Porträt Das Ende eines Ehrenamts

Trotzdem noch ein Lächeln im Gesicht: Der Herrlinger Andreas Schneider gibt sein ehrenamtliches Engagement in der Landschaftspflege auf, doch damit bleibt ihm mehr Zeit für seine weiteren Hobbys.
Trotzdem noch ein Lächeln im Gesicht: Der Herrlinger Andreas Schneider gibt sein ehrenamtliches Engagement in der Landschaftspflege auf, doch damit bleibt ihm mehr Zeit für seine weiteren Hobbys. © Foto: Lars Schwerdtfeger
Josefin Roggenbuck 01.12.2018

Seine Heimat liegt dem Herrlinger Andreas Schneider am Herzen. Wie sehr, zeigen die vielen Fotos, Anekdoten und Geschichten, die er in zahlreichen Ordnern gesammelt hat. Aus einem Hefter nimmt er ein paar Bilder heraus. Darauf ist der Fallenstock zu sehen. „Ich wollte, dass der Wasserlauf wieder erkennbar ist“, sagt er. Dafür griff er vor einigen Jahren selbst zur Harke, entfernte das Gestrüpp entlang des Ufers. Gemeinsam mit Bekannten wurde das Geländer oberhalb des Wasserlaufs entrostet und neu gestrichen. Alles für ein schönes Herrlingen, sagt Schneider. Um diesem ehrenamtlichen Engagement noch einen Namen zu geben, gründete der 82-Jährige die Gruppe „Was ist dir deine Heimat wert“.

„Die Gruppe beschäftigte sich jahrelang mit den schönen Aussichtspunkten rund um Herrlingen und machte es sich zur Aufgabe, die Sehenswürdigkeiten zu säubern“, erzählt Schneider. Doch damit soll nun Schluss sein. Als Grund nennt der 82-Jährige das Alter. Viele Mitglieder seiner Landschaftspflege-Gruppe seien betagte Rentner, welche die teilweise doch schweren Arbeiten nicht mehr machen  können. Hinzu kommt, dass es keinen Nachwuchs gibt. Und, dass ihm die Wertschätzung seiner Arbeit von Seiten seiner Mitbürger, vor allem aber von der Stadt Blaustein fehlt.

Dabei geht es unter anderem um die Pflege eines Bergkreuzes, das zusammen mit einer Sitzbank an der Beibruck aufgestellt wurde. Seine Gruppe hatte zunächst die Sträucher auf der über dem Dorf gelegenen Lichtung zurück geschnitten, dass Touristen „einen freien Blick auf Herrlingen haben“.

Anschließend sei vereinbart worden, so die Schilderung des Seniors, dass sich die Stadt künftig um das Zurückschneiden der Sträucher kümmern wird. „Eigentlich sollte der Bauhof Arbeiten ausführen, die die ehrenamtliche Gruppe so nicht bewerkstelligen kann“, sagt Schneider. Doch diese Absprachen seien nicht eingehalten und auf Rückfragen nicht reagiert worden.

Hauptamtsleiter Anke Jaeger kennt Andreas Schneider und weiß um seine Unzufriedenheit. „Herr Schneider ist ein sehr wertgeschätzter Bürger und wirklich sehr engagiert“, sagt sie. „Es ist nur so, dass wir gerade nicht die Zeit haben, alle Anliegen unserer Bürger so zu verfolgen, wie diese es sich vorstellen – und wie wir es auch gerne tun würden.“ Gründe dafür seien zum Beispiel Personalmangel im Bauhof. Jaeger bedauert, dass Schneiders Wunsch nach dem Zurückschneiden der Sträucher nicht nachgekommen werden konnte. „Ich weiß, sein Herz hängt daran.“

Dass sein Engagement für Herrlingen und seine Aussichtspunkte so enden muss, stimmt Schneider traurig. Dennoch bleibt ihm nun mehr Zeit für seine vielen Hobbys. Den Bienen widmet er einen Großteil der Zeit. Seit 26 Jahren ist er als Imker tätig. „Als ich in den Ruhestand ging, hieß es für mich: ‚Raus in die Natur’“. Und Tischtennis spielt der Senior auch noch. Das sei für ihn sowieso eine Lebensaufgabe.

Bienen wieder aufgepäppelt

Imkerei Nachwuchs für das Imker­-Handwerk gewinnt Andreas Schneider an Blausteiner Schulen. Die Schüler können jährlich Honig von den schuleigenen Bienen verkaufen. 2017 hat es allerdings einen Zwischenfall gegeben: Ein Unbekannter vergiftete ein ganzes Jungvolk Bienen an der Eduard-Mörike-Schule. Die restlichen Bienen im Stock, welche die Gift-Attacke überlebten, wurden aufgepäppelt.

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