„Baden-Württemberg wird nicht zum Windkraftland werden“, meint Guido Wolf, der 2016 das Amt des Ministerpräsidenten übernehmen will. Auf seiner Sommertour hat er am Dienstag in Begleitung der Bundestagsabgeordneten Ronja Schmitt und der Landtagskandidaten Manuel Hagel (Ehingen) und Thomas Kienle (Ulm) im Windpark Holzkirch-Neenstetten Station gemacht. Dort drehen sich seit 2008 drei Windräder, die einer Bank gehören, und für deren technische und kaufmännische Betriebsführung das in Leinfelden-Echterdingen ansässige Unternehmen Theolia zuständig ist. Jede der Anlagen mit einer Nabenhöhe von 100 Metern liefert laut Theolia-Prokurist Michael Werner pro Jahr einen Ertrag von 2,5 Millionen Kilowattstunden Strom. Die Anlagen rangierten im „unteren Mittelfeld“, sagte Werner. Wünschenswert wären 3,5 bis 4 Millionen Kilowattstunden.

Die Zahlen bestätigen Wolfs Meinung, der dem baden-württembergischen Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) vorgeworfen hat, bei der Energiewende zu sehr auf die Windkraft zu setzen. Die CDU lehne Windkraft in Baden-Württemberg nicht generell ab, sagte Wolf. Er wünsche sich aber Standorte, „von denen der Betreiber sagt, das ist zu 100 Prozent der richtige“. Der Eingriff in Natur und Landschaft müsse in einem gesunden Verhältnis zum Ertrag stehen. „Mir begegnet da auch viel Unmut im Land“, sagte Wolf. „Wenn Leute ein Windrad sehen, das sich nicht dreht, machen sie sich ihre Gedanken.“

Michael Werner erläuterte, dass die Anlagen vom Netzbetreiber zeitweise „heruntergeregelt“ werden, wenn im Netz ein Überschuss herrscht. Außerdem gebe es Pausen für Wartungen. Eines der drei Windräder stand wegen eines defekten Rotorblatts vier Monate lang still. Ein Bürger regte an, jeweils die Bürgermeisterämter über längere Stillstände zu informieren.

In dem vom Regionalverband Donau-Iller ausgewiesenen Vorranggebiet Holzkirch-Neenstetten sind vier weitere Windräder möglich. Rudolf Siehler, stellvertretender Bürgermeister in Neenstetten, meint, dass damit das Netz in Richtung Ulm überlastet werde. Es müsse eine Trasse nach Neenstetten gelegt werden, wo die Firma Binder hohen Strombedarf habe. Georg Engler, Bürgermeister in Weidenstetten, wünscht sich im Vorranggebiet eine Windkraftanlage mit Bürgerbeteiligung. Auf Weidenstettener Gebiet sei ein geeigneter Standort wegen der 15 Kilometer entfernten Wetter-Radarstation Türkheim abgelehnt worden. „Eine lächerliche Begründung“, meint Engler.

Für die Energiewende seien viele Hausaufgaben zu lösen, sagte Wolf. Es dürfe nicht jedes Bundesland für sich daran arbeiten, es brauche vielmehr eine „europäische Energiearchitektur“. Wichtig sei, die Energiewende mit den Bürgern, nicht gegen sie durchzusetzen. So kommt für Wolf die Gasgewinnung durch „Fracking“ nicht in Frage.