Illertissen / MANUELA RAPP  Uhr
Noch ein Generator in der Iller zu Erzeugung von Strom? Naturschutzverbände sagen „Nein“. Sie haben eine Demonstration für den Samstag angekündigt.

Was sie wollen, lässt sich in drei Wörter fassen: „Renaturierung statt Kraftwerke.“  Sie – das sind der Bund Naturschutz in Bayern, der bayerische Landesfischereiverband, der Fischereiverband Schwaben, der Landesbund für Vogelschutz, die Interessengemeinschaft Naturraum Iller sowie Fischereivereine. „Das ist einmalig“, erklärt Bernd Kurus-Nägele, Kreisgeschäftsführer des Bund Naturschutz im Landkreis. „Noch nie haben wir so ein Bündnis zustande gebracht.“

Die Sorge um die Iller hat Ernst Renner, Nauturschützer aus Illertissen, und Dietmar Wagner, Vorsitzender des Altenstadter Fischereivereins und Vertreter der Interessensgemeinschaft Naturraum Iller, dazu bewogen, für Samstag eine Kundgebung zu organisieren. In dem Flusslauf zwischen Memmingen und Neu-Ulm sollen acht neue Kleinkraftwerke entstehen. „Das erste, das zwischen Illertissen und Dietenheim gebaut werden soll, steht kurz vor Ende des Genehmigungsverfahrens“, erläutert Kurus-Nägele. Daher sei die Brücke westlich des „Nautilla“-Erlebnisbades auch ganz bewusst gewählt worden, erklären die Organisatoren in einem Pressegespräch. Bedroht sehen die Naturschützer die Illersanierung. „90 Prozent des Flusswassers werden bereits zur Stromerzeugung ausgeleitet.“ Und der Rest soll jetzt auch noch genutzt werden. Die Planungen des Münchner Unternehmens Fontin AG halten Kurus-Nägele, Wagner und Renner für kontraproduktiv. Nicht nur für die Renaturierung des Flusses. Es gehe auch um den Hochwasserschutz, die Wiederherstellung von wertvollem Lebensraum für Tiere und Pflanzen, den Schutz des Trinkwassers. Durch die Kanalisierung der Vergangenheit seien schließlich 90 Prozent der ehemaligen Auwälder verloren gegangen, weshalb die Iller-Landschaft ihre Hochwasser-Rückhaltefunktion nicht mehr erfüllen könne.

Die geplanten Kleinkraftwerke in der Iller sollen laut Bernd Kurus-Nägele an den vorhandenen Staustufen aus Beton entstehen. Nach Meinung des Umweltbündnisses würde ein solcher Eingriff die Fluss-Sanierung ad absurdum führen, in die „bereits viele Millionen Euro an Steuergeld“ geflossen seien, wie es in einer Pressemitteilung des Bund Naturschutz in Bayern dazu heißt.

Die Veranstalter der Demonstration wollen auf jeden Fall ein Signal an die Politik aussenden. „Es ist tragisch, dass das erste Verfahren in Baden-Württemberg stattfindet“, bedauert Kurus-Nägele, denn die dortige Landesregierung habe den Vorrang der regenerativen Energien vor dem Naturschutz gesetzt.

Da das geplante Kleinkraftwerk bei Dietenheim je zur Hälfte auf baden-württembergischer und bayerischer Gemarkung liege, solle der Freistaat seine Zustimmung verweigern. Werde die Genehmigung erteilt, „wäre unsere einzige Möglichkeit zu klagen.“ Es handle sich schließlich um einen erneuten Einstieg in eine alte Problematik. Bereits 2009 habe es seitens der Firma Fontin einen Anlauf im Landkreis Neu-Ulm mit anderen Standorten gegeben.

Angemeldet haben sich für die geplante Kundgebung am Samstag neben Sebastian Schönauer, dem stellvertretenden Landesvorsitzenden des Bund Naturschutz, auch Dagobert Smija, der Beauftragte für Gewässerfragen beim Fischereiverband Schwaben; ebenso der Altenstadter Bürgermeister Wolfgang Höß als Vorsitzender der Fischereigenossenschaft Untere Iller.

Protest an der Illerbrücke

Demo Dietmar Wagner (Fischereiverein Altenstadt, IG Naturraum Iller), Ernst Renner (Bund Naturschutz Illertissen) und Bernd Kurus-Nägele (Bund Naturschutz, Kreisgruppe Neu-Ulm) organisieren eine Kundgebung an der Illerbrücke zwischen Dietenheim und Illertissen – Samstag, 16.30 Uhr.