Bauen Da möchte man nochmal Kind sein

Franz Glogger 28.07.2018

Mit Gunst und Verlaub“, lenkte Zimmerermeister Thomas Thierer am Donnerstag die Aufmerksamkeit der Gäste auf sich. Dann dankte er in Gedichtform allen am Bau des Erbacher Kindergartens „Brühlwiesen“ Beteiligten und wünschte der Einrichtung, vor allem den Kindern als künftigen Nutzern, Glück.

Dass ein Zimmerermeister den Richtspruch hält, ist nicht ungewöhnlich, denn schließlich ist mit seinem „Aufgerichtet ist’s“ – dem Aufstellen des Dachstuhls – in aller Regel der Rohbau beendet. In Erbach jedoch war die Firma des Luizhauseners auch zuständig für die Bodenplatte, das Erstellen der Wände und Einbringen der Decken bis in die Spitze des Firstes. Dazu war sie auch als Gipser im Einsatz, denn die Wände sind bereits bezugsfertig geschliffen.

Die Pläne stammen vom Stuttgarter Architekten Gerhard Bosch. Seiner Idee zuzustimmen, bedeutete für den Gemeinderat, ein weitgehend ökologisches Konzept zu verwirklichen, bei dem naturbelassenes Holz die tragende Rolle spielt. Die in Brettstapel-Bauweise gefertigten Holz­elemente sorgen zudem für einen äußerst geringen Energieverbrauch der für vier Gruppen geplanten Einrichtung. Diese kommt in Verbindung mit einer Photovoltaik-Anlage einem Null-Energiehaus nahe.­

Ein weiterer Glanzpunkt ist das Konzept der „Kinderstadt“, denn die Gruppenräume fungieren gewissermaßen als „Häuser“, Flure und Freiflächen werden zu Straßen und Plätzen. Weitere Besonderheiten sind bespielbare Galerien und lichtdurchflutete Innenhöfe – Nutzung im Alltag strengstens erwünscht. Die künftige Leiterin Franziska Weber ist seit 1. Juli im Dienst und bei der weiteren Verwirklichung eingebunden. In Gedanken sieht sie Kinder in den Atrien bereits bis zu den Ellenbogen in Ton arbeiten oder einfach nur den freien Himmel über sich genießen. Mit 70 Kindern in zwei Krippen- und zwei Ü3-Gruppen soll der Kindergarten zum Jahresende hin beginnen. So viele, fast durchweg Kindergarten-Neulinge auf einmal einzugewöhnen, sei sicher sehr anspruchsvoll. Auf der anderen Seite freue sie sich auf das große Potential, das dieses besondere Gebäude biete, sagte die 30-Jährige. Weber stammt aus Äpfingen (Kreis Biberach) und war zuletzt in München tätig.

„Trotz aller Startschwierigkeiten“ – die Kosten stiegen vom Entwurf bis zur Ausschreibung von 3,2 auf gut 4 Millionen Euro – und „einer leichten Bauverzögerung“, sei die jetzt verwirklichte Variante des Kindergartens die richtige Entscheidung gewesen, sagte Bürgermeister Achim Gaus. „Er ist wie gemacht für Kinder.“

Wie in der Natur gewachsen

Spielplatz Auch für den Spielplatz werden vor allem Naturmaterialien verwendet. Das Konzept stammt vom Allgäuer Hersteller Cucumaz, der überwiegend Stämme so verwendet, wie sie in der Natur gewachsen sind.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel