Auszeichnung Bundesverdienstkreuz für Sigisbert Straub

Dietenheim / Von Beate Reuter-Manz 09.11.2018
Der Dietenheimer Alt-Bürgermeister Sigisbert Straub erhielt das Bundesverdienstkreuz.

Wird das Sommerfest sein“, dachte sich Sigisbert Straub im Juli nichtsahnend, als ein edler Umschlag der Villa Reitzenstein in seinem Briefkasten steckte. Ministerpräsident Winfried Kretschmann persönlich kündigte dem Dietenheimer Alt-Bürgermeister in dem Brief die Auszeichnung mit dem Bundesverdienstkreuz an. Diese Nachricht hat den 66-Jährigen dann doch „ziemlich vom Hocker gehauen.“  Denn von solchen Absichten war ihm bis dato „überhaupt nichts bekannt“. Es handelte sich um einen „Uralt-Antrag“ seines vor Jahren verstorbenen, engen Freundes Hans-Jörg Bailer, ergaben später entsprechende Recherchen. Dass in Guido Wolf ein Minister persönlich die Verleihung übernehmen wollte, war Überraschung Nummer zwei. Denn ministeriale Visiten haben in der Kleinstadt an der Iller ziemlichen Seltenheitswert.

230 Gäste hatte Bürgermeister Christopher Eh als Gastgeber  am Donnerstag zum Festakt in die herausgeputzte Stadthalle geladen, wo die Stadtkapelle aufspielte. Fast alle kamen, darunter viele Weggefährten des Kommunal-Politikers, wie der ehemalige Landrat Heinz Seiffert. Dass die Familie mit Kindern, Enkeln, Nichten und Neffen nahezu 20-köpfig und damit  fast vollständig Anteil an der Auszeichnung nahm, freute Straub besonders.

In seinem Ruhestand wird es dem vierfachen Opa nicht langweilig. Er ist in drei Aufsichtsräten aktiv, so als Vorsitzender der Donau-Iller-Bank. Und er ist Mitglied in etwa 20 Vereinen, in einigen mischt er noch aktiv als Funktionär mit: im DRK Regglisweiler, in der Unita dei Cristiani, als Elferrat in der Fasnet oder auch bei der Bürgerwehr. Dass die zu Ehren ihres ehemaligen Vize-Kommandanten zum Ständchen aufmarschierte, versteht sich von selbst. Der sich verspätende Minister bekam vom mit Inbrunst intonierten „Dietenheimer Narrenmarsch“ nichts mehr mit, doch war der Laudator um eine Entschuldigung nicht verlegen: „Narrenmarsch? Da muss ich noch im Stuttgarter Landtag gehockt sein“, scherzte der gut gelaunte Justizminister und hatte die Lacher auf seiner Seite.

Nur wichtige berufliche Herausforderungen des CDU-Parteifreunds Straub, der 2012 nach 32-jähriger Amtszeit als dienstältester Bürgermeister im Alb-Donau-Kreis in den Ruhestand ging, benannte Wolf. „Seine Erfolgsprojekte füllen in der Antragsbegründung acht Seiten“, verdeutlichte der Europa-Minister.

Omnipräsent

Alle verbinde jedoch ein Ziel: „Die Zukunftsfähigkeit der Stadt zu sichern, sich nie nur auf Pflichtaufgaben zu beschränken.“ Das sei stets das Leitmotiv  Straubs gewesen, bei Bauland-Beschaffung, Kinderbetreuung, Schule oder Integration. Um zu erfahren, was den Dietenheimer Ehrenbürger menschlich ausmacht, erkundigte sich das Ministerium bei Gunter Czisch, der, wie Straub-Nachfolger Eh, aus der „Dietenheimer Bürgermeister-Schmiede“ (Wolf) stammt. Czisch charakterisiert Straub als omnipräsent, bürgernah und gesellig. „Fuhr der Skiclub ins Ausland, hatte Straub immer ein Dienstsiegel dabei und verlängerte kurz vor der Grenze noch die Pässe“, erzählte der Ulmer OB den Stuttgartern. „Wenn das nicht bürgernah ist“, entfuhr es Wolf.

Als „tatkräftig und verlässlich“ bezeichnet Landrat Heiner Scheffold den CDU-Kreisrat, der seit 1984 im Gremium sitzt und es aktuell mit dem dritten Landrat zu tun hat. Straub habe angefangen, als die Kreismülldeponie Litzholz in Betrieb genommen wurde. Heute ist sie längst Geschichte. Und, als der Alb-Donau-Kreis noch 14 Jahre entfernt war von der Gründung des Nahverkehrsverbundes Ding. Straubs Stimme habe Gewicht, doch: „Sie melden sich nur dann, wenn es der Sache dient und weiterführt.“ Er engagiere sich für die Kreispolitik in ganzer Bandbreite.

Zigarrenbeschaffer

Das zeige auch seine Tätigkeit als Aufsichtsratsmitglied der Krankenhaus GmbH oder als Mitglied des Zweckverbands Oberschwäbische Elektrizitätswerke (OEW). „Sie haben dafür gesorgt, dass es bei der OEW ordentlich qualmt.“ Denn Straub sei hoch geschätzter Verantwortlicher für die Zigarrenbeschaffung, auch zu fortgeschrittener Stunde. Dank sprach Scheffold ihm aus für das Engagement bei der Unterbringung von Spätaussiedlern. Von 1991 bis 1999 hatte Dietenheim das größte Übergangswohnheim im Kreis. „Sie haben ein großes Herz für Menschen“, konstatierte Scheffold. Straub halte die Fahnen guter Tradition hoch: unverkrampft, bürgernah, mit Herz, Humor und Verstand. Deshalb habe er das Bundesverdienstkreuz verdient.

Der frisch gebackene Träger der höchsten Würdigung der Bundesrepublik machte es am Ende kurz und bündig: Die Ehrung nehme er stellvertretend für alle ehrenamtlich Tätigen an. Zwar bringe Ehrenamt kein Geld, dafür aber „schöne Erlebnisse und menschliche Begegnungen“.

Zwei Träger in Dietenheim

Auszeichnung Der Verdienstorden, auch Bundesverdienstkreuz genannt, wird  für besondere Verdienste im politischen, wirtschaftlich-sozialen und geistigen Bereich verliehen. Er ist die höchste Anerkennung, die die Bundesrepublik für Verdienste um das Gemeinwohl ausspricht. Seit der Stiftung durch Bundespräsident Theodor Heuss im Jahr 1951 wurde der Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland rund 257.000 Mal verliehen. In Dietenheim gibt es neben Sigisbert Straub in Max Semler noch einen zweiten Träger.

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