Blaubeuren Centrotherm streicht 50 Stellen - Zeitplan noch offen

Blaubeuren / REGINA FRANK 24.09.2014
Die Centrotherm-Belegschaft kommt nicht zur Ruhe. Erneut werden in Blaubeuren Stellen abgebaut - im Gegensatz zu den Massenentlassungen 2012 will das Unternehmen ohne Kündigungen auskommen.

Der Maschinenbauer Centrotherm streicht an seinem Hauptsitz in Blaubeuren 50 der insgesamt 470 Stellen. Der Umbau des Photovoltaik-Herstellers sollte eigentlich ohne Personalabbau vonstatten gehen. "Das ist die erste vorausschauende Korrektur", sagt Pressesprecherin Nathalie Albrecht. Die Geschäfte laufen nicht mehr so gut, wie noch im ersten Halbjahr. "Wir warten nicht, bis uns das auf die Füße fällt."

Der geplante Personalabbau wird offenbar nicht auf eine bestimmte Abteilung - Produktion, Verwaltung oder Entwicklung - begrenzt sein. Er kann alle Bereiche betreffen, sagte Albrecht auf Anfrage unserer Zeitung. Der Vorstand diskutiere diese Frage mit dem Betriebsrat. Es steht auch noch nicht fest, bis wann die Arbeitsplätze wegfallen sollen. Unklar ist zudem, wie viele Stellen der Technologiekonzern weltweit streicht.

Unterdessen kursieren Befürchtungen in der Belegschaft, dies könnte der Anfang eines neuerlichen größeren Personalabbaus sein. Das Unternehmen wollte dazu am Dienstag keine Stellungnahme abgeben. Vor zwei Jahren hatten in der Region rund 200 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verloren - es gab Entlassungen. Das war wohlgemerkt vor überstandener Insolvenz und Restrukturierung. Bei den aktuell 50 Stellen will Centrotherm erklärtermaßen betriebsbedingte Kündigungen vermeiden. Die Reduzierung der Belegschaft solle so sozialverträglich wie möglich gestaltet werden.

Aus Sicht des Betriebsratsvorsitzenden Nicola Perniola sind zwei Punkte entscheidend. Erstens: wie die Zahl der Kollegen reduziert werden kann, die ihre Stelle verlieren - dies möglichst ohne betriebsbedingte Kündigungen. Zweitens: die Perspektiven für die verbleibenden Kollegen. Der Betriebsrat will gemeinsam mit der IG Metall und einem Juristen über eine adäquate Strategie beraten.

Hintergrund des neuerlichen Einschnitts bei Centrotherm ist die Entwicklung auf dem asiatischen Markt, wo der Photovoltaik-Spezialist 90 Prozent seines Umsatzes erwirtschaftet. Aufgrund der Verschärfung der US-Anti-Dumping-Zölle auf chinesische und taiwanesische Solarprodukte seien die Centrotherm-Kunden verunsichert und verschöben den Kauf neuer Produktionsanlagen, sagt Albrecht. Sie hätten ursprünglich geplant, ihre Kapazitäten zu erweitern und stünden nun vor der Frage, ob sie ihre Produkte zu einem höheren Preis noch verkaufen können. Die Entwicklung in Asien zeige, wie Markterholung durch Handelsschwierigkeiten kolportiert werden kann.

Der Vorstand der AG hält nichtsdestotrotz seine im Halbjahresbericht abgegebene Einschätzung, was maßgebliche wirtschaftliche Kennzahlen angeht, auch aus heutiger Sicht im Bereich des Möglichen. Demnach liegt das Umsatzziel bei 150 bis 200 Millionen Euro, sofern das Katar-Projekt weiterhin erfolgreich läuft und sich die Auftragslage im Segment Photovoltaik & Halbleiter nicht entscheidend verschlechtert. Nach wie vor erreichbar sei auch ein "ungefähr ausgeglichenes Konzernergebnis", hieß es. Der Anlagenbauer arbeitet wie berichtet daran, seine Verluste zu verringern.

Im laufenden Geschäftsjahr schlägt sich laut Albrecht noch der starke Anstieg der Auftragseingänge des ersten Halbjahres nieder, als Centrotherm von einer Marktbelebung der Photovoltaikindustrie profitierte und seine Position als führender Technologie- und Anlagenlieferant mit Vertriebserfolgen in Asien untermauern konnte. Es gingen drei Mal so viele Aufträge ein wie im Vergleichszeitraum zwischen Juni und November 2013.

Der Konzern setzt neben Personalabbau auch auf Effizienzsteigerung, Qualität und neue Produkte. Albrecht: "Man muss mit Innovationen schauen, der Konkurrenz einen Schritt vorweg zu sein."