Bundeswehr Bundeswehr: Führerschein für Wiesel und Boxer

Dornstadt / Joachim Lenk 29.06.2018
Seit 40 Jahren gibt es das Ausbildungszentrum für die Fahrer von Militärfahrzeugen in Dornstadt. Es handelt sich um die älteste Einheit in Baden-Württemberg.

Das Kraftfahrausbildungszentrum Simulator Dornstadt kommt ins Schwabenalter. Die Militärfahrschule ist seit 40 Jahren in der Rommel-Kaserne stationiert. Während dieser Zeit wurden mehr als 30 000 Führerscheine ausgestellt. „Dass bei der Bundeswehr eine Kompanie so lange besteht, hat Seltenheitswert“, sagt der Zentrumsleiter Hauptmann Gerold Huber. Kein Wunder, dass es sich dabei laut Landeskommando in Stuttgart um „die älteste Einheit in Baden-Württemberg“ handelt.

Rückblick: Zu Zeiten des Kalten Krieges hatten die deutschen Streitkräfte noch mehr als 2000 Panzer. In Dornstadt gab es damals noch die Panzerbrigade 28. Nicht nur Soldaten dieses Verbandes, auch andere aus anderen Standorten Deutschlands mussten einen entsprechenden Führerschein machen, um mit den mehr als 40 Tonnen schweren Stahlkolossen vom Typ „Leopard I“ fahren zu können.
Deshalb wurde am 1. Juli 1978 die Fahrschule der Bundeswehr ins Leben gerufen, seinerzeit noch unter dem Namen Panzerausbildungskompanie Fahrsimulator Kette 201. Schon damals hatte diese vier simulatorengestützte Anlagen. Das war Ende der 1970er-Jahre noch etwas ganz Besonderes. „Vergleichbares gab es bis dato nur in der privaten und militärischen Luftfahrt“, erinnert sich Huber.

Die Fahrerkabine stand auf hydraulischen Stelzen und bewegte den Fahrer täuschend echt durchs virtuelle Gelände. In der Anfangszeit noch mit Landschaften und Häusern im Verhältnis 1:300, ähnlich wie bei Modelleisenbahnen.

Monat für Monat, manchmal Woche für Woche, gaben sich hochrangige Militärs aus aller Herren Länder, Landes- und Bundespolitiker sowie bekannte Wirtschaftschefs die Türklinke in die Hand, um  selbst einmal in einer Kabine Platz zu nehmen. So zum Beispiel die Verteidigungsminister Hans Apel (SPD), Manfred Wörner (CDU) und Rupert Scholz (CDU), die ihre Amtskollegen aus den USA, Spanien und Kanada mit nach Dornstadt brachten. Außerdem schauten verschiedene Vorstandsvorsitzende von Daimler-Benz und Krauss-Maffei vorbei. Die Gästebücher sind voll von bekannten Namen.

1994 kam die Ausbildung auf dem Kettenfahrzeug Mannschaftstransportwagen auf der Straße und im Simulator hinzu. Zwölf Jahre später endete die Schulung auf den Kampfpanzern vom Typ Leopard I und II. Danach bildete die militärische Fahrschule knapp zehn Jahre lang auf dem Wiesel die Soldaten aus – ebenfalls ein Kettenfahrzeug. Seit Anfang 2010 werden Berufs- und Zeitsoldaten zudem auf dem gepanzerten Transportfahrzeug Boxer geschult. Diese Ausbildung übernimmt innerhalb der Bundeswehr nur das Dornstadter Kraftfahrausbildungszentrum.

Geschult wird nicht nur auf dem angrenzenden Standortübungsplatz Lerchenfeld und in den inzwischen seit zehn Jahren computergesteuerten Fahrsimulatoren, sondern auch auf öffentlichen Straßen. Dort auf Landes-, Kreis und Bundesstraßen sowie auf der A 8 Richtung Merklingen beziehungsweise Leipheim. Außerdem auf der A 7 Richtung Illertissen.

Der Radius der Ausbildungsfahrten rund um die Rommel-Kaserne beträgt rund 40 Kilometer. Dabei werden unter anderem folgende Städte und Gemeinden angefahren: Merklingen, Dornstadt mit Ortsteilen, Ehingen, Langenau, Seligweiler und Oberdischingen im Alb-Donau-Kreis, erklärt Huber. Außerdem Ulm mit einigen Stadtteilen, Türkheim und Geislingen im Landkreis Göppingen sowie Illertissen im Landkreis Neu-Ulm.

Hauptmann Huber und seine 26 Fahrlehrer bilden jährlich rund 500 Soldaten aus ganz Deutschland aus. Die Ausbildung dauert mindestens 15 Tage. Der Fahrsimulator hat übrigens nichts mit einem Schießkino zu tun. Huber: „Bei uns wird nicht geschossen.“

Geringere Kosten und Umweltbelastung

Simulator Die Vorteile der computergestützten Ausbildung liegen für den Zentrumsleiter Hauptmann Gerold Huber auf der Hand: Simulation von Extremsituationen, analytische Auswertung der Ausbildung, Schonung von Ressourcen, Minimierung der Umweltbelastung sowie niedrigere Kosten.

Führerschein Mehr als 30 000 Soldaten haben in den vergangenen 40 Jahren dort ihren spezifischen Bundeswehrführerschein gemacht. „Die Durchfallquote liegt bei geringen fünf Prozent“, sagt  Huber. Die Kompanie wurde bislang von neun Kompaniechefs und fünf Kompaniefeldwebeln geleitet. lejo

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