Instandhaltung Damm wird restlos abgeräumt

Auf dem als Spazierweg beliebten Damm  am Donaukanal (links) zwischen Donaurieden und Ersingen wird abgeholzt: Bäume und Büsche werden aus Sicherheitsgründen entfernt, Magerrasen wird gesät. Rechts ist das Ersinger Wehr zu sehen. 
Auf dem als Spazierweg beliebten Damm  am Donaukanal (links) zwischen Donaurieden und Ersingen wird abgeholzt: Bäume und Büsche werden aus Sicherheitsgründen entfernt, Magerrasen wird gesät. Rechts ist das Ersinger Wehr zu sehen.  © Foto: Lars Schwerdtfeger
Franz Glogger 07.11.2018

Das war Klartext. „Jetzt lassen wir die Hosen runter: Unsere Pflege des Donaudamms ist im Sinne der Anlagensicherheit mangelhaft.“ Das gestand Harald Kilian von den Stadtwerken Ulm/Neu-Ulm (SWU) am Montag im Technischen Ausschuss des Erbacher Gemeinderats. Als Betreiberin der Wasserkraftwerke Öpfingen, Ersingen und Donaustetten sind die SWU für den Unterhalt der Dämme, besonders deren Stabilität, verantwortlich. Mit einem umfangreichen Pflegekonzept sollen die Versäumnisse nachgeholt werden. Ein Beschluss war nicht gefordert.

Geplant ist, den Damm bis auf kartierte Biotope restlos abzuräumen. Bevor Bäume gefällt werden, werde aber geprüft, ob dort geschützte Tiere wie etwa Fledermäuse zuhause sind. Ist das der Fall, werde mit Fachleuten besprochen, wie die Tiere umgesiedelt werden können. Möglich seien auch Brutflöße auf den Stauseen. Die SWU wollen Ausgleich für die abgeräumten Bäume und Büsche schaffen. Dazu sei ein Umweltbüro eingeschaltet, das den Verlust bewertet. Neupflanzungen werde es auf dem Damm nicht geben: „Den wollen wir baumfrei halten“, sagte Kilian. Dort wird Magerrasen angelegt.

Schritt zwei nach dem Abholzen ist die Untersuchung des Damms mit einem Bodenradar, insbesondere dort, wo Bäume schon tiefe Wurzeln in den Boden getrieben haben. Sie sind der Hauptgrund für die Fäll-Aktion, erklärte Kilian weiter. Denn, fällt ein Baum bei einem Sturm, kann der Damm so geschwächt werden, dass es im schlimmsten Fall zu einem Bruch kommt. Auch die Wurzeln stellten eine Gefahr dar. Reichen sie bis zur Innenseite, könnte sich an ihnen entlang Wasser einen Weg suchen, besonders nach dem Verrotten.

Betroffen ist vorerst der nördliche Damm auf vier Kilometern Länge vom Ersinger Wehr bis zum Steg nach Dellmensingen. Die 1100 Meter bis zum Kraftwerk Donaustetten wurden im Frühjahr gerichtet. Die Arbeiten beginnen in den nächsten Wochen, die Dauer hängt vom Wetter ab.

Das Konzept sei mit dem Landratsamt Alb-Donau abgesprochen, der zuständige Mitarbeiter Hans-Peter Seitz von dem Plan „sehr angetan“, sagte Kilian. Der Erhalt und die Schaffung von Lebensraum sei auch den SWU wichtig. „Wir wollen auch keinen englischen Garten. Es ist die Not, die uns zu der Maßnahme zwingt“, versicherte er.

Anne Hemmler (Freie Wähler) fragte, ob „Gefahr in Verzug“ ist, wenn Wurzelwerk im Boden bleibt. Falls dieses nicht ausreichend entfernt werden kann, werde der Damm in dem Abschnitt neu aufgebaut, sagte Kilian. Constantin von Ulm-Erbach (CDU) interessierte, ob der Damm künftig wieder begehbar ist. Abschnittsweise Einschränkungen gebe es nur während  der Arbeiten, sagte Kilian. Rudolf Scherer (Freie Wähler) lobte das Vorhaben: An einem sicheren Damm sei auch den angrenzenden Ortschaften wie Dellmensingen gelegen.

Das von mehreren Stadträten angesprochene Zusammenwirken von Donau und Kanal bei Hochwasser soll gesondert besprochen werden – insbesondere mit dem Ortschaftsrat Dellmensingen, schlug Bürgermeister Achim Gaus vor.

Stauseen dienten als Wasserspeicher

Anlage Den Donaukanal beziehungsweise die Stauseenkette zwischen Öpfingen und Donau­stetten baute die Stadt Ulm in den 1920er Jahren. Öpfingen ging 1923 in Betrieb, Donau­stetten 1926. Dazwischen liegt die Wehranlage Ersingen mit einem Kleinkraftwerk, das den Zulauf zu den Donaurieder Stauseen regelt. Damals dienten sie als Wasserspeicher, um bei Bedarf Stromspitzen abzudecken. Durch die Verlandung sei die Speicherkapazität so reduziert, dass das nachgelagerte Kraftwerk Donau­stetten heute als „Laufkraftwerk“ betrieben wird, erklärt Harald Kilian von den Stadtwerken Ulm/Neu-Ulm.

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