Natur Bürgermeister fühlt sich zur Absage gedrängt

Staig / Franz Glogger 16.06.2018

Wer, wie, was, wieso, weshalb, warum ...? All diese Fragen hat die Diskussion um den verhinderten Amphibienteich in Staig aufgeworfen. Von ministerialer Ebene seien die untergeordneten Ämter „höchst formell angewiesen“ worden, das Vorhaben aus den Plänen für die Renaturierung der Weihung zu streichen. Mit diesen Worten hatte der Staiger Bürgermeister Martin Jung in der vergangenen Woche im Gemeinderat erklärt, dass der am Reichenbach in der Nähe zum Wohngebiet „Saunfeld“ geplante Teich nicht kommen wird. Grund: die mögliche Lautstärke von Froschgequake. Dass hinter der „Anweisung“ das Umweltministerium in Stuttgart steckt, lag nahe, und wurde sogleich von eigen Gemeinderäten erbost aufgegriffen (wir berichteten).

Diese Behauptung „ist falsch“, teilt nun Frank Lorho, Pressesprecher des Ministeriums, mit. Das Biotop sei keinesfalls vom Umweltministerium gestoppt worden: „Das Ministerium hat weder eine Entscheidung getroffen, noch eine Weisung erteilt.“

Lorho widerspricht auch der Darstellung des Landratsamts Alb-Donau, wonach Umweltministerium und Landratsamt übereinstimmend zu dem Ergebnis gekommen seien, „dass die nächtlichen Lärmwerte einen Biotopteich am bisherigen Standort, mit Blick auf die Anwohner, nicht zulassen“. Die Lärmprognose habe einzig das Landratsamt vorgenommen und der Gemeinde umgehend mitgeteilt.

Ein Mitwirken des Ministeriums an dem Vorhaben habe sich erledigt, als der Bürgermeister erklärte, die Gemeinde nehme davon Abstand, sagt Lorho. Ausschlaggebend dafür seien wohl die Petition eines Anwohners an den Landtag, das „Einschreiten einzelner Anwohner“  und negative Auswirkungen des Teichs auf den Grundwasserstand gewesen.

Bürgermeister Jung räumt nun ein, von sich aus auf den Bau des Biotops verzichtet zu haben. Allerdings nicht ganz freiwillig. Eine Mitarbeiterin des Fachdienstes Umwelt- und Arbeitsschutz im Landratsamt habe ihm mit Hinweis auf einschlägige Urteile erläutert, dass der Teich wegen der berechneten Lärmwerte so nicht umsetzbar sei. Dies habe ihm auch Fachdienstleiter Reinhold Ranz bestätigt.

Verzicht nahegelegt

Ranz habe ihm nahegelegt, auf das Vorhaben nicht umzusetzen. Das Landratsamt habe ihn in diese Richtung „gedrängt“, sagt Jung. Deshalb habe er keine andere Möglichkeit gesehen, als den Verzicht zu unterschreiben. An der Beurteilung habe er nicht gezweifelt: „Wenn meine Fachbehörde sagt, es sei so“.

Allerdings gebe es die vom Umweltministerium angeführten Grundwasserprobleme gar nicht. Das habe das in Auftrag gegebene und bei der Bürgerinformation Ende April vorgestellte „Riesengutachten“ gezeigt.

Wenn durch seinen Verweis auf eine „höchstministerielle“ Anweisung ein Missverständnis entstanden sei, „stehe ich dazu“. Letztendlich habe er Sorge gehabt, zugesagte Fördermittel zu verlieren. Dazu sollte es auf keinen Fall kommen, betont Jung. Zudem habe er befürchtet, mit der Renaturierung ins Stocken zu kommen. Das wäre wegen der engen Verknüpfung mit der Flurbereinigung Steinberg sehr ungünstig gewesen: „Die Flurbereinigung würde nicht auf uns warten.“ Wie vergangene Woche im Gemeinderat angekündigt, werde die Kommune nun andere Schritte unternehmen, um das Biotop zu ersetzen. Die neue Planung werde mit dem Landratsamt abgesprochen. Diese Planung laufe bereits, bestätigt die Kreisbehörde. Die Förderung werde an die geänderte Planung angepasst.

Eigentlich als Zone der Naherholung vorgesehen

Teich Von dem 60 auf 40 Meter großen Amphibienteich an der Weihung als Zone der Naherholung sollten die Staiger profitieren. Der Abstand von dem Sekundär-Biotop zu den Häusern hätte etwa 80 Meter betragen.

Renaturierung Die Gemeinde Staig plant entlang der Weihung in den nächsten drei Jahren etwa 15 Einzelvorhaben. Dazu gehören zum Beispiel die Aufweitung des Bachbetts, Ausleitungen in die Aue sowie der Abbau von Sohlschwellen, die bislang eine Wanderung von Lebewesen flussaufwärts verhindern. Die Renaturierung ist mit etwa einer Million Euro veranschlagt. Das Land hat für das Projekt eine Förderung von 85 Prozent zugesagt.

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