Steffen Buse war 48 Jahre lang fest in Bietigheim verwurzelt. Dort wurde er geboren, machte das Abitur, dort wurden seine beiden Kinder geboren und dort arbeitete er nach dem Studium zum Diplom-Finanzwirt ab 1999 im Finanzamt. Seine Trennung führte ihn dann vor etwa einem Jahr nach Illerkirchberg.

Schon immer gerne Stellung bezogen

In seiner neuen Heimat lernte der 49-Jährige das Theaterspiel schätzen, das Singen im Chor und das leichte Weizen, das man im Unterland kaum kenne. Und nun bewirbt sich Buse, freigestelltes Mitglied des Hauptpersonalrats beim Finanzministerium Baden-Württemberg, um den im August frei werdenden Bürgermeisterposten. Er möchte sich damit einer neuen beruflichen Herausforderung stellen. Sich auf den Ruhestand „hinschaukeln“ sei nicht seine Art. „Politisch“ im Sinne von gerne Stellung beziehen, sei er schon als Schüler gewesen.

„Wer redet, hört den anderen nicht“

An dem Amt reize ihn besonders die Möglichkeit, Dinge zu gestalten. Hierbei sehe er den Part des Bürgermeisters vor allem als Moderator. Als solcher möchte er die Bedürfnisse in der Gemeinde, von Gruppen wie Senioren und Jugendlichen, ausloten. Zuhören sei eine seiner Stärken: „Wer redet, hört den anderen nicht“, sagt Buse. Überhaupt liege bei dem Amt die Betonung auf dem Wort Bürger, nicht auf Meister. Lösungen und Zukunftsziele könnten nur gelingen, wenn sie gemeinsam von Bürgern, Gemeinderat und Verwaltung erarbeitet, festgelegt und umgesetzt werden.

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Illerkirchberg

Besonders gegenüber dem Gemeinderat habe sich eine Verwaltung zu beweisen, sie müsse Unterlagen, Gesetze und Verordnungen verständlich aufbereiten, damit das Gremium gute und richtige Entscheidungen treffen könne.

Forderungen vertreten

Buse ist ein Fan von interkommunaler Zusammenarbeit, wie sie beim Verwaltungsverband Kirchberg-Weihungstal praktziert wird. So könnten Sachmittel effektiver genutzt und Forderungen gegenüber dem Land besser vertreten werden. Es könne zum Beispiel nicht sein, dass dieses hohe Auflagen und Regeln für die Kinderbetreuung festlege, die Gemeinden aber weitgehend die Kosten dafür tragen müssten.

Das führt den Kandidaten zu der finanziellen Situation der Iller-Gemeinde. Fast zwölf Millionen Euro Schulden bis 2023 seien eine große Bürde. Hier gelte es, insbesondere staatliche Transferleistungen anzuzapfen, denn die eigenen Möglichkeiten wie eine Erhöhung der Gewerbesteuer oder Grundsteuern seien „nicht mehr als ein Tropfen auf heißem Stein“. Beim „Dranbleiben“ an staatlichen Zuwendungen sieht Buse eine weitere seiner Stärken. Als Mitglied des Hauptpersonalrats sei er gewohnt, mit Politikern aller Parteien zu reden, die für klare Anliegen auch durchaus zugänglich seien.

Buse ist Mitglied der Grünen

Seine eigene Mitgliedschaft bei den Grünen sei in der Gemeindepolitik „völlig außen vor“, versichert Buse. Da halte er es mit dem früheren Stuttgarter Oberbürgermeister Manfred Rommel: „Der Stuhl eines Bürgermeisters ist weder schwarz, rot oder grün, sondern nur hart.“ Unter dieser Prämisse wolle er sich für Illerkirchberg einbringen und „auch dicke Bretter bohren“.

Nachfolger für Anton Bertele wird am 12. Juli gewählt


Wahl Am Sonntag, 12. Juli, sind 3800 der insgesamt 4800 Illkirchberger Bürger aufgerufen, einen Nachfolger für Bürgermeister Anton Bertele zu wählen, der nicht mehr antritt. Am Donnerstag, 3. Juli, findet ab 18 Uhr in der Sporthalle die öffentliche Kandidatenvorstellung statt. Wegen der Corona-Einschränkungen sind nur 100 Zuschauer in der Halle zugelassen. Diese werden ausgelost, der Anmeldeschluss für einen Platz endet am Montag. Die Vorstellung wird im Internet übertragen.

Portraits Die Südwest Presse stellt in den kommenden Tagen die fünf Bürgermeisterkandidaten vor – nach Eingang ihrer Bewerbung. Auf Steffen Buse folgen Markus Häußler, Samuel Speitelsbach, Sascha Vespermann und Giuseppe Lapomarda.