Amstetten Das zweite Leben des Bundeswehrdepots

Amstetten / Joachim Lenk 10.04.2018
Vor zehn Jahren wurde das Militärlager in Amstetten geschlossen. Seitdem wird das Areal für verschiedenste Zwecke genutzt.

Ein Stück Militärgeschichte auf der Alb ging vor zehn Jahren in Amstetten zu Ende, nach rund sieben Jahrzehnten. Anfang 2008 wurde das ehemalige Korpsdepot 251 der Bundeswehr geschlossen. Danach kaufte die Lebenshilfe Donau-Iller das Gelände und auch Flüchtlinge lebten hier. Heute gehört das 43 Hektar große Areal der Sand-Kies-Vertrieb GmbH & Co. KG mit Sitz in Langenau.

Rückblick: 1938 hatte die Wehrmacht auf dem Gelände zwischen Amstetten und Stubersheim ein Treibstofflager für das Militär unter dem Decknamen „Treibstofflager der wirtschaftlichen Forschungsgesellschaft“, kurz WiFo, errichtet. Es lag entlang der 20 Kilometer langen Nebenbahn nach Gerstetten. Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzten die US-Amerikaner das Gelände, bevor es der Bund im Jahr 1958 wieder überschrieben bekam.

Die Bundeswehr richtete dort das Korpsdepot 251 mit einer Lagerfläche von rund 41.000 Quadratmetern ein. Untergebracht waren dort in erster Linie Kraft- und Betriebsstoffe sowie weiteres Material der deutschen Streitkräfte. Zivilbedienstete pumpten dort jährlich bis zu 360.000 Liter Benzin, Petroleum und Diesel über Leitungen in eine Halle, wo sie die Treibstoffe in Kanister abfüllten. Die militärische Einrichtung hatte eine rund 300 Meter lange Verladerampe, einen Lokschuppen, einen Lagerbahnhof sowie eine moderne Kanister-Abfüllanlage. Es war das einzige Depot in Baden-Württemberg mit eigenem Gleisanschluss.

Viele Waren kamen mit dem Zug

Mehr als die Hälfte aller Waren, wie zum Beispiel Ersatzteile für Autos und Lastkraftwagen, Werkzeuge, Zelte und Batterien kamen mit dem Zug im Depot an. Das waren pro Jahr rund 5000 Tonnen, erinnert sich der ehemalige Leiter des Bundeswehrdepots, Stabsfeldwebel außer Dienst Roland Brandl. Von 1994 an befand sich dort zudem ein Außenlager des Gerätehauptdepots Feldstetten und das Pipelinepionier-Materiallager der Nato.

2003 teilte das Verteidigungsministerium mit, dass Ende 2007 das Gerätehauptdepot in Feldstetten geschlossen werde. Damit war klar, dass auch die Tage des Amstetter Depots gezählt waren. Dort waren zuletzt noch zwei Soldaten, Depotleiter Stabsfeldwebel Thomas Pirhalla und Stabsfeldwebel Reinhold Höfler im Dienst. Außerdem vier zivile Mitarbeiter. Zu Spitzenzeiten arbeiteten dort vier Soldaten, 20 Zivilbedienstete und 16 Wachmänner mit acht Hunden, erinnert sich Brandl, der dort in der Zeit von 1993 bis 2004 das Sagen hatte.

Nach der Schließung verkaufte die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben das Gelände im Jahr 2010 an die Lebenshilfe Donau-Iller. Diese richtete dort einen Integrationsbetrieb ein und vermietete Lagerflächen etwa an die Firma Liebherr, an Photovoltaik-Händler und Landwirte aus der Region.

Unter den knapp 30 Mitarbeitern war jeder Zweite körperlich oder geistig behindert. Sie lernten Lagerlogistik, montierten Kühler für Bagger und Radlader zusammen oder bauten aus Holz Mülltonnen-Boxen und Terrassenfliesen mit Klick-System.

Von Ende 2015 bis Mitte 2017 lebten in einer vom Landratsamt Alb-Donau angemieteten und umgebauten Produktionshalle zeitweise bis zu 150 Flüchtlinge, die meisten kamen aus Gambia, Pakistan, Kamerun und Nigeria.

Historische Lokomotiven

Während dieser Zeit gab es einen Eigentümerwechsel im ehemaligen Bundeswehrdepot. „Die isolierte Lage“ außerhalb Amstettens führte dazu, dass die Lebenshilfe Donau-Iller ihren Integrationsbetrieb an ihren Stammsitz nach Neu-Ulm verlegte.

Das Gewerbegebiet Benzwang, wie es inzwischen heißt, übernahm die in Langenau beheimatete Sand-Kies-Vertrieb GmbH & Co. KG (SKV). Sie ist ein Zusammenschluss von acht Kiesunternehmern mit 22 Standorten, die einen gemeinsamen Vertrieb haben. Die SKV hatte bereits seit Herbst 2013 ein Logistikzentrum im Benzwang, um die Baufirmen mit Sand zu versorgen, die am Tunnelbau für die Bahntrasse Ulm-Stuttgart beteiligt waren.

Auch die Ulmer Eisenbahnfreunde mit ihren historischen Lokomotiven und Waggons sind heute noch auf dem Gelände. Denn es hat nach wie vor einen Anschluss an die Bahnstrecke Amstetten-Gerstetten.

Offizielle Verabschiedung ohne militärischen Appell

Anfang Dezember 2007 fand der offizielle Auflösungsakt mit den Soldaten und Zivilbeschäftigten bei der vorgesetzten Dienststelle im Gerätehauptdepot in Feldstetten statt.

„Eigentlich müsste man eine Außerdienststellung durch einen klassischen militärischen Appell vollziehen“, sagte damals Oberst Thomas Hönig, Kommandeur der ortsfesten logistischen Einrichtungen des Logistik-Regimentes 47. Es sei aber schwierig, ein militärisches Zeremoniell ohne Militärs zu begehen, wenn nicht mal eine Handvoll Soldaten vor Ort seien.

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