Geschichte Das Wahrzeichen wird 40 Jahre alt

Der Wasserturm in Machtolsheim kommt ins Schwabenalter. Die gute Sicht lockte früher  immer zahlreiche Besucher an, heute aber nicht mehr.
Der Wasserturm in Machtolsheim kommt ins Schwabenalter. Die gute Sicht lockte früher immer zahlreiche Besucher an, heute aber nicht mehr. © Foto: mp
mp 18.08.2018

Der Laichinger Ortsteil Machtolsheim hat einiges zu bieten: das Camping- und Freizeitzentrum Heidehof, der nicht weit davon entfernte Ponyhof mit Märchengarten und den Wasserturm, dessen Aussichtsplatte einen herrlichen Rundumblick über die Albhochfläche bietet. Dieses imposante Bauwerk kommt dieses Jahr ins Schwabenalter. Der knapp 38 Meter hohe Himmelsstürmer wurde am 8. Juni 1978 offiziell eingeweiht, die Inbetriebnahme erfolgte elf Tage später. Der erste Spatenstich war zwei Jahre zuvor am 9. August 1976.

„Es ist das neue Wahrzeichen von Machtolsheim und weithin sichtbar“, sagte der damalige Ortsvorsteher Georg Schmid, der Ende 1978 dem Ortschaftsrat freudig mitteilte, dass in den vergangenen sechs Monaten bereits „5500 Personen die Aussichtsterrasse mit dem schönen Rundblick aufgesucht haben“. Auch der Landwirtschaftsminister von Baden-Württemberg, Gerhard Weiser, ließ es sich nicht nehmen, in 40 Sekunden mit dem Aufzug nach oben zu fahren. Den Rückweg trat er über die 174 Stufen an.

Ortsvorsteher Schmid war es, der sich bei den Planungen Mitte der 1970er-Jahre dafür eingesetzt hatte, dass der zwölfeckige Turm mit seinen 19 Metern Durchmesser eine Aussichtsplattform über den beiden 800 Kubikmeter Wasser fassenden Kammern erhält. Die befindet sich 778,5 Meter über dem Meeresspiegel. Der Grund für den imposanten, aber anfangs in der Bevölkerung nicht unumstrittenen Neubau waren die schlechten Druckverhältnisse in Machtolsheim, Merklingen und Nellingen.

Das rund 3810 Tonnen schwere Bauwerk steht auf einer Stahlbeton-Fundamentplatte mit einem Durchmesser von knapp zwölf Metern und ist auf einer Stärke von zwei Metern gegründet. Der Baugrund besteht aus kompaktem Fels, wie Johann Bernhard Siersch, Geschäftsführer der Albwasserversorgungsgruppe II, in seinen Unterlagen nachgeschlagen hat.

Während des Baus wurden etwa 1200 Kubikmeter Beton und 130 Tonnen Stahl verbraucht. Die Kosten haben damals umgerechnet rund 1,2 Millionen Euro betragen. 2007 fand eine teilweise Sanierung der äußeren Betonflächen statt, zudem wurde der Aufzug generalüberholt und eine Notversorgungspumpe für Laichingen installiert. Bis 2007 war der alte Hochbehälter aus dem Jahr 1876 mit seinem 600 Kubikmeter großen Wasserspeicher, der sich unterirdisch neben dem Wasserturm befindet und inzwischen leer ist, noch mit demselben verbunden.

2009 und 2011 wurde das Ansinnen zweier Mobilfunknetzbetreiber abgelehnt, auf dem Wasserturm einen Mobilfunkmasten zu installieren. Nicht nur der Ortschaftsrat, auch rund 300 Bürger machten ihrer ablehnenden Haltung durch eine Unterschriftenaktion Luft.

Es hat Tradition, dass jeweils am 24. Dezember der Posaunenchor Machtolsheim am frühen Nachmittag Weihnachtslieder spielt. Das erste Turmblasen in luftiger Höhe fand am Heiligen Abend im Jahr 1978 statt. Dieser Brauch wird immer noch gepflegt, erzählt Dirigent Jürgen Reiber, der bislang 30 Mal die 18-köpfige Bläsergruppe in luftiger Höhe geleitet hat.

Früher war es möglich, sonntags in den Sommermonaten das Bauwerk zu besteigen. Heute ist der Himmelsstürmer nur noch am 24. Dezember und unter dem Jahr für Gruppen nach Anmeldung geöffnet, da das Interesse nicht mehr so groß sei wie früher, informiert Wassermeister Steffen Ruhland vom Zweckverband Landeswasserversorgung.

Übrigens. Offiziell gefeiert wird der 40. Geburtstag nicht. Erst wenn der Wasserturm ein halbes Jahrhundert alt wird, lässt die Eigentümerin, die Albwasserversorgungsgruppe II, die Sektkorken knallen.

Nur ein Turm mit Aussichtsplattform

13 Wassertürme Im Alb-Donau-Kreis gibt es laut „Wasserturm-bw.de“ 13 Wassertürme. Der höchste mit 46,2 Metern und einem Fassungsvermögen von 850 Kubikmetern steht in Steinberg, einem Ortsteil von Staig. An zweiter Stelle rangiert der Wasserturm im Laichinger Ortsteil Machtolsheim mit einer Höhe von 37,7 Metern und einem Fassungsvermögen von 800 Kubikmetern Wasser, das für Merklingen, Nellingen sowie Machtolsheim bestimmt ist. Der Turm ist der einzige im Landkreis mit einer Aussichtsplattform. Betreiber des Wasserturms ist die Albwasserversorgungsgruppe II.

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