Skeptischer Blick, dann hellt sich das Gesicht auf: „Ach ja!“. Sascha Vespermann macht vor, wie die Illerkirchberger reagieren, wenn ein junger Mann vor ihrer Haustür steht und sich als Bürgermeisterkandidat vorstellt. An mehr als 1000 der 1700 Haustüren habe er schon geklingelt, mit Menschen gesprochen oder wenigstens einen Türhänger hinterlassen.

Trotz Corona findet der jüngste unter den insgesamt fünf Bewerbern: „Nichts ersetzt den Haustürwahlkampf.“ Weil er sich bei den Bürgern persönlich vorstellen kann – „das gehört sich einfach“ – aber auch, weil er auf seiner Tour durch die Illerkirchberger Ortsteile „jede Ecke und jedes freie Grundstück kennenlernen darf – und die Menschen“.

Wohnraum mit dörflichem Charakter

Illerkirchberg sei „klein genug, dass man als Bürgermeister für jeden da sein kann“, sagt Vespermann: Das mache für ihn den Charme aus. Er wolle deshalb ein „gesundes Wachstum“: Wohnraum schaffen, aber den dörflichen Charakter erhalten. Die Nachfrage sei auf jeden Fall groß.
Zu den jungen Familien, die nach Illerkirchberg ziehen wollen, gehören auch der 30-Jährige und seine Ehefrau Swenja Vespermann, die bisher mit ihrem Kaninchen-Senior „Peterle“ in einem Einfamilienhaus in Betlinshausen (Illertissen) zur Miete wohnen. Vor anderthalb Jahren haben sie geheiratet, Kinder sind geplant, die Familie von Swenja Vespermann lebt in Illerkirchberg. Der Umzug sei daher „eine sehr ernsthafte Überlegung“.
Sascha Vespermann ist selbst im benachbarten Senden-Ay aufgewachsen, kennengelernt hat sich das Paar 2012 im Sendener Rathaus. Sie arbeitet dort im Bürgerbüro, er war Stadtrat. 2010 sei er mit 20 Jahren einer der jüngsten Bayern gewesen, die in ein solches Gremium gewählt wurden, sagt er. Im Stadtrat saß der frühere Bezirksschülersprecher für die SPD, als Bürgermeister kandidiert er unabhängig von seiner Parteizugehörigkeit.
Auch ohne Verwaltungsstudium möchte der 30-Jährige, der bisher als Senior Sales Executive bei einem Münchner Gerätehersteller angestellt war, nicht als Quereinsteiger bezeichnet werden. Gerade in Senden sei er bestens vernetzt – ein Vorteil für die interkommunale Zusammenarbeit, die er als Bürgermeister stärken wolle. Eines der Ziele in seinem Fünf-Punkte-Plan für Illerkirchberg ist die Bus-Anbindung nach Senden, um von dort mit der Bahn fahren zu können.
Zwischen der Leitung eines Unternehmens und der eines Rathauses gebe es Parallelen, findet Vespermann. Zur aktuellen Finanzsituation sagt er: Es sei gut, dass in Kitas und Schule investiert würde, doch die Ursache für die geplanten elf Millionen Euro neuen Schulden bis 2023 lägen in einem Investitionsstau. „Lieber in kleinen Schritten, regelmäßig Investitionen tätigen“, sei seine Idee für die Zukunft.

Besser kommunizieren

Dafür wolle er eine übergeordnete Städteplanung, eine „Vision“ für die Gemeinde entwickeln – mit den Illerkirchberger Bürgern, Geschäftsleuten, Vereinen, Kirchen und dem Gemeinderat. Er strebe eine „deutliche Verbesserung der Kommunikation“ an: „Da muss ich als Bürgermeister selber die Gespräche führen“.

Durch sein Studium mit einem Schwerpunkt auf Journalismus und Nebenjobs als Moderator habe er gelernt, Inhalte zu „filtern“, zu vermitteln und Konsense zu erreichen. Fähigkeiten, die er auch im Gemeinderat einsetzen wolle, um eine sachlich-professionelle Kommunikation zu sichern.
„Ich glaube, dieser Neuanfang ist notwendig“, sagt Vespermann. Sein Eindruck sei, dass das Gremium die Turbulenzen der Vergangenheit hinter sich lassen und miteinander arbeiten wolle.

Illerkirchberg wählt am 12. Juli


Wahl 3800 von 4800 Illerkirchberger Bürgern sind am 12. Juli aufgerufen, einen neuen Bürgermeister zu wählen. Die SÜDWEST PRESSE stellt die Kandidaten Steffen Buse, Markus Häußler, Sascha Vespermann und Giuseppe Lapomarda in Portraits vor. Dauerkandidat Samuel Speitelsbach hat seine Bewerbung zwar nicht zurückgezogen, verfolgt die Kandidatur jedoch nicht mehr aktiv. In zwei Kandidaten-Vorstellungen in der Sporthalle am Freitag, 3. Juli, und am Samstag, 4. Juli, bekommen die vier verbleibenden Kandidaten von 19 Uhr an (Einlass: 18.30 Uhr) je zehn Minuten Zeit, sich vorzustellen, können dann fünf Minuten vom Publikum befragt werden und schließlich in allgemeiner Runde diskutieren.

Fragen Kommende Woche soll es in der SÜDWEST PRESSE eine Kandidaten-Kurzvorstellung geben. Bürger, die eine Frage an alle Bewerber haben, können diese mailen: regionalredaktion@swp.de, Betreff: Wahl Illerkirchberg