Gewerbe Dem Tod ins Auge schauen

Karl und Renate van Kaldekerken übergeben bald ihr Bestattungsunternehmen in Langenau. In diesem machen Urnenbestattungen heute gut 80 Prozent der Beerdigungen aus.
Karl und Renate van Kaldekerken übergeben bald ihr Bestattungsunternehmen in Langenau. In diesem machen Urnenbestattungen heute gut 80 Prozent der Beerdigungen aus. © Foto: Oliver Heider
Langenau / Oliver Heider 13.10.2018

Nach knapp 4000 Beerdigungen ist Schluss: Renate und Karl Kaldekerken geben zum 1. Februar 2019 ihr Bestattungsunternehmen in andere Hände. Mehr als 36 Jahre lang haben die beiden Tod und Trauer, aber auch schöne und herzliche Begegnungen in Langenau erlebt. Zum Dank dafür organisiert das Ehepaar ein Benefizkonzert in der Martinskirche (siehe Infokasten).

Dass sie den Job überhaupt machen kann, hatte Renate Kaldekerken im April 1982 stark bezweifelt. Ihr Mann, ein Elektro-Meister, wollte sich damals selbstständig machen: sowohl als Bestatter als auch im Elektro-Bereich. „Ich mach’ da nicht mit“, sagte die heute 63-Jährige damals. Der Gedanke an die Bestatter-Tätigkeit sei „immer gruselig“ gewesen. Doch als sie ihre erste Verstorbene, eine ältere Frau aus Günzburg, beerdigte, stellte sie fest: „Es war eigentlich schön.“ So ist die gelernte Bürokauffrau in den Bestatter-Job hineingewachsen. Stets habe sie mit ihrem Mann gemeinsam versucht, den Angehörigen einen würdigen Abschied von den Verstorbenen zu ermöglichen.

Und das, obwohl der Druck enorm sei. Bestatter stünden stark in der Öffentlichkeit. Sind die Gräber ordentlich gemacht? Ist alles vorbereitet? Enthält die Todesanzeige ja keinen Fehler? „Mir ist viel an die Nieren gegangen“, sagt Renate Kaldekerken. Etwa ein schwerer Autounfall von vier jungen Menschen nahe Albeck. Oder als sie Freunde beerdigen musste und „nur innerlich weinen“ durfte. Ein schlimmes Bild bot sich ihr, als sich jemand mit einer Schrotflinte in den Mund geschossen hatte. Auch wenn es schwer falle: „Selbst da muss man als Bestatter funktionieren.“ Und: „Man hat uns nie gefragt, wie wir das packen.“

Dass sie den Job über Jahrzehnte hinweg so gut meisterte, liege auch „an meinem gefestigten Glauben“. Das gilt auch für ihren Mann, der vor 14 Jahren schwer krank war und dem Tod ins Auge geblickt hat. „Man wird geboren, um zu leben und zu sterben“, sagt der 72-Jährige. Angst vor dem Ableben habe er noch nie gehabt.

Als nun in den vergangenen Jahren immer mehr Menschen aus den Jahrgängen der 40er, 50er und 60er Jahre gestorben sind, sei es Zeit für den Ruhestand geworden, meint die Ur-Langenauerin Renate Kaldekerken. Zumal es ihm schwer falle, in seinem Alter die nötige „psychische Kraft“ aufzubringen, ergänzt ihr Mann, der aus Gummersbach stammt.

Die Tochter, die in München lebt, habe das Geschäft nicht übernehmen können, weil sie keinen Partner habe. Also wird ein junges Ehepaar die Firma im Februar übernehmen und unter dem Namen „Kaldekerken Bestattungen“ in Langenau – wo auch die Holzkircher Firma Scheible Bestattungen eine Filiale hat – fortführen. So, wie es vor sieben Jahren schon mit Karl Kaldekerkens Elektrobetrieb geschehen war.

Die Ruheständler freuen sich schon auf ein Leben ohne Zeitdruck – mit viel Freizeit. Die sei dringend nötig: „Wir haben fast 365 Tage im Jahr gearbeitet.“ Auch an Weihnachten, Silvester, am Geburtstag. Viele Feste und Feiern musste das Paar („wir haben nie gemotzt“) kurzfristig absagen. Das wird künftig anders sein, wenn sie „frei wie ein Vogel“ sind, wie Renate Kaldekerken meint.

Ulmer Spatzen singen für den guten Zweck

Konzert Anlässlich der Geschäftsübergabe des Bestattungsunternehmens Kaldekerken findet am Sonntag, 21. Oktober, ein Benefizkonzert in Langenau statt. Unter der Leitung von Hans de Gilde tritt der Chor der Ulmer Spatzen um 17 Uhr in der Martinskirche auf. Einlass ist bereits ab 16.30 Uhr. Der Eintritt ist frei. Spenden für die Hospizgruppe Langenau, das Hospiz Ulm und das ambulante Kinder- und Jugendhospiz sind willkommen. Die Kosten für den musikalischen Abend schultert alleine die Familie Kaldekerken.

Diese Leistungen erbringt ein Bestatter

Aufgaben Ein Bestatter beantragt die Beurkundung des Sterbefalls beim Standesamt, vereinbart in Absprache mit Hinterbliebenen den Beerdigungstermin, gestaltet die Beisetzungszeremonie, berät bei Musik-, Sarg-, Urnenauswahl. Zudem vermittelt er Gestecke, Kränze und mehr. Die Toten wäscht er, kleidet und bettet sie ein, überführt sie. Er koordiniert und leitet die Trauerfeier, beantragt Übergangszahlungen an Witwen oder Witwer, meldet Tote von der Krankenkasse ab und zieht auf Wunsch Sterbegeld und Lebensversicherungen ein.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel