Naturschutz Damit das Donauried nicht austrocknet

Die Gruppe um die Staatssekretäre Gisela Splett und Andre Bauman auf Exkursion im Donauried: Hier geht es um ein Weideprojekt mit Heckrindern.
Die Gruppe um die Staatssekretäre Gisela Splett und Andre Bauman auf Exkursion im Donauried: Hier geht es um ein Weideprojekt mit Heckrindern. © Foto: Thomas Vogel
Rammingen / Von Thomas Vogel 23.08.2018

Im pechschwarzen Boden klaffen handbreite Risse, die Entwässerungsgräben sind ausgetrocknet. Der heiße Sommer zehrt an den Niedermoor- und Riedflächen bei Rammingen. Die befestigten Wege liegen deutlich über dem Niveau des welligen und abgesackten Geländes: Indizien dafür, dass der Moorschwund schon viel länger anhält. Etwa zwei Zentimeter Torfboden gehen Jahr für Jahr verloren, schon in wenigen Jahrzehnten könnte er an vielen Stellen gänzlich verschwunden sein. Und das, obwohl der systematische Torfabbau längst eingestellt wurde.

Um Moor und Ried in seiner Gänze zu retten, müsste in erster Linie die Entwässerung beendet werden, wozu auch die Grundwasserentnahme zählt. „Würde die Landeswasserversorgung diese stoppen, würde es sofort an vielen Stellen wieder bis zur Oberfläche aufsteigen“, erklärte Stefan Schwab, Naturschutz-Referent des Regierungspräsidiums (RP) Tübingen, den Teilnehmern einer Fachexkursion, zu der Staatssekretärin Gisela Splett (Finanzen) und ihr Kollege Andre Baumann vom Umweltministerium (beide Grüne) in das ökologisch nach wie vor sehr wertvolle Gebiet eingeladen hatten.

Realistischerweise wird diese Forderung nicht erhoben. Trotzdem halte das Land an dem Ziel fest, den Torfschwund wenigstens aufzuhalten, sagte Schwab. Das aber sei allein durch Wiedervernässung möglich – vor allem auf öffentlichem Grund. Das Donauried ist daher seit Jahren Grunderwerbsschwerpunkt des Landes, wie Splett hervorhob. Mit 183 Hektar (etwa 260 Fußballfelder) ist der Landesanteil zwar nach wie vor gering und gleicht überdies einem Flickenteppich.

Die Flächen sind aber groß genug, um einige Projekte zu starten. Zum Beispiel den „Wiesenbrüterschutz“ im Asselfinger Ried. Mit „Feuerwehrmaßnahmen“ seien dort erste Erfolge erzielt worden, sagte RP-Projektmanager Sven Jeßberger. Davon profitierten Brachvogel, Kiebitz und Braunkelchen. Demnächst sollen weitere Vernässungsmulden angelegt werden.

Ein paar hundert Meter weiter laufen Weideprojekte. Der Weide-, Pflege- und Naturschutzverein Rammingen lässt die anspruchslosen Heckrinder auf den Flächen grasen. Landwirt und „Einzelkämpfer“ Dietmar Klaiber hält Wasserbüffel. Die Tiere halten die Landschaft frei von Gebüsch, reißen auch mal die Grasnarbe auf, locken mit ihrem Dung Insekten an und schaffen so Voraussetzungen für größere ökologische Vielfalt. Nach Jeßbergers Worten geht es seither nicht nur mit der Zahl der brütenden Vögel aufwärts, sondern auch mit raren Insekten wie der Gefleckten Heidelibelle und bedrohten Pflanzen wie dem Knotigen Mastkraut.

„Intakte Moore sind als bedeutende Kohlenstoffspeicher nicht nur für den Klimaschutz relevant, sondern auch für den Naturschutz“, sagte Umwelt-Staatssekretär Baumann. Das Land werde daher weitere Flächen im Donauried kaufen. Das bestätigte auch Finanz-Staatssekretärin Splett. Nach Erfahrung von Stefan Tluczy­kont, Dezernatsleiter Kreisentwicklung im Landratsamt Alb-Donau, ist die Bereitschaft der Landwirte zum Verkauf aber eher gebremst. Zum Beispiel, weil der Viehbestand an die landwirtschaftliche Fläche gekoppelt ist. Wie in kaum einem anderen Gebiet gebe es im Donauried eine „hohe Komplexität der Nutzungsinteressen“.

Trotz der Schutzgebiete werden fast zwei Drittel des Donaurieds als Ackerfläche genutzt, Maisfelder sind darin gar nicht mal so selten. „In einem intakten Moor wäre das nicht möglich“, meint Naturschutz-Referent Schwab. Zudem verhinderte der Ramminger Gemeinderat, dass Klaibers Büffel mehr Flächen beweiden. Laut Bürgermeister Karl-Friedrich-Häcker zähle dabei vor allem das Argument von Jägern, dass eine weitere Einzäunung die Wildschweinjagd erschwere.

1,3 Millionen Euro für den Alb-Donau-Kreis

Zuschuss Die Landkreise und kreisfreien Städte in Baden-Württemberg bekommen vom Land in diesem Jahr 34 Millionen Euro für den Naturschutz. Das teilt der Ulmer Landtagsabgeordnete Jürgen Filius (Grüne) unter Berufung auf das Umweltministerium in Stuttgart mit. Demnach erhält der Alb-Donau-Kreis knapp 1,3 Millionen Euro, die Stadt Ulm etwas mehr als 190 000 Euro. Das Geld diene unter anderem zur Förderung von Arten- und Biotopschutz, für den Grunderwerb zu Naturschutzzwecken sowie für Investitionen und Dienstleistungen zum Beispiel in der Landschaftspflege.  Filius zufolge steigen die Naturschutz-Zuschüsse des Landes im nächsten Jahr weiter.

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