Breitband Das „Unding“ der Telekom: Kommunen genervt

Viele Kommunen im Alb-Donau-Kreis haben viel Geld in die Hand genommen, um Glasfaserkabel zu verlegen. Die Telekom wirbt unter anderem in Langenau für eine weitere, weniger aufwendige Verlegung mit so genanntem Trenching-Verfahren.
Viele Kommunen im Alb-Donau-Kreis haben viel Geld in die Hand genommen, um Glasfaserkabel zu verlegen. Die Telekom wirbt unter anderem in Langenau für eine weitere, weniger aufwendige Verlegung mit so genanntem Trenching-Verfahren. © Foto: Archivfoto: dpa/Carsten Rehder
Alb-Donau-Kreis / KARIN MITSCHANG 07.07.2018

Kontraproduktiv“ nennt Christoph Schreijäg, was die Telekom in Langenau tut. „Mit uns hat niemand gesprochen“, sagt der Beigeordnete der Stadt, der sich über eine Pressemitteilung namens „Glasfaser für das Industriegebiet Langenau“ wundert, in der Hagen Rickmann, Chef im Geschäftskunden-Bereich der Telekom Deutschland, schreibt: „Wir werden das Projekt zügig umsetzen und die Betriebe mit modernster Technik versorgen.“ Wenn 30 Prozent der Firmen im Gewerbegebiet bis 15. Juli auf das Angebot mit bis zu einem GBit pro Sekunde eingingen, werde 2019 ausgebaut.

Die Telekom wolle an der A7 „über zwölf Kilometer Glasfaser verlegen und die Unternehmensstandorte direkt an das Glasfaser-Netz anbinden“. Dabei solle das „moderne Trenching-Verfahren“ eingesetzt werden, das „zeitsparend, nachhaltig und kosteneffizient“ sei. Nur hat die Stadt Langenau bereits über den Verbund „Komm.Pakt.Net“ ihr Netz bekanntlich mit Unterstützung von Landesmitteln ausgebaut, „die Netcom wird den Betrieb hier in Kürze aufnehmen, alles ist fertig verlegt“, sagt Schreijäg. Telekom und weitere Unternehmen waren vorab um eine rechtsverbindliche Auskunft gebeten worden, wo sie ohnehin ausbauen wollen. Erst nach einem „Marktversagen“ wurde entsprechend öffentliches Geld eingesetzt, um schnelles Internet auch auf dem Land zu ermöglichen. Warum nun per Trenching – also dem Verlegen von Glasfaser nach einem recht oberflächennahen Aufschlitzen der Straße – offenbar eine doppelte Struktur geschaffen werden soll, sei ihm ein Rätsel. Schreijäg: „Das ist offen gesagt ein Schmarrn.“ Zumal die Straßen trotzdem beschädigt würden, was für Folgekosten für die Kommune sorgen werde.

Der Meinung von Landrat Heiner Scheffold, der das Vorgehen der Telekom schon im April 2017 als „Rosinenpickerei“ bezeichnet hatte (wir berichteten), schließt sich Schreijäg an. „Wobei: So ein Baugebiet wäre auch eine Rosine“, gibt der Beigeordnete einen Seitenhieb mit Bezug auf das Wohngebiet im Öllinger Weg ab. „Dort könnte die Telekom bei den Kunden gewinnen, aber auf unsere Anfrage vor Jahren, ob sie dort ihr Netz ausbauen will, hat sie bis heute nicht reagiert.“

Die Stadt habe nichts gegen Konkurrenz. „Im Gegenteil: Wir begrüßen das und haben die Leitung offen ausgebaut.“ Wie bei Telefonleitungen schon lange gang und gäbe, könnte die Telekom die mit Steuergeld ausgebauten Leitungen gerne nutzen. Dass sie sich nicht an ihre eigene Ausbau-Voraussage hält, kritisiert auch Schreijäg, der überzeugt ist, dass es in Kürze mehrere Anbieter geben wird „und sich die Sache selbst reguliert“. Weil der Ausbau in Langenau fertig ist, droht der Netcom hier kaum Ungemach, im Gegensatz zu Erbach, wo das Breitband noch verlegt werden muss. Dort befürchtet Bürgermeister Achim Gaus: „Unser Marktanteil wird sinken“ (wir berichteten).

„Komm.Pakt.Net“-Geschäftsführer Jens Schilling sagt, das Problem komme immer wieder im gesamten Bereich des Zusammenschlusses auf: „Die Telekom baut erst viele Jahre nichts, während wir bitten und betteln, und dann hält sie sich nicht an Vereinbarungen.“ Es sei ein Unding, dass zusätzliches öffentliches Geld in die Hand genommen würde, um Doppelstrukturen zu schaffen, sagt Schilling mit Blick auf immerhin 30 Prozent Telekom-Anteile, die dem Bund gehören. Was das Unternehmen mache, das sich nicht als Betreiber für das neue Breitbandnetz der Kommunen beworben hatte, „sind gezielte Nadelstiche, die da gesetzt werden“, sagt Schilling. Das offene Netz stünde ihr zur Verfügung, die Telekom könne sich also im Glasfasernetz der Netcom einmieten.

Die Telekom, die 2017 auf den Vorwurf der „Rosinenpickerei“ von Scheffold scharf reagiert hatte – „der Landrat wird aufgefordert, seine Spekulationen zu unterlassen“ –, reagiert diesmal knapp. „Wettbewerb ist beim Infrastrukturausbau ausdrücklich gewünscht“, schreibt ein Sprecher. „Wir werden im Gewerbegebiet eine Vorvermarktung starten. Die Kunden werden entscheiden, welches Netz sie nutzen möchten.“ Auf den Aufbau von Doppelstrukturen geht die Telekom nicht ein.

Komm.Pakt.Net

Komm.Pakt.Net Die selbständige, gemeinsame Kommunalanstalt des öffentlichen Rechts mehrerer Landkreise und Kommunen hat sich unter Federführung des Landratsamts Alb-Donau Ende 2015 gegründet, betreibt seither Glasfaserausbau mit öffentlichen Mitteln besonders in ländlichen Gebieten, wo private Unternehmen nicht oder nur kaum investierten. Zur Gründung des Verbunds hatte Landrat Heiner Scheffold betont, dass der freie Markt beim Ausbau auf dem Land versagt habe. Um Doppelstrukturen zu vermeiden, hatte der Verbund deshalb Anbieter um rechtsverbindliche Auskunft gebeten, wo und wie sie ihr Netz ertüchtigen oder ausbauen. kam

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