und prüfen, was rasch umgesetzt werden kann, sagte sie auf Nachfrage. Zum Beispiel ein verstärkter Einsatz des städtischen Ordnungsdienstes. Anfang August werden sich der Arbeitskreis und Siebler zu einem weiteren Gespräch treffen. Auch seitens der Polizei werde es „Knöllchen“ geben, kündigte Pressesprecher Wolfgang Jürgens an. Wegen einer nicht eindeutigen Beschilderung sei das bisher nicht möglich gewesen. Das habe sich nun geändert: „Damit für jeden klar ist, was er darf und was nicht.“

Am 22. August, 18 Uhr,  veranstaltet der Arbeitskreis eine offene Gesprächsrunde im Sportheim der SG Ersingen – für alle Nutzer des Freizeitgebiets.

Bauantrag ruht derzeit

Umbau Spekulationen gibt es über den Umbau des Hauses am Ersinger Badesee, der kürzlich den Besitzer gewechselt hat: der Bauherr wolle sich massiv ausbreiten, eine Genehmigung gebe es nicht. Derzeit ruhe der Bauantrag – auf Wunsch der Erbacher Stadtverwaltung und des Antragstellers, sagte Bernd Weltin, Sprecher des Landratsamts auf Anfrage. Es sollen weitere Gespräche folgen, um zu klären, wie weit um das Haus herum gebaut werden kann. Die Umbauten – etwa Flachdach statt Satteldach – seien kein Problem.

Zugang Es gibt Befürchtungen, dass der Uferbereich des Sees, der auch schon zuvor in Privatbesitz war, nicht mehr öffentlich zugänglich sein wird. Der neue Eigentümer habe versichert, dass sich nichts ändern werde, sagte kürzlich Bürgermeister Achim Gaus. Zumal per „Gemeingebrauch“ im Landeswassergesetz geregelt sei, dass den Ersingern der Zugang erhalten bleibt. lai

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