Ortsentwicklung Bürgerwerkstatt mit vielen Ideen für Niederstotzingen

Niederstotzingen / Kurt Fahrner 21.07.2018

Das Stuttgarter Planungsbüro Reschl wurde vom Gemeinderat beauftragt, für Niederstotzingen ein integriertes Stadtentwicklungskonzpet (ISEK) zu erstellen, mit dem die gegenwärtig rund 4800 Einwohner zählende Kommune in den nächsten 15 Jahren ihre Stellung in der Region behaupten und ausbauen will.

Nach einer Auftaktveranstaltung und einer Bürgerbefragung, die beide auf großes Interesse gestoßen waren, bildete sich in der Stadt eine Bürgerwerkstatt. In zwei Gruppen wurden zu unterschiedlichen Lebensbereichen der Einwohner Verbesserungsvorschläge erarbeitet, um Niederstotzingen als „lebens- und liebenswerte Stadt“ zu erhalten und zu stärken.

Ihre Ergebnisse zu den Themen Wohnen, Wirtschaft, städtebauliche Gestaltung und Identität beziehungsweise Soziales, Nah­erholung, Tourismus und Mobilität gaben die Sprecher der Zukunftswerkstatt, Christine Sawetz und Ulrich Fista, jetzt im Gemeinderat bekannt.

„Wir liegen mit unseren Perspektiven für die Entwicklung der Stadt eng beieinander“, sagte Bürgermeister Marcus Bremer, „und nehmen ihre Vorschläge auf.“  Klar machte der Bürgermeister aber auch, Machbarkeit und Finanzierung zu berücksichtigen, die der Realisierung Grenzen setzen würden.

Philipp König und Adrian Schwake vom Planungsbüro lobten das Engagement der Bürgerwerkstatt und das große Interesse der Einwohner für das Entwicklungskonzept als selten zu erlebende Identifikation mit einer Kommune. „Keiner ihrer Vorschläge fällt unter den Tisch“, sagte König zu. Ob alle verwirklicht werden könnten, stehe jedoch auf einem anderen Blatt.

Jeweils fast eine halbe Stunde informierten Christine Sawetz und Ulrich Fista den Gemeinderat – und ließen dabei konkreten Vorschlägen breiten Raum.

So verlangte Sawetz beispielsweise bezahlbaren Wohnungsbau als Eigentum oder zur Miete, städtische Initiativen für regenerative Energieformen, eine  ökologische Gestaltung von Grünbereichen sowie die Ausweisung von Gewerbeflächen, um vor Ort Ausbildungs- und Arbeitsplätze zu bieten .

Sawetz konnte sich im bisherigen Netto-Gebäude einen Drogeriemarkt vorstellen, die Umgestaltung der Bahnhofsräume wie in Langenau für gastronomische Zwecke und für kulturelle Veranstaltungen. Und in den Schlössern im Stadtgebiet in Absprache mit deren Besitzern eine öffentliche Nutzung, wie dies auch für das ehemalige Oberstotzinger Rathaus vorgesehen werden sollte. Renaturiert gehöre der Gießbach in Richtung Günzburg.

Fista wünschte aus Sicht der Bürgerwerkstatt verstärkte Bemühungen, Niederstotzingen als kinder- und familienfreundliche Stadt auszubauen. Dazu gehörten mehr Angebote für die Jugend, die Schaffung von generationenübergreifenden Treffpunkten, die Förderung von Kleinkunst und nicht zuletzt die Intensivierung von Betreuungseinrichtungen für Kinder und Senioren.

Bedarfsgerechte ärztliche Versorgung und der Ausbau des Rad- und Wanderwegenetzes, die Steigerung der Attraktivität des Archäoparks durch Veranstaltungen und die Stärkung des ÖPNV wie die Einrichtung von E-Carsharing machte Fista geltend.

Hinsichtlich der Belastungen der Bürgerschaft durch den Durchgangsverkehr in der Stadt forderte er ein Verbot für Schwerlastverkehr, wie dies in Albeck umgesetzt wurde, ein Konzept für barrierefreie Gehwege, mehr Verkehrssicherheit durch überwachte Tempo-30-Zonen und Fußgänger-Überwege. Weniger Verkehrslärm in der Stadt werde auf Hauptverkehrsstraßen durch Flüsterasphalt erreicht.

Zeitrahmen und Finanzierung offen

Programm Beide Referenten nannten keine Details zur Finanzierbarkeit der Vorschläge. Und auch der zeitliche Rahmen blieb offen, sofern die Vorhaben überhaupt in den Zuständigkeitsbereich  der Stadt fallen. Trotzdem: „Es ist Bewegung in die Stadt gekommen“, fasste Gemeinderätin Mariana  Nikola die Vorschläge zusammen. „Und allein das ist sehr wichtig.“

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel