Unfall Bundesweit Schweigeminute für getötete Arbeiter

Rettungseinsatz im Zementwerk Schelklingen mit Rettungshubschrauber: Zwei Arbeiter waren in einem Silo von einem Gerüst gestürzt, das zusammengebrochen war. Die 20 und 40 Jahre alten Männer starben.
Rettungseinsatz im Zementwerk Schelklingen mit Rettungshubschrauber: Zwei Arbeiter waren in einem Silo von einem Gerüst gestürzt, das zusammengebrochen war. Die 20 und 40 Jahre alten Männer starben. © Foto: Ralf Zwiebler
Petra Laible 12.09.2018

Mit einer Schweigeminute in bundesweit allen Betrieben von Heidelberg Cement ist am Montag um 11 Uhr der beiden tödlich verunglückten Bauarbeiter im Schelklinger Zementwerk gedacht worden.

Zudem gab es im Schelklinger Werk aufgrund der Todesfälle um sieben Uhr eine außerordentliche Belegschaftsversammlung für die 147 Mitarbeiter, zu der der Vorstandsvorsitzende Dr. Bernd Scheifele und sein Stellvertreter Dr. Dominik von Achten angereist waren. Beide seien „schockiert“ gewesen, sagte Pressesprecherin Elke Schönig auf Anfrage. „So einen schweren Unfall hatte das Unternehmen seit Jahren nicht.“

Zwei 20 und 40 Jahre alte Bauarbeiter aus Polen waren am Freitag wie berichtet tödlich verunglückt. Die Zahl der Bauarbeiter im Zementwerk schwanke zwischen 200 und 300, sagte Schönig. Heidelberg Cement investiert 100 Millionen Euro in den neuen Wärmetauscher-Ofen. Das Schwesterprojekt im Zementwerk Burglengenfeld in der Oberpfalz sei jetzt in Betrieb genommen worden. Doch dieser Festtag sei vom Unfall „überschattet“ gewesen, das komplette Programm geändert worden.

Die Stimmung im Schelklinger Zementwerk sei „sehr gedrückt“, berichtete Schönig. Bei der Belegschaftsversammlung sei es um Gedenken, um Arbeitssicherheit, vor allem aber auch um Solidarität mit den Mitarbeitern gegangen. Besonders jenen der Werksfeuerwehr des Zementwerks, die bei der Bergung der  Toten eingesetzt wurden. „Sie sind furchtbar betroffen.“ Ein Notfallseelsorger sei am Freitag und auch am Montag vor Ort gewesen. „Wir sind alle noch mit der Trauerverarbeitung beschäftigt“.

Aus den Fehlern lernen

So ein Unfall dürfe nicht geschehen, Arbeitssicherheit habe einen sehr hohen Stellenwert im Unternehmen. Nun müsse die Ursache ermittelt werden, um aus den Fehlern zu lernen, „damit das nicht noch einmal passiert“. Über das unternehmensinterne Intranet seien die Mitarbeiter an allen Standorten über die Todesfälle informiert worden.

Die Ermittlung der Unfallursache wird dauern. Noch sei der Abschnitt um das Silo nicht freigegeben, erklärte Schönig. Das Gerüst sei einsturzgefährdet. Warum es teilweise eingestürzt war, darüber könne derzeit nur spekuliert werden. Möglicherweise sei etwas abgerissen.

„Das Silo ist beschlagnahmt“, erklärte Polizeisprecher Wolfgang Jürgens auf Anfrage. Es komme keiner ran. Die Kripo prüfe, wer sich dafür eigne, in das nur von oben zugängliche Anlagenteil mit dem zusammengebrochenen Gerüst einzusteigen. Dafür seien Experten von außen nötig. „Diese werden mit  unseren Kollegen von der Kripo und der Kriminaltechnik reingehen.“

Gerüst muss abgenommen werden

Kontrolle Grundsätzlich muss nach Auskunft von Fachleuten ein Gerüst von der Firma kontrolliert werden, die das Gerüst aufgebaut hat. Für jedes Gerüstsystem gebe es eine Aufbau- und Verwendungsanleitung. Ein Mitarbeiter der Firma, der Aufsicht führt, oder wie es im Fachjargon heiße, eine „befähigte Person“ müsse den Aufbau abnehmen. Ist alles korrekt ausgeführt, werde ein Schriftstück mit der Genehmigung am Gerüst angebracht und dieses freigegeben.  Baustellen würden in der Regel nur stichprobenartig kontrolliert.

Sicherung Ob die Arbeiter bei ihrer Beschäftigung in der Höhe gesichert sein müssen, hänge vom Einzelfall ab. Allgemein sei es jedoch so, dass man auf einem Gerüst, wenn es denn vorschriftsmäßig aufgebaut ist, durchaus ohne Sicherung arbeiten kann.

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