Lebensweg Daniela Mates lebt als Rangerin in Südafrika

Staig / fg 12.01.2019

Im Jahr 2004 scheint die Welt von Daniela Mates in Ordnung: Die Finanzwirtin aus Staig hat nach einem Fehlgriff wieder einen Bombenjob. In Köln warten auf sie „ein toller Arbeitgeber, ein tolles Team“, wie sie rückblickend bei einem Besuch dieser Tage bei ihren Eltern in Staig erzählt.

Doch eigentlich bewegen sie andere Gedanken. Denn: Ein Jahr zuvor hat sie sich bei einer Reise in Südafrika verguckt. In das Land, die Natur und die Wildtiere – zu allem verspürt sie sofort eine große Verbundenheit. Deswegen reist Mates jedes Jahr mindestens einmal in das Land am Kap. Doch so oft sie die fast 10 000 Kilometer lange Reise auch antritt, eines klappt nicht: „Meine Liebe zu dem Land wird immer größer, anstatt weniger.“

Also trifft sie 2010 eine Bauch­entscheidung: „Ich will Ranger werden.“ Die heute 39-Jährige informiert sich und bespricht sich mit den Freunden, die sie in der Ferne gefunden hat. Viele Fragen müssen geklärt werden: Was muss ein Ranger können? Wie verläuft die Ausbildung? Und wer ist dafür der beste Anbieter? Dann kündigt Mates ihren Job. „Es tat weh. Aber es war wie eine Eingebung. Ich habe gespürt, diesen Weg musst du gehen“, erinnert sich Mates.

Gewehr ist immer dabei

Sie fliegt in das Ausbildungscamp nahe des Nationalparks und lernt ein Jahr lang Fachbegriffe und wie sie mit dem Gewehr umgehen muss. Auch das Geländewagenfahren einschließlich Radwechsel ist Teil der Ausbildung. „Ich habe noch nie so viel gelernt“, sagt Mates. Sie erfährt etwa, welche Gräser auf welchem Boden wachsen – die einen sind das Lieblingsfutter von Zebras, die anderen fressen Löwen gerne.

Das Gewehr fehlt bei keiner Fahrt, aber einsetzen musste  Mates die Waffe noch nie. Zum einen, weil ein Ranger den Rückzug antritt, sobald er auf ein missgelauntes Exemplar der „Big Five“ – Elefant, Nashorn, Büffel, Löwe oder Leopard – trifft und die Tiere nicht provoziert. Zum anderen, weil sie auch hier auf ihr Bauchgefühl setzt: „Du spürst dein Gegenüber, und dein Gegenüber spürt dich. Ich glaube fest: Wenn ich gute Gefühle sende, kommen auch solche zurück.“

Apropos Gefühle: Das beeindruckendste Tier ist für Mates der Elefant. Neben der Größe und einem sehr komplexen Sozialverhalten fasziniert sie auch seine „unglaubliche“ Aura: „Sie geht mitten durch einen durch. Die einen fühlen sich dann mit ihm verbunden. Andere bekommen vielleicht Angst.“

Nach einem Jahr hatte Daniela Mates ihre Ausbildung als „Field und Trails Guide“ in der Tasche. Zunächst sammelte sie als Freiberuflerin bei Safari-Anbietern Erfahrung, begleitete etwa Touren als „zweites Gewehr“, als ergänzende Rangerin. 2015 eröffnete sie dann ihre eigene Firma „Ma Taka Taka – Tours und Safaris“. Ma Taka Taka, so heißt das „Buschbaby“, ein besonders süßes Äffchen mit großen Augen, in Sesotho, einer der elf offiziellen Sprachen Südafrikas. Zuhause ist Mates in Hoedspruit, der „Safari-Hauptstadt“ vor den Toren des Nationalparks mit 5000 Einwohnern. Mates hat sich mit ihren fünf Mitarbeitern auf ganz dem Wunsch der Besucher angepasste Touren spezialisiert.

Die „Big Five“ spielen bei ihr eine wichtige Rolle, denn: „Wer möchte nicht einmal einem dieser wunderbaren Tiere in freier Natur gegenüber stehen.“ Südafrika mit seinen Nachbarländern biete aber viel mehr. Wenn Mates von Zielen wie dem größten grünen Canyon der Welt, dem Blyde River Canyon, vom Tauchen im Indischen Ozean, Wandern im Regenwald, von Wasserfällen oder Nächten unter einem endlosen Sternenhimmel erzählt, geht ihre Begeisterung für Südafrika dem Zuhörer durch und durch.

„Ich habe meine Entscheidung noch keinen Tag bereut. Ich bin diesem magischen Land täglich mit allen Sinnen verfallen“, sagt Mates. Selbst wenn sie frei hat, gehe sie in den Krüger-Nationalpark, „um die Tiere zu beobachten und die Natur zu genießen.“

Finanzwirtin ohne Überzeugung

Zur Person Nach der Schule durchläuft Daniela Mates beim Finanzamt Ulm die Ausbildung zur Finanzwirtin. Weitere Stationen sind die Handwerkskammer Ulm, eine Unternehmensberatung in Ulm und schließlich RTL in Köln. Zu der Ausbildung zur Finanzwirtin habe sie sich mehr aus Vernunftgründen entschieden als mit echter Überzeugung. „In einem so jungen Alter kann niemand wirklich wissen, ob er das sein Leben lang machen möchte“, sagt die Rangerin.

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