Ersingen Dachbodenfund kommt zu Ehren

Die Ersinger Wahlurne stammt aus dem Jahr 1913, ist aus stabiler Pappe und trägt das württembergische Wappen.
Die Ersinger Wahlurne stammt aus dem Jahr 1913, ist aus stabiler Pappe und trägt das württembergische Wappen. © Foto: Haus der Geschichte
Ersingen / PETRA LAIBLE 26.02.2016
Eine historische Wahlurne aus Ersingen ist künftig im Haus der Geschichte in Stuttgart zu sehen. Archivarin Ursula Erdt hatte sie vor Jahren beim Aufräumen auf dem Dachboden des Rathauses gefunden.

"Ich muss ja immer die alten Rathäuser ausräumen", sagt Archivarin Ursula Erdt. So auch anlässlich der Einweihung des Ersinger Dorfgemeinschaftshauses 2006: Auf dem Dachboden des Ersinger Rathauses sei sie mit " Ordnungsarbeiten" beschäftigt gewesen. Dabei stieß sie auf eine alte Wahlurne, die das Wappen des Königreichs Württemberg trug. Im Rathaus habe es allerdings keinen Platz für die historische Urne gegeben, sagt Erdt. Deshalb habe sie diese als Dauerleihgabe an das Haus der Geschichte in Stuttgart weitergegeben.

Nach über zehn Jahren kommt das gute Stück nun zu Ehren: Kommenden Mittwoch wird die Ersinger Wahlurne zusammen mit einer kleineren badischen Wahlurne aus Langenbrücken (Gemeinde Bad Schönborn, Landkreis Karlsruhe) im baden-württembergischen Haus der Geschichte vorgestellt: "Die Objekte stehen für interessante Wahl-Geschichten in den Landesteilen", erklärt Joachim Rüeck vom Haus der Geschichte.

Beide Urnen stammen aus dem Jahr 1913 und werden künftig Teil der Dauerausstellung sein. Der Blick richte sich auf die Landtagswahl in Baden-Württemberg am 13. März ebenso wie auf die Entwicklung der Demokratie im deutschen Südwesten. Die Ersinger Urne war damals eine Neuheit. 1913 gab es eine Novellierung im Wahlrecht, "danach war in den meisten Kommunen eine Neuanschaffung nötig", sagt Erdt.

So sei es auch im Protokoll des Ersinger Gemeinderates - der Ort war damals noch selbstständig - festgehalten worden. In einer Druckerei in Salach wurde die Urne, die bis 1945 im Einsatz war, nach den Vorgaben aus stabilem Pappkarton hergestellt. In dem neuen Wahlrecht sei zum Beispiel die Größe der Wahlurnen vereinheitlicht worden, führt Joachim Rüeck an.

Offenbar aus gutem Grund: Zuvor seien kleinere Urnen verwendet worden, in denen sich die Wahlzettel dicht an dicht aufeinander gestapelt haben, berichtet Rüeck. Dadurch habe jedoch mit Hilfe des Wahlregisters genau nachvollzogen werden können, wer wen gewählt hatte. "Ein Bruch des Wahlgeheimnisses."

Die korrekte Ersinger Urne jedenfalls misst 35 auf 35 Zentimeter und ist rund einen Meter hoch, sagt Erdt. Ungefähr so wie die heutigen Wahlurnen auch. Der Platz hat dann allemal gereicht. Schließlich durften ja erst einmal gar nicht alle Ersinger ihre Stimmen abgeben, sondern nur der männliche Teil davon. Erst 1918 trat das Reichswahlgesetz in Kraft, das auch den Frauen das Wahlrecht zusprach.