Der Name führt in die Irre: Giuseppe Lapomarda hört sich nach einem waschechten Italiener an. Väterlicherseits stimmt das, die Mutter war Ehrensteinerin. Mehr als alles andere ist der 58-Jährige aber Illerkirchberger. „Ich bin tatsächlich genau zwischen Ober- und Unterkirchberg geboren, in der Ziegelei“, sagt Lapomarda, der seinen Heimatort nach eigenen Worten sein ganzes Leben lang nie für längere Zeit verlassen hat – und nie verlassen wollte. Dass er Illerkirchberg wie seine Westentasche kennt – Lapomarda wohnt mit seiner Frau und den zwei Söhnen in Unterkirchberg – nimmt man dem CAD-Konstrukteur gerne ab.

Von klein auf in der Gemeinde aktiv

Auch die Illerkirchberger kennen Lapomarda: Er war Ministrant, hat lange Fußball gespielt, war Trainer beim KSV Unterkirchberg, Vereinsfunktionär. Nicht zuletzt ist er seit 16 Jahren für die Unabhängige Bürgerliste im Gemeinderat und stellvertretender Bürgermeister. „Ich muss Bürgernähe gar nicht erst schaffen. Ich bin bürgernah“, sagt Lapomarda selbstbewusst.

Bürgermeister als Moderator

Nun also die – parteilose – Bewerbung um die Nachfolge von Bürgermeister Anton Bertele. Warum? „Ich stecke in allen Projekten der Gemeinde drin und kenne mich aus. Ich bin inzwischen auch Kreisrat und daher der richtige Mann, um die Gemeinde neu aufzustellen.“ Dass er kein ausgebildeter Verwaltungsmensch ist, sieht er nicht als Problem. „Wir haben eine fachlich gut aufgestellte Verwaltung, ich sehe meine Aufgabe als Bürgermeister im Moderieren.“ Zumal er die Arbeit aus der Zeit von Berteles Erkrankung, in Summe sei das gut ein Jahr gewesen, bereits kenne. „Ich weiß, worauf ich mich einlasse.“

Der 58-Jährige findet es an der Zeit, dass die knapp 5000 Ober- und Unterkirchberger wieder ihre Zukunft planen. „Gemeinsam.“ Das heiße für ihn auf Augenhöhe mit dem Gemeinderat, „und vor allem muss die Arbeit transparent sein“. Angesichts der finanziellen Lage – bis 2023 dürfte Illerkirchberg an die zwölf Millionen Euro Schulden haben – seien die Spielräume klein: Pflicht statt Kür. „Deshalb verspreche ich auch nichts Großes.“ Aber man müsse in einer Kommune langfristig planen, „damit es, wenn das Geld da ist, vorwärts geht“.

Neue Baugebiete sind notwendig

Neue Baugebiete, vor allem in Oberkirchberg, müssten angegangen werden. „Seit 15 Jahren gibt es dort keine neuen Bauplätze.“ In Unterkirchberg habe man das Gebiet in der Mussinger Straße mit rund 30 Bauplätzen nach langem Hin und Her umsetzen können. Langfristig könnten es dort noch mehr werden. Ein weiteres Projekt, das laut Lapomarda dringend geplant werden sollte, ist das Sportgelände an der neuen Halle zwischen Ober- und Unterkirchberg. Es sei im Gemeinderat schon immer Konsens, dass dort eine Außensportanlage hin soll. „Sonst können die Schüler im Sommer nicht mal draußen was machen.“ Schnell umsetzbar sei das sicherlich nicht, aber „man muss gucken, dass es weitergeht“.

Im Hinblick auf den demografischen Wandel sei es zudem an der Zeit, dass Illerkirchberg sich mit den anderen Mitgliedern des Gemeindeverwaltungsverbands Kirchberg-Weihungstal des Themas Pflegeheim annehme. Zwar gibt es betreutes Wohnen im Ort, aber eine Pflegeeinrichtung sei angesichts der steigenden Zahl von alten Menschen wichtig. Ob ein solches Pflegeheim dann in Illerkirchberg gebaut wird – „das wäre mir persönlich natürlich am liebsten – ober in Staig, Schnürpflingen oder Hüttisheim, sei dann ein anderes Thema.

Kulturring reaktivieren

Ideen hat Giuseppe Lapomarda genug – zum Beispiel die Renaturierung der Weihung in der Unterkirchberger Ortsmitte oder ein Fußgängersteg über die Iller. Aber wie gesagt: In der Gemeindekasse herrscht Ebbe. Gänzlich ohne Geld ließe sich laut des Kandidaten aber der Kulturring reaktivieren. Den habe Bürgermeister Bertele vor Jahren abgeschafft. „Da haben sich die Vereine, Kirchen und andere Gruppen regelmäßig getroffen und beispielsweise abgesprochen, wann wer seine Feste macht“, erzählt Lapomarda. Den Kulturring werde er, falls er am 12. Juli gewählt wird, so schnell wie möglich wieder einführen. „Damit die Leute sich wieder kennen und Gemeinsamkeiten entstehen.“

Fragen an die Kandidaten stellen


Kandidaten Die SÜDWEST PRESSE stellt die Kandidaten Steffen Buse, Markus Häußler, Sascha Vespermann und Giuseppe Lapomarda in Portraits vor, diese sind nachzulesen unter: swp.de/illerkirchberg. Samuel Speitelsbach verfolgt seine Kandidatur nicht weiter. Am Freitag, 3. Juli, und am Samstag, 4. Juli, stellen sich die verbleibenden Kandidaten von 19 Uhr an in der Sporthalle (Einlass: 18.30 Uhr) vor.

Fragen Kommende Woche gibt es in der SÜDWEST PRESSE eine Kurzvorstellung. Bürger, die eine Frage an alle Bewerber haben, schicken diese an: regionalredaktion@swp.de, Betreff: Wahl Illerkirchberg