Einkäufe erledigen, mit dem Hund spazieren gehen oder einfach anrufen und fragen, wie es  geht: In Zeiten der Corona-Pandemie gibt es viele Möglichkeiten, Nachbarschaftshilfe zu leisten. Und die Zahl derer, die helfen möchten, steigt immer weiter an. Privatpersonen, Verbände und Institutionen bieten über Aushänge, soziale Netzwerke oder Postkarten Hilfe an.

So auch Mona Buchenscheit aus Erbach. Die 56-Jährige ist Ortschaftsrätin und hat vor wenigen Tagen die Initiative „Erbacher helfen Erbachern“ ins Leben gerufen. „Viele Angehörige von Risikogruppen brauchen derzeit Hilfe, um sich nicht dem Risiko einer Ansteckung aussetzen zu müssen“, erklärt die Bürokauffrau. Um diesen Menschen eine Anlaufstelle zu bieten, hat Buchenscheit ein Schreiben an die Gemeinde und unterschiedliche Arztpraxen gesendet sowie über die sozialen Netzwerke verbreitet. Darin ruft sie unter der Angabe von Kontaktdaten zur Nachbarschaftshilfe auf. „Ich möchte eine Schnittstelle sein, durch die sich Helfer und Hilfesuchende organisieren und koordinieren können.“

Die Rückmeldungen seien durchweg positiv. Innerhalb der vergangenen Tage hätten sich mehr als ein Dutzend Ehrenamtliche gefunden, die bei kleineren Hilfstätigkeiten behilflich sein möchten. Unterstützung erhält Buchenscheit zudem von der Gemeindeverwaltung. „Es bereitet mir große Freude diese Hilfsbereitschaft zu sehen“, betont die 56-Jährige. „Und sie ist bis jetzt ungebrochen.“

Koordinieren und vermitteln

Denise Miller ist ebenfalls aktiv geworden und hat kurzerhand die „Einkaufshelden Langenau“ gegründet. „Ergeben hat sich alles, nachdem ich beim Einkaufen im Supermarkt immer noch ältere Personen gesehen habe“, sagt die 27-Jährige. Sie arbeitet hauptberuflich im medizinischen Labor der Uniklinik Ulm und weiß um die Gefahr, die gerade für Senioren besteht.

In Kooperation mit verschiedenen Supermärkten in der Gemeinde bietet sie Einkaufshilfen für alle Menschen an, die aus Eigenschutz das Haus nicht verlassen sollten. Mittlerweile haben sich mehr als 20 Personen der Initiative angeschlossen. Die Organisation lief über die sozialen Medien. „Normalerweise bin ich auf Facebook und Co eher zurückhaltend, doch ich wollte Hilfe vor Ort anbieten und habe daraufhin den Aufruf in unterschiedlichen Gruppen gepostet.“ Dass sich innerhalb kürzester Zeit so viele Menschen melden würden, hatte sie dabei nicht erwartet.

Von großer Hilfsbereitschaft überrascht

Die große Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung hat auch Hannes und Anna Metzger positiv überrascht. Über ihre Internet-Plattform ulmhilft.com haben sich bereits mehr als 270 Personen aus dem Stadtgebiet gemeldet. Nach dem Vorbild berlin-hilft.com haben die Geschwister das Netzwerk Anfang dieser Woche ins Leben gerufen. „Obwohl es heißt, dass man zu engen Kontakt vermeiden soll, wollten wir helfen, wussten aber nicht so recht wie“, sagt Hannes Metzger.

Die Internetseite funktioniert ähnlich wie ein Schwarzes Brett. Über öffentliche Listen können sich Hilfesuchende direkt bei eingetragenen Helfern melden. „Wir sind auch dabei Flyer zu drucken und eine Hotline einzurichten, über die sich die Menschen melden können, die das Internet nicht aktiv nutzen“, erklärt Hannes Metzger. Doch nicht nur Privatpersonen sind aktiv, auch Institutionen und Vereine organisieren Hilfsangebote. Darunter die Freiwilligenagentur Ulm. In Kooperation mit der Stadt soll in den kommenden Tagen die Internetseite coronahilfe.ulm.de freigeschaltet werden. Dabei handelt es sich ebenfalls um eine Vermittlungsplattform. „Wir stehen im engen Kontakt mit den Behörden, anderen Initiativen und Vereinen. So können wir das Engagement bündeln und langfristig planen“, erklärt Gabriele Mreisi, Koordinatorin der Agentur.

Kirchliche Unterstützung

Kontakt bestehe zudem zu den Kirchen. Diese haben bereits eigene Aktionen auf den Weg gebracht. Der evangelische Kirchenbezirk Ulm startet kommende Woche eine Postkartenaktion, bei der alle Gemeindemitglieder angeschrieben und aufgerufen werden, sich zu melden, wenn Hilfsbedarf besteht. Die katholische Kirche setzt unter anderem auf das Jugendnetzwerk YoungCaritas, über das sich vor allem junge Ehrenamtliche organisieren können.

Mona Buchenscheit ist derweil viel beschäftigt. „Bei mir sieht es momentan aus wie in einer Einsatzzentrale“, erzählt sie lachend. Gerade arbeite sie unter anderem daran, ihren Aufruf in die türkische Sprache übersetzten zu lassen. Auch eine russische und ein englische Version sollen folgen. „In Zeiten wie diesen sind alle Menschen gefragt.“

Anlaufstellen im Alb-Donau-Kreis: Eine Auswahl


Vereine Die zahlreichen Freiwilligenagenturen in der Region können generell als Ansprechpartner für ehrenamtliche Arbeit genutzt werden. Die Agentur in Ulm ist unter www.engagiert-in-ulm.de oder unter Tel. (0731) 08 85 55 erreichbar. Für Interessierte aus Bayern empfiehlt sich der Blick auf die Internetseite www.unser.soziales.bayern.de.

Initiativen Über die sozialen Medien haben sich bereits verschiedene, unabhängige Ortsgruppen gebildet, etwa unter #nachbarschaftschallenge.

Kirchen Die Ehrenamtskoordinierungsstelle der Diakonie ist telefonisch unter (0731) 153 85 06 für Sie da. Die Freiwilligenbörse der Caritas unter Tel. (0731) 20 63  23.